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Es gibt Fußballabende, die schreiben sich von selbst in die Geschichtsbücher - und es gibt solche, an denen man eher das Drehbuch eines Dramas vermutet. Der gestrige Champions-League-Abend in Anderlecht gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. 79.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das mitreißender kaum hätte sein können: PRS Anderlecht unterlag den London Blues mit 2:4, obwohl sie in der ersten halben Stunde wie das Team der Stunde wirkten. Dabei begann alles wie gemalt für die Hausherren. Offensiv eingestellt, aggressiv in den Zweikämpfen und mit deutlich mehr Zug zum Tor - Trainer Markus Meyer hatte seine Elf perfekt auf die Flügelangriffe eingestellt. "Wir wollten Druck machen, sie gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", erklärte Meyer später, mit einem Gesichtsausdruck zwischen Stolz und Fassungslosigkeit. Nach einer Serie von frühen Chancen - Gardar Uggla, Brent Van Mele und Nils Arndt prüften den Londoner Keeper Bent Ipsen gleich mehrfach - fiel das 1:0 in der 28. Minute völlig verdient. Arndt zog nach Vorlage von Rechtsverteidiger Oscar Teixeira aus der zweiten Reihe ab, und der Ball zappelte unhaltbar im Netz. Das Stadion bebte, die Fans sangen, und der belgische Himmel schien kurzzeitig lila getönt. Nur zwei Minuten später legte Salvador Ramiro nach - nach einem feinen Doppelpass mit Stürmer Jarne Burghgraeve. 2:0 nach 30 Minuten, ein Spiel unter Kontrolle, die Londoner wankten. Fabio Rapi, der Trainer der Blues, stand kopfschüttelnd an der Seitenlinie und rief seinem Team zu: "Wacht endlich auf, ihr seid nicht im Hyde Park!" Und tatsächlich: Genau das taten sie. Gabriel Hathaway nutzte in der 40. Minute die erste echte Chance der Gäste, nach einem Pass von Jose Maria Farinos. Zwei Minuten später egalisierte Connor Lansbury mit einem satten Schuss nach Zuspiel von Kian Hoskins. Aus einem komfortablen Vorsprung wurde binnen 120 Sekunden ein Schock. "Wir haben kurz vergessen, dass man auch verteidigen muss", murmelte Anderlechts Innenverteidiger Henri Bossong nach dem Spiel mit bitterem Lächeln. Mit 2:2 ging es in die Pause, doch die Blues hatten Blut geleckt. Lansbury traf erneut direkt nach Wiederanpfiff (46.), diesmal nach Pass von Jay Sterling - und plötzlich stand es 2:3. Die Londoner, bis dahin taktisch eher unauffällig, spielten nun abgeklärt, ruhig, fast schon britisch unterkühlt. Anderlecht dagegen rannte an, schoss aus allen Lagen - insgesamt 21 Torschüsse im Spiel, fast doppelt so viele wie der Gegner. Doch der Ball wollte nicht mehr rein. Ipsen im Londoner Tor wuchs über sich hinaus, fischte selbst Unhaltbare aus dem Winkel. "Ich hatte das Gefühl, der Ball war magnetisch an seine Handschuhe geheftet", sagte Nils Arndt kopfschüttelnd. Das Spiel kippte endgültig in der Schlussphase. Gardar Uggla, bis dahin einer der Aktivposten, kassierte erst Gelb (20.) und dann in der 84. Minute Gelb-Rot, nachdem er beim Versuch, den Ball zu erobern, etwas zu beherzt in den Zweikampf ging. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er später. "Leider war der Ball zu schnell." Und als ob das nicht genug wäre, setzte der 21-jährige Kian Hoskins in der 90. Minute den Schlusspunkt. Nach einem präzisen Pass von Jay Sterling schob er eiskalt zum 2:4 ein - das Stadion verstummte, nur die blau gekleideten Gäste jubelten im gleißenden Flutlicht. Die Statistik erzählte am Ende eine bittere Wahrheit: 46,6 Prozent Ballbesitz für Anderlecht, 21 Torschüsse, aber kein Ertrag. London dagegen - 53,3 Prozent Ballbesitz, 11 Schüsse, vier Tore. Effizienz in Reinform. "Wir haben gelernt, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist", sagte Trainer Meyer nachdenklich. Sein Gegenüber Rapi grinste nur: "Manchmal reicht es, hübsch zu gewinnen." Taktisch blieb Rapi seinem Stil treu - keine wilden Pressing-Aktionen, kein Hochrisiko. Einfach geduldig warten, bis der Gegner sich selbst überholt. Meyer dagegen ließ offensiv fluten, bis selbst die Außenverteidiger schon fast im gegnerischen Strafraum auftauchten. Am Ende war der Preis hoch: ein Platzverweis, Frust und das Aus in der Champions League. Und so verließen die London Blues den Platz als Sieger - abgeklärt, effizient, fast schon britisch gelangweilt. Anderlecht dagegen ging mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Herzen vom Feld. "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens spektakulär", sagte Burghgraeve zum Abschied und klopfte seinem Trainer auf die Schulter. Man darf sicher sein: Die Fans werden sich an diesen Abend noch lange erinnern - an ein Spiel, das alles hatte, was Fußball so schön und so grausam zugleich macht. 16.01.643991 13:50 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: