// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Ein lauer Februarabend im Olympiastadion von Rom, 32.000 Zuschauer, Flutlicht, ein bisschen Hoffnung und am Ende wieder Ernüchterung: US Lazio unterliegt am zweiten Spieltag der 1. Liga Italien dem AS Bologna mit 1:3. Und das, obwohl die Römer mehr Ballbesitz (55 Prozent) hatten, mehr Pässe spielten und zeitweise aussahen, als wollten sie den Ball gleich adoptieren - nur eben nicht ins Tor bringen. Dabei begann alles verheißungsvoll. Schon in der vierten Minute prüfte Innenverteidiger Noe Alvaro den gegnerischen Keeper Bogdan Kirjakow mit einem beherzten Distanzschuss. Trainer Ferdinand Mayer von Bologna reckte da gerade noch seinen Kaffeebecher, als wollte er sagen: "Das kann ja heiter werden." Es wurde heiter - für ihn. In der 26. Minute klingelte es nämlich im Tor von Lazio. Salvador Niguez, quirlig wie ein Espresso doppio, traf nach feiner Vorarbeit von Christoph Engelhardt zum 0:1. Der Jubel der Norditaliener hallte durch das weite Rund, während Lazios Abwehrratte Ramon Flores sich gegenseitig fragten, wer denn eigentlich zuständig gewesen wäre. "Wir haben kurz die Zuordnung verloren", knurrte Kapitän Wouter Dewitte später. Kurz? Es sollte noch länger dauern. Nach dem Seitenwechsel kam Hoffnung auf. Der erst 19-jährige Stefano Pedrotti, Lazios Sturmhoffnung mit Milchbart und Mut, netzte in der 49. Minute zum 1:1 ein - Vorlage Domenico Dipignano, der alte Routinier auf rechts. "Ich hab’ ihm gesagt: Lauf einfach rein, ich mach den Rest", grinste Dipignano später, während Pedrotti rot anlief - ob vor Stolz oder weil der Reporter ihn "der neue Immobile" nannte, bleibt offen. Doch wer glaubte, jetzt kippt das Spiel, der hatte die Rechnung ohne Bolognas Mittelfeldmotor Edoardo Aiello gemacht. In der 60. Minute zirkelte er den Ball nach Pass von Liam Klose ins lange Eck, als würde er das schon seit Geburt tun. 2:1 Bologna - und plötzlich sah man bei Lazio wieder hektische Gesten, wütende Rufe, gelbe Karten (Dipignano 42., Flores 76.) und einen verletzten Valentino Moretti, der in der 63. Minute humpelnd vom Platz musste. Trainer Mayer, sonst eher ein Mann der nüchternen Worte, lächelte nach dem Spiel verschmitzt: "Wir haben ruhig gespielt, fast zu ruhig. Aber Lazio hat uns eingeladen - und wir haben höflich angenommen." In der Schlussphase warf Lazio alles nach vorne. Manuel Roseto schoss aus allen Lagen, Stefano Pedrotti probierte es noch zweimal (89.), sogar Rechtsverteidiger Travassos versuchte sein Glück in der 46. Minute. Doch Bologna blieb eiskalt. In der 85. Minute machte Gianluigi Di Carlo nach Vorlage des eingewechselten Federico Cariati den Deckel drauf - 3:1. Das Stadion verstummte, nur die rot-blaue Ecke feierte ausgelassen. Statistisch gesehen war es eines dieser Spiele, die Trainer in den Wahnsinn treiben. Lazio: 55 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüsse, mehr Laufarbeit, aber weniger Effizienz. Bologna: 15 Schüsse, drei Tore, keine Hektik. Oder wie Mayer trocken sagte: "Ballbesitz gewinnt keine Spiele - Tore schon." Im Anschluss versuchte Lazio-Coach (der sich demonstrativ die Haare raufte) das Positive zu sehen: "Wir waren spielbestimmend, wir hatten Chancen - aber Bologna war in den entscheidenden Momenten cleverer." Und dann fügte er mit einem Seufzer hinzu: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal weniger schön spielen und einfach öfter treffen." Im Kabinengang hörte man Pedrotti murmeln: "Ich hab gedacht, wir schaffen das noch." Ein Betreuer klopfte ihm auf die Schulter: "Kopf hoch, Junge. Du hast wenigstens getroffen." So endete ein Abend, der für Lazio als Geduldsprobe begann und als Lehrstunde endete. Bologna dagegen reist mit breiter Brust zurück in den Norden - drei Tore, drei Punkte, drei zufriedene Gesichter bei Mayer, Aiello und Di Carlo. Und während die Römer noch über vergebene Chancen und verlorene Zuordnungen diskutierten, rauschte der Mannschaftsbus der Gäste in die Nacht. Vielleicht summten sie leise vor sich hin - nicht vor Freude über den Sieg, sondern aus purer Routine. Denn wer so effizient spielt, braucht keine Hymnen. Nur Tore. (Artikelumfang: ca. 620 Wörter) 10.06.643990 17:07 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund