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Ein Spiel wie ein Achterbahnritt, ein Ergebnis wie aus einem Videospiel - Lausanne-Sport und Blau-Weiss Zürich lieferten sich am Samstagabend im Stade de la Tuilière ein Spektakel, das 33.177 Zuschauer zwischen Begeisterung, Fassungslosigkeit und leiser Verzweiflung schwanken ließ. Am Ende triumphierten die Gäste aus Zürich mit 5:4 (5:2) und Trainer Eddi Manson grinste nach Abpfiff: "Ich habe zwischendurch vergessen, wie viele Tore wir eigentlich schon hatten." Schon nach zwei Minuten war klar, dass hier keine taktische Schachpartie zu erwarten war. Sedat Üzülmez, der bullige Mittelstürmer der Blau-Weissen, traf nach Zuspiel von Joel Badham eiskalt zum 0:1. Noch war der Anpfiff kaum verklungen, da wirkte Lausanne in der Defensive wie im Tiefschlaf. "Ich dachte, die Uhr geht noch auf null", murmelte Verteidiger Gabriel Mortensen später mit Galgenhumor - der Mann sollte noch einen unruhigen Abend erleben. Denn statt aufzuwachen, ließ Lausanne weiter gewähren. Mate Andric erhöhte in der 26. Minute auf 0:2, ehe Lucas Maurice mit einem wuchtigen Schuss aus der Distanz kurz Hoffnung aufkeimen ließ - 1:2. Doch die Antwort der Zürcher war so prompt wie schmerzhaft. Zuerst köpfte der 19-jährige Serge Benoist nach einer Ecke das 1:3 (33.), dann legte Üzülmez gleich noch einen drauf. Und als Philippe Blanqui in der 42. Minute mit links den Ball unter die Latte jagte, stand es 2:5 zur Pause - Lausanne hatte dazwischen immerhin durch Günther Breze noch einmal getroffen. Die Statistik zur Halbzeit: 49 Prozent Ballbesitz für Lausanne, 51 für Zürich - also ausgeglichen. Nur auf der Anzeigetafel klaffte eine Lücke, die man mit bloßem Ballbesitz nicht schließen kann. Trainer Ronny Schmidt stapfte in die Kabine, als wolle er dort gleich das Licht ausknipsen. "Ich sagte den Jungs: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Würde. Oder mit mehr Toren", lachte er später gequält. Und siehe da - Lausanne kam tatsächlich zurück. Breze traf direkt nach Wiederanpfiff zum 3:5, und als Michel Seymour in der 73. Minute nach Vorarbeit von Joao Vidigal das 4:5 markierte, bebte das Stadion. Blau-Weiss Zürich wankte. Trainer Manson reagierte mit gleich drei Wechseln, brachte Mason Martel, Ronald Lessard und den jungen Erik Esser. "Ich wollte frische Beine und alte Nerven", grinste er später. Seine Mannschaft verteidigte fortan wie in einem Boxkampf in der zwölften Runde - wacklig, aber mit Herz. Lausanne drückte, doch dann kam der Bruch: In der 58. Minute sah Gabriel Mortensen Gelb-Rot, nachdem er zuvor schon verwarnt worden war. "War das Foul wirklich nötig?", fragte sich nicht nur der Reporter, sondern wohl auch Coach Schmidt, der danach trotzig in der Coachingzone stehen blieb, die Arme verschränkt wie ein enttäuschter Vater beim Elternabend. Zehn Lausanner rannten weiter an, hatten durch Seymour und Maurice noch Chancen (72., 81., 82.), aber der Ball wollte nicht mehr rein. Und als Julius Maier in der 85. Minute verletzt ausschied, war der letzte Funken Hoffnung dahin. Er humpelte vom Platz, murmelte "Das war’s wohl" - und hatte recht. "Wir haben uns selbst geschlagen", fasste Kapitän Alexandre Dumont zusammen. "Fünf Gegentore zuhause, das ist kein Zufall. Aber wenigstens war’s unterhaltsam." Unterhaltsam war es in der Tat: 25 Torschüsse, neun Tore, zwei Gelbe, eine Gelb-Rote und ein Publikum, das sich zwischen Zorn und Jubel kaum entscheiden konnte. Zürichs Üzülmez, doppelt erfolgreich und bester Mann auf dem Platz, wurde gefeiert - auch von den eigenen Mitspielern, die ihn nach Schlusspfiff fast erdrückten. "Ich habe einfach geschossen, bevor jemand anderes es tun konnte", lachte der Stürmer. Und so endete ein Abend, der Fußball in seiner ganzen Unberechenbarkeit zeigte. Lausanne kämpfte sich zurück, nur um an der eigenen Defensive zu scheitern. Blau-Weiss Zürich dagegen spielte frei, wild und manchmal naiv - aber eben mit fünf Treffern. Im Presseraum fragte ein Kollege spitz: "Herr Schmidt, was nehmen Sie Positives mit?" Der Trainer seufzte, nahm einen Schluck Wasser und sagte: "Vier Tore. Und dass der Bus noch fährt." Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - außer vielleicht die Lausanner Abwehr, die das wohl lieber würde. 01.01.643988 15:45 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft