L’Equipe
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Le Havre zerlegt Montpellier - ein 0:4 mit Ansage

Wenn ein 0:4 so aussieht, als hätte es schlimmer kommen können, dann weiß man: Der Abend war kurz gesagt ein Alptraum in Blau für Montpellier. 32.000 Zuschauer im heimischen Stade de la Mosson sahen am 5. Spieltag der Ligue 1 eine Lehrstunde in Effektivität und Spielfreude - allerdings vom Gegner, dem FC Le Havre.

Dabei begann alles so harmlos, ja fast trügerisch. Beide Teams starteten kontrolliert, Ballbesitz nahezu ausgeglichen: 50,4 Prozent für Montpellier, 49,6 für Le Havre. Doch wer nur auf diese Zahl schaut, hat das Spiel nicht gesehen. Während Montpellier den Ball zärtlich streichelte, prügelte Le Havre ihn 20 Mal auf das Tor von Haci Özmen. Zwei kümmerliche Schüsschen brachten die Hausherren zustande - und das war noch schmeichelhaft gezählt.

Die erste Halbzeit? Ein Musterbeispiel für "Abtasten". Man könnte auch sagen: ein kollektives Nickerchen im Mittelfeld. Montpellier kassierte früh eine Gelbe für Innenverteidiger Leon Bach (11.), und das war in Hälfte eins das Aufregendste. Trainer Kurt Zanitsch vom FC Le Havre blieb trotzdem ruhig an der Seitenlinie. "Ich sagte den Jungs: Wartet einfach, sie werden uns den Raum schon schenken", grinste er nach dem Spiel - und er sollte Recht behalten.

Nach dem Seitenwechsel platzte der Knoten. In der 53. Minute kombinierte sich Le Havre einmal quer durch Montpelliers Abwehr, als wäre sie aus Pergamentpapier. Santiago Aguas steckte durch, William Edgecomb zog ab - 0:1. Die Stille im Stadion war fast poetisch. "Ich hab nur gedacht: Endlich!", sagte Edgecomb später. "Bis dahin hatten wir schon zehnmal draufgehalten, aber entweder stand der Torwart im Weg oder ein Maulwurf im Rasen."

Neun Minuten später (62.) erhöhte Pierre Amyot mit einem trockenen Flachschuss nach Vorarbeit von Laurent Masse auf 0:2. Montpellier wirkte nun wie ein Boxer, der auf den Gong wartet, um aufzugeben. Trainer Zanitsch wechselte noch, brachte Heinrich Pan für den erschöpften Edgecomb - und der Neue brachte sofort frischen Wind.

Montpellier dagegen? Gelb für Rafael Velasquez (60.) und ansonsten Ratlosigkeit. Stürmer Leandro Cortes war so isoliert, dass er zwischenzeitlich an der Mittellinie den Ball forderte - vom eigenen Torwart.

In der 81. Minute folgte das 0:3 durch Michel Caron, der nach einem feinen Zuspiel von Pan seelenruhig einschob. Montpellier hatte da längst aufgehört, an eine Wende zu glauben. Zwei Minuten später (83.) krönte Laurent Masse seinen Abend mit dem 0:4 - nach Zuspiel des umtriebigen Valantios Karamanlis. Die Heimfans applaudierten höflich. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt - oder einfach, weil sie froh waren, dass es vorbei war.

Haci Özmen im Tor der Gastgeber tat einem fast leid. "Manchmal hatte ich das Gefühl, wir spielen Unterzahl", sagte er nach dem Spiel und schüttelte den Kopf. "Die kamen von überall. Ich wusste gar nicht mehr, auf welches Tor ich aufpassen soll."

Statistisch gesehen war es ein Debakel mit Ansage: 20:2 Torschüsse für Le Havre, bessere Zweikampfquote (58 Prozent) und eine Mannschaft, die das Wort "Sicherer Abschluss" offenbar erfunden hat. Montpellier dagegen zeigte eine erschütternde Mischung aus Ideenlosigkeit und Pech.

"Wir haben in der Pause gesagt, dass wir dranbleiben müssen. Vielleicht hätten wir präziser sagen sollen, an wem", meinte ein sichtlich genervter Georges Benoist mit Galgenhumor.

Trainer Zanitsch blieb nach dem Spiel bescheiden: "Vier Tore auswärts sind schön, aber wichtiger ist, dass wir diszipliniert geblieben sind. Ich mag es, wenn meine Spieler so ruhig bleiben, während der Gegner Panik kriegt."

Montpellier-Coach (der sich nach Abpfiff lieber nicht vor die Mikrofone wagte) soll laut interner Quelle in der Kabine nur ein Wort gesagt haben: "Unfassbar."

So endete ein Abend, an dem Le Havre zeigte, dass man auch ohne spektakuläres Pressing - sie betrieben schlicht keines - ein Spiel dominieren kann. Und Montpellier lernte, dass 50 Prozent Ballbesitz nicht viel wert sind, wenn der Gegner damit Tore schießt.

Oder, um es in den Worten von Torschütze Amyot zu sagen: "Wir hatten einfach Lust, Fußball zu spielen. Und sie hatten Lust, uns dabei zuzusehen."

Ein Spiel, das in die Kategorie "Aua" gehört - zumindest aus Sicht von Montpellier. Für Le Havre hingegen war es ein Montagabend wie gemalt: vier Tore, drei Torschützen, null Gegentreffer, und ein Trainer, der nach dem Schlusspfiff zufrieden in die Nacht pfiff.

06.03.643987 09:34
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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