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Ein Montagabend an der Anfield Road, Flutlicht, Gänsehaut - und am Ende ein 3:0, das so klar war, wie es auf der Anzeigetafel stand. Die Liverpool Reds haben am 12. Spieltag der 1. Liga England die Wolverhampton-Elf von Linus Van Pelt mit einer Mischung aus Spielfreude, Geduld und gelegentlichem Sarkasmus vom Platz gefegt. Trainer Heiner Schneider grinste nach dem Abpfiff breit: "Wir wollten heute mal zeigen, dass Ballbesitz nicht nur was für Statistiker ist." Und tatsächlich - 57,9 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, drei Treffer. Die Zahlen erzählen die Geschichte einer Mannschaft, die das Spiel kontrollierte, es aber nie in öder Routine versinken ließ. Wolverhampton dagegen, mit nur drei Schüssen aufs Tor, wirkte über weite Strecken so, als hätte man das Navi auf "Parkmodus" gestellt. Die Partie begann mit einem kurzen Aufflackern der Gäste - Willem Oudekirk prüfte in der 7. Minute Liverpool-Keeper Reece Kendall. Der parierte locker und grinste danach Richtung Tribüne: "War das schon alles?" Eine Minute später schaltete Liverpool den Turbo an. Nach einer feinen Kombination über links legte der junge James Mayhew quer, und Sergio Arrondo schob in der 17. Minute eiskalt ein - 1:0. Schneider ballte die Faust, Wolverhampton-Trainer Van Pelt hingegen sah schon da aus, als denke er über die Halbzeitansprache nach. Einziger Makel der ersten Hälfte: Innenverteidiger Corey Robert sah nach einem rustikalen Einsteigen in der 16. Minute Gelb - und entschuldigte sich prompt beim Gegner. "War keine Absicht, nur Begeisterung", sagte er später mit einem Grinsen. Begeisterung war ohnehin das Stichwort, denn Liverpool spielte weiter mutig nach vorn. Millington zog in der 35. Minute ab, knapp vorbei. Mayhew verpasste kurz darauf per Kopf. Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Die Reds blieben offensiv, Wolverhampton blieb defensiv - und zwar so konsequent, dass die Zuschauer zwischenzeitlich dachten, Van Pelt habe eine neue Taktik erfunden: das "Beton-Plus"-System. Als Alain Astruc nach 48 Minuten knapp scheiterte, wuchs der Druck weiter. In der 58. Minute wechselte Schneider den jungen Joan Brito für Astruc ein - frische Beine, gleiche Marschrichtung. Wolverhampton reagierte mit Sicherheitswechseln: Albacar kam für Barth, Lindner für Oudekirk, aber die Wirkung blieb aus. In der 61. Minute versuchte sich Juriaan Vrooman mit einem Verzweiflungsschuss - immerhin ein Lebenszeichen. "Wir wollten dann mutiger werden", erklärte Van Pelt hinterher. "Leider hat der Mut die Pässe nicht gefunden." Ab der 80. Minute rollte der rote Express endgültig. Zuerst Ashton Hoskins (82.) nach Vorarbeit von Marco Hermenegildo - ein satter Schuss ins rechte Eck, 2:0. Der Jubel? Laut, aber nicht übertrieben. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Hoskins trocken. "Schön, dass er mal reingegangen ist - die Latte hat heute ja auch schon genug gelitten." Nur vier Minuten später machte James Mayhew (86.) endgültig den Deckel drauf. Nach einem cleveren Pass von Cesar Botin zog der 21-Jährige ab und traf zum 3:0. "Ich hab Cesar nur ’Mach mal!’ zugerufen, dann lief’s einfach", lachte Mayhew nach dem Spiel. Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Selbst ein Torwartwechsel bei Wolverhampton in der 87. Minute - der junge Xabi Frechaut durfte für Custodio ran - änderte nichts am Ergebnis. Dafür sah Liverpool-Verteidiger Oliver Beecroft in der 90. Minute noch Gelb - "weil ich den Ball zu enthusiastisch weggeschlagen habe", wie er später erklärte. Nach 90 Minuten stand ein klarer Sieg, der Liverpool auf Kurs hielt. Schneider lobte sein Team: "Das war heute erwachsen. Keine Spielerei, keine Show, einfach Fußball mit Haltung." Van Pelt wirkte derweil nachdenklich: "Wir haben gekämpft, aber manchmal kämpft man eben auch gegen Windmühlen." Das Publikum - 45.922 Zuschauer - verabschiedete die Reds mit Standing Ovations. Einer der Fans rief noch: "Heiner for President!" Schneider winkte lachend ab. "Ich bleib lieber an der Linie - da hab ich wenigstens Einfluss." Fazit des Abends: Liverpool spielte Fußball, Wolverhampton sah zu. Die Reds überzeugten durch Tempo, Technik und Teamgeist, während die Wolves den Eindruck erweckten, sie seien noch auf der Suche nach dem eigenen Spielplan. 3:0 - ein Ergebnis, das ebenso logisch wie verdient war. Und wer sich fragte, ob die Reds nach diesem Spiel noch Luft nach oben haben - Schneider antwortete mit einem Augenzwinkern: "Natürlich. Wir haben ja noch nicht mal alle Flanken ausprobiert." 05.06.643987 05:20 |
Sprücheklopfer
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon