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Es war ein Pokalabend, der in Liverpool noch lange für Gesprächsstoff sorgen dürfte. 53.100 Zuschauer im Stadion erlebten ein Drama in mehreren Akten - mit Lachen, Zittern, einem verletzten Veteranen und schließlich Tränen im Elfmeterschießen. Am Ende jubelte der Außenseiter: Pompey FC gewann beim Favoriten Liverpool Reds mit 6:4 nach Elfmeterschießen (1:1 nach 120 Minuten). Dabei hatte alles nach einem typischen Heimspiel der Reds ausgesehen: frühes Pressing, ein Offensivfeuerwerk, das die Gäste aus Portsmouth - pardon, "Pompey" - phasenweise wie Strandurlauber im Nordseesturm aussehen ließ. Schon nach vier Minuten prüfte Hans Horn für Pompey den Keeper Bernheim, doch im Gegenzug rollte Angriff auf Angriff der Reds. "Wir wollten sie von Anfang an hinten einschnüren", erklärte Trainer Heiner Schneider später, "aber der Ball hatte heute einfach eigene Ideen." Diese Ideen waren tückisch. In der 24. Minute nutzte Aris Vyntra, 35 Jahre jung, die erste echte Chance der Gäste - ein trockener Schuss aus dem Rückraum, 0:1. "Ich dachte, meine Beine machen das nicht mehr mit", grinste der Routinier nach Abpfiff, "aber dann hat der Ball sich entschieden, reinzugehen." Drei Minuten später antwortete der 18-jährige Oliver Watkins auf Vorlage von Duarte Capucho mit dem Ausgleich. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Watkins schüchtern, "Duarte meinte danach, das sah fast absichtlich aus." Danach begannen die Reds das Spiel zu dominieren - 52 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, und doch kein weiteres Tor. Josef Lundqvist prüfte den Gästekeeper Meister mehrfach, doch der Name war Programm: Hartmut Meister hielt meisterlich. "Ich hatte das Gefühl, er klebte magnetisch am Ball", fluchte Schneider halbironisch. Pompey dagegen blieb defensiv ruhig, fast stoisch. Trainer Garfield Gabriel stand an der Seitenlinie mit der Körpersprache eines Mannes, der gerade einen Spaziergang macht. "Wir wussten, dass sie kommen würden", erklärte er später, "aber wir hatten Tee in der Kabine. Und Geduld." In der zweiten Halbzeit wurde es ruppiger. Die Reds drückten, Marco Hermenegildo drosch aus allen Lagen drauf, William Gallagher versuchte es mit jugendlichem Übermut. Doch Pompey blieb unbeeindruckt, lauerte auf Konter. Dann der Schreckmoment in der 105. Minute: Aris Vyntra, der Torschütze, blieb nach einem Zweikampf liegen. Verletzung - Auswechslung. Für ihn kam Elias Bertram, der prompt Gelb sah, als er in der 109. Minute mit vollem Körpereinsatz in die Liverpooler Abwehr rauschte. Die Verlängerung brachte Chancen, aber keine Tore. Joan Brito verzog in der 106., Capucho setzte in der 123. den Ball in die Wolken. "Ich hab den Ball noch immer nicht wiedergefunden", witzelte der Portugiese hinterher. Dann das Elfmeterschießen - ein Nervenspiel, das in Liverpooler Geschichte eingehen dürfte. Lucas Madigan eröffnete souverän für die Reds, Horn glich aus. James Mayhew traf ebenso, Kilbane antwortete. Adam Henderson verwandelte cool, Bertram ebenso. Dann kam Ashton Hoskins - und verschoss. "Ich habe kurz gezuckt, weil ein Fan ’Schieß, Junge!’ rief", erklärte er später, "das war wohl zu viel Motivation." Pompey blieb eiskalt: Zivkovic traf, Allington vergab - und Louis Blanqui, 34 Jahre alt, machte mit dem letzten Schuss alles klar. 6:4 nach Elfmetern. Jubel in Blau, Entsetzen in Rot. "Fußball kann grausam sein", seufzte Schneider. "Manchmal spielt man besser und verliert trotzdem. Heute war so ein Tag." Sein Gegenüber Gabriel grinste: "Wir haben nicht gewonnen, weil wir besser waren - sondern weil wir länger gelächelt haben." Die Statistik wird den Reds wenig Trost spenden: 19 Torschüsse zu 7, mehr Ballbesitz, höhere Zweikampfquote - und doch das Aus. Für Pompey ist es der erste Viertelfinaleinzug seit Jahren, für Liverpool ein bitterer Abend voller verpasster Chancen und leerer Blicke. Beim Abgang klatschte das Publikum dennoch. Vielleicht, weil sie wussten, dass selbst ein Pokaldrama manchmal mehr wert ist als ein routinierter Sieg. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil - und im Elfmeterschießen." Ein Pokalabend, wie er im Drehbuch nicht schöner hätte stehen können - es sei denn, man trug Rot. 19.09.643987 04:36 |
Sprücheklopfer
Ich habe ihn nur ganz leicht retuschiert.
Olaf Thon