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Lazio verspielt Führung - Bologna erkämpft sich furioses 2:2 in Rom

Wenn an einem kühlen Februardienstag 32.000 Zuschauer im Stadio Olimpico die Schals schwenken, dann liegt Fußball in der Luft - und ein bisschen Tragikomödie gleich dazu. US Lazio und AS Bologna lieferten sich am 33. Spieltag der Serie A ein 2:2, das alles hatte: frühe Euphorie, bolognesischen Trotz, gelbe Karten mit Ansage und ein spätes Happy End für die Heimfans - na ja, zumindest ein halbes.

Schon in der 9. Minute bebte das Stadion. Manuel Roseto, der rechte Flügelblitz der Laziali, wurde von Altmeister Carlos Perez perfekt in Szene gesetzt. Ein Haken, ein Schuss, ein Tor - so einfach kann Fußball sein. "Ich hab ihn nur gespürt, nicht gesehen", grinste Roseto später. "Carlos hat einfach diesen sechsten Sinn - oder Glück." Lazio führte 1:0, und die römischen Fans richteten sich im Gefühl eines gemütlichen Abends ein.

Die Statistik sprach auch klar für die Gastgeber: 60 Prozent Ballbesitz, sieben Abschlüsse - aber Bologna hatte andere Pläne. Trainer Ferdinand Mayer, sonst eher ein Mann der leisen Worte, fuchtelte ab der 20. Minute so wild an der Seitenlinie, dass selbst die Ersatzspieler Abstand hielten. "Wir waren zu brav", knurrte er später. "Ich hab ihnen gesagt: Lasst sie laufen, aber nicht glücklich werden."

Und das taten seine Jungs. Vor allem Gianluigi Di Carlo, der Stürmer mit der Frisur eines Rockstars und dem Selbstbewusstsein eines Diktators, prüfte Lazios Keeper Hicri Saglik gleich mehrfach. Bologna kam immer besser ins Spiel, während Lazio sich auf Ballbesitzstatistiken ausruhte.

Nach der Pause hatte Mayer offenbar das richtige Rezept gefunden - vermutlich Espresso mit Wut. In der 57. Minute war’s soweit: Giuseppe Bruzzone flankte von links, und Edoardo Aiello, der Denker und Lenker im Mittelfeld, traf per Direktabnahme zum 1:1. "Ich hab nur die Augen zugemacht", gab Aiello schelmisch zu, "und gehofft, dass keiner im Weg steht."

Lazio taumelte. Bologna roch Blut. Nur 19 Minuten später belohnte sich der Gast: Christoph Engelhardt zog nach feinem Zuspiel von Daniel Marcel von der linken Seite nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:2! Das Stadio Olimpico schwieg, nur der Gästeblock tobte.

"In dem Moment dachte ich: Das war’s", gestand Lazio-Kapitän Carles Guillen. Und tatsächlich: Die Himmelblauen wirkten plötzlich so planlos wie Touristen ohne Stadtplan. Traineranweisungen? Fehlanzeige. Pressing? Nicht existent. Taktisch blieb alles beim "Offensiv, aber ohne Pressing" - eine Kombination, die so sinnvoll ist wie italienischer Kaffee ohne Koffein.

Doch Fußball liebt seine späten Wendungen. In der 87. Minute, als viele Fans schon gen Grantig-Modus übergingen, startete Rechtsverteidiger Christiano Travassos einen letzten Vorstoß, flankte scharf in den Strafraum - und Daniele Valenti, der Routinier auf der rechten Außenbahn, köpfte zum 2:2 ein. Ein Tor, das mehr nach Trotz als nach Taktik roch. Valenti rannte jubelnd zur Kurve und schrie: "Ich bin noch nicht alt!" - und ganz Rom schien ihm für einen Moment zu glauben.

Die Schlussphase war dann ein einziges Nervenbad. Bologna foulte, Lazio verzweifelte, und Schiedsrichter Ricci hatte plötzlich mehr zu tun als ein Verkehrspolizist in der Rushhour. Federico Cariati sah in der 75. Minute Gelb, Di Carlo in der Nachspielzeit ebenso - vermutlich, weil er den Ball etwas zu leidenschaftlich wegkegelte.

Am Ende blieb’s beim 2:2. Die einen jubelten über einen Punkt, die anderen haderten mit zwei verlorenen. Trainer Mayer fasste es trocken zusammen: "Wenn du 14 Torschüsse hast und nur zwei reingehen, brauchst du keinen Fitnesscoach, sondern einen Psychologen." Sein Lazio-Gegenüber - der übrigens auffällig oft auf die Uhr schaute - wollte das nicht so stehen lassen: "Wir haben das Spiel kontrolliert", meinte er, "nur das Ergebnis nicht."

Statistisch war’s tatsächlich ein Lehrbuchbeispiel für Fußball-Philosophie: Lazio mit 59 Prozent Ballbesitz, Bologna mit doppelt so vielen Abschlüssen. Die einen spielten, die anderen trafen - bis zum Schluss beide recht hatten.

Und so gingen die 32.000 Zuschauer nach Hause - manche kopfschüttelnd, manche singend, alle irgendwie zufrieden. Ein Spiel, das keiner so recht gewonnen hat, aber jeder behalten wird. Oder, wie ein alter Fan auf der Tribüne murmelte: "Wenn sie immer so spielen würden, würde ich mir sogar die Verlängerung anschauen."

Man darf gespannt sein, ob Lazio in der kommenden Woche mehr aus seinem Ballbesitz macht - oder ob Bologna seinen neu entdeckten Mut erneut in Punkte umwandelt. Sicher ist nur: An diesem Abend war Fußball wieder das, was er am besten kann - unberechenbar, verrückt und herrlich menschlich.

13.04.643990 19:45
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Rainer Calmund
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