L’Equipe
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Lions Sochaux beißen spät zu - Gerechtes 1:1 gegen Guingamp

Ein Freitagabend in Sochaux, Flutlicht, 28.956 Zuschauer im Stade Auguste-Bonal und zwei Mannschaften, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie nun angreifen oder abwarten sollten. Am Ende stand ein 1:1, das so gerecht war wie ein geteilter Crêpe - jeder bekam ein Stück, aber keiner wurde satt.

Die Lions Sochaux empfingen den AC Guingamp am 28. Spieltag der 2. französischen Liga mit der klaren Anweisung ihres Trainers, ruhig zu bleiben. "Wir wollten nicht in Hektik verfallen", murmelte Coach Jean-Luc Moreau (der sich nach Abpfiff lieber an seinen Schal klammerte als ans Mikrofon). Guingamps Trainer Berti Bertilsson dagegen hatte seinen Jungs offenbar eingeschärft: "Wenn ihr nicht lauft, laufe ich!" - was, gemessen am Einsatz, wohl eine ernstgemeinte Drohung war.

Die Gäste erwischten den besseren Start. Bereits in der 9. Minute prüfte der 17-jährige Innenverteidiger Nael Bordalas den Sochaux-Keeper Petri Lampi mit einem überraschenden Distanzschuss. Der Finne im Lions-Tor, von den Fans liebevoll "Die Mauer aus Tampere" genannt, parierte sicher. Aber Guingamp blieb dran. In Minute 43 passierte das, was sich abgezeichnet hatte: Daniel Borreguero steckte zentral durch auf David Weyenberg, der den Ball mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck setzte - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Weyenberg nach dem Spiel. "Und diesmal ging er halt rein - meistens fliegt er ja Richtung Parkplatz."

Sochaux reagierte in der Pause. Man sah, wie Trainer Moreau seinem Stürmer Nicolas Ames die Hände auf die Schultern legte und flüsterte. Was genau, bleibt unklar - aber es wirkte. Nach dem Seitenwechsel übernahm Sochaux mehr und mehr die Spielkontrolle. Der Ballbesitz lag mit 50,8 Prozent nur hauchdünn vorne, aber auf dem Platz schien das Pendel zu kippen.

In der 71. Minute fiel dann der Ausgleich: Nicolas Ames, bis dahin eher unauffällig, nutzte eine Unachtsamkeit in Guingamps Defensive. Ein abgewehrter Schuss von Serge Letourneur sprang Ames vor die Füße, und der Linksaußen schob überlegt ein - 1:1. Das Stadion tobte, die Lions brüllten wieder. "Ich wusste, irgendwann muss das Ding rein", sagte Ames später, "auch wenn es 70 Minuten gedauert hat."

Die letzten 20 Minuten wurden zum offenen Schlagabtausch. Sochaux hatte zwölf Torschüsse, Guingamp zehn - Zahlen, die viel über die Ausgeglichenheit des Abends sagen. Letourneur, der 34-jährige Routinier, versuchte es in der 75. und 86. Minute noch zweimal, aber Guingamps Keeper Rafael Travassos hielt mit Katzenreflexen. Auf der Gegenseite scheiterte Weyenberg in der Nachspielzeit gleich zweimal an Lampi, der seine Fangarme ausfuhr, als wolle er sich beim Zirkus bewerben.

Gelbe Karten gab es auch - Guingamps Bjarke Lauritsen durfte schon in der 10. Minute eine erste Verwarnung abholen, offenbar zu früh auf Betriebstemperatur. "Das war nicht mal ein Foul, das war ein Versehen - ich wollte ihm nur die Schuhe zubinden", witzelte er später halbherzig.

Taktisch blieb es bei beiden Teams erstaunlich konservativ: kein wildes Pressing, kein Hurra-Fußball. "Wir hatten beide Angst, das Spiel zu verlieren", gab Bertilsson ehrlich zu. "Und manchmal ist ein Punkt besser als ein Herzinfarkt."

Nach dem Abpfiff gingen die Spieler friedlich auseinander. Einige Fans pfiffen, andere klatschten höflich - typisch Sochaux eben. Die Statistiken sprachen Bände: 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, 12:10 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Wer da von Dominanz reden will, sollte vielleicht seine Brille putzen.

Ein Reporter fragte Nicolas Ames, ob das Unentschieden sich wie ein Sieg anfühle. "Nein", antwortete er trocken, "aber wenigstens wie kein Verlust." Und das war dann wohl das treffendste Fazit des Abends.

Sochaux bleibt mit diesem Punkt im sicheren Mittelfeld, Guingamp ebenso - zwei Teams, die sich gegenseitig neutralisierten, wie zwei Magnete mit gleicher Polung. Und während die Flutlichter erloschen und die Fans sich auf den Heimweg machten, hörte man irgendwo im Kabinengang Letourneur murmeln: "Beim nächsten Mal machen wir’s früher klar." Vielleicht. Aber an diesem Abend war 1:1 eben das ehrlichste Ergebnis, das der Fußball zu bieten hatte.

09.12.643987 09:58
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