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Es war einer dieser römischen Abende, an denen der Ball einfach nicht ins Netz will - zumindest nicht für die Gastgeber. Vor 32.000 Zuschauern im Stadio Olimpico verabschiedete sich US Lazio mit einem 0:2 gegen den cleveren Außenseiter AS Pisa aus der Pokalrunde. Zwei Tore binnen zwei Minuten entschieden das Spiel - und ließen die Heimfans ratlos zurück. Dabei hatte es gar nicht so schlecht begonnen. Lazio rannte an, die Taktik klar offensiv ausgelegt, als wolle man dem Gegner schon nach zehn Minuten die Lust am Fußball nehmen. Stefano Pedrotti, gerade einmal 18 Jahre alt, prüfte Pisas Keeper Javi Castro schon nach zwei Minuten mit einem satten Linksschuss. "Ich hab’ den Schuss kommen sehen - und gehofft, er trifft mich", grinste Castro später. Es war der Beginn eines Abends, an dem Pisas Torwart alles hielt, was irgendwie nach Ball aussah. Lazio kombinierte gefällig, kam durch Logan Neil und Wouter Dewitte zu Chancen, doch Pisa blieb ruhig, fast unverschämt abgeklärt. "Wir wussten, dass sie stürmen würden", erklärte Pisa-Coach Bembel Macher nach dem Spiel mit einem verschmitzten Lächeln. "Also haben wir gewartet, bis sie müde werden - oder nervös." Müde wurde Lazio tatsächlich, und nervös obendrein. Nach einer torlosen ersten Halbzeit, in der die Römer zwar siebenmal abschlossen, aber selten präzise, kam Pisa mit verändertem Gesicht aus der Kabine. Macher hatte seine Elf leicht nach vorn geschoben, das Passspiel auf kurz gestellt - und plötzlich klappte alles. In der 55. Minute schlug Alessio Malvito zu. Der 32-jährige Linksaußen, bis dahin eher unauffällig, verwandelte eine Vorlage von Innenverteidiger Leo Hartshorn mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon viele Stadien zum Schweigen gebracht hat. Zwei Minuten später durfte dann Sebastiano Castello jubeln, nach feinem Zuspiel von Eric Brongniart. 0:2 - und aus dem römischen Rauschen wurde betretenes Schweigen. "Das war wie ein Stromausfall", murmelte Lazio-Kapitän Logan Neil später. "Eben noch hatten wir das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben - und dann war einfach alles dunkel." Die Statistiken gaben Pisa recht: 53 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, zwei Treffer - Effizienz in Reinform. Lazio dagegen rannte, kämpfte, schoss, aber ohne Plan B. Trainerstatements nach Abpfiff klangen entsprechend. "Wir haben alles versucht, sogar den Ball darum gebeten, mal mitzumachen", witzelte einer der Co-Trainer mit gequältem Lächeln. In der 69. Minute gab’s dann noch Gelb für Verteidiger Noe Alvaro, nachdem er Pisas rechten Flügel Nevio Xavier etwas zu energisch gestoppt hatte. "Ich wollte nur wissen, ob er wirklich so schnell ist", rechtfertigte sich Alvaro scherzhaft im Kabinengang. Ja, war er. Als ob es nicht genug gewesen wäre, musste Lazio in der 80. Minute auch noch Domenico Dipignano verletzungsbedingt raus. Für ihn kam Horst Herzog, der immerhin ein paar Akzente setzte, aber den Spielverlauf nicht mehr wenden konnte. Pisa zog sich am Ende clever zurück, ließ den Ball laufen, spielte die Uhr runter. Trainer Macher stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und sah aus, als würde er innerlich schon das nächste Pokalduell planen. "Wir sind Pisa", sagte er, "wir haben nichts zu verlieren - und das ist unser größter Vorteil." Lazio dagegen verlor fast alles: das Spiel, die Geduld und ein Stück Stolz. Die 32.000 im Stadion verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus, aber man hörte auch die ersten Pfiffe. "Wir wollten offensiv spielen, wir haben offensiv gespielt, und wir sind offensiv ausgeschieden", fasste ein sichtlich geknickter Spieler trocken zusammen. Manchmal liegt in der Wahrheit eben auch Humor. Am Ende bleibt ein Abend, an dem Pisa das tat, was Pokalgeschichten so schön macht: sie sprengen Erwartungen. Zwei Tore, klug verteidigt, clever gespielt - und ein Gegner, der sich fragt, wie das alles so schnell passieren konnte. Vielleicht wird man in Rom noch eine Weile darüber reden. Und in Pisa? Da dürfte man noch heute feiern, irgendwo zwischen Espressoduft und Meeresrauschen. Wie sagte Torschütze Malvito beim Verlassen des Stadions? "Ich liebe diese Spiele, wenn keiner an uns glaubt - außer wir selbst." Manchmal reicht das. 11.07.643987 13:02 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
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