// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Januarabend im Stade de la Tuilière, aber auf dem Rasen brannte Lausanne-Sport ein Feuerwerk ab, das die 31.689 Zuschauer immer wieder von ihren Sitzen riss. Mit einem klaren 4:1 über den SC Solothurn setzte das Team von Trainer Ronny Schmidt ein Ausrufezeichen und zeigte, dass Offensivfußball durchaus auch eine Frage der Haltung ist - und der Laune. Schon nach einer Viertelstunde begann der Torreigen. Phillip Wilhelm, der heute sein persönliches Energiepaket geschnürt zu haben schien, traf nach einer Hereingabe von Tove Kofod zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich eigentlich flanken", grinste Wilhelm nach dem Spiel. Nur eine Minute später drehte das Duo den Spieß um: Diesmal flankte Kofod, und Timon Theotokis vollendete per Direktabnahme - 2:0. Die Solothurner Hintermannschaft wirkte in dieser Phase, als sei sie noch beim Aufwärmen. Lausanne spielte weiter mit einer Selbstverständlichkeit, die fast überheblich wirkte. Im Mittelfeld zog Lucas Maurice die Fäden - und in der 30. Minute auch den nächsten Treffer: Nach Vorarbeit von Wilhelm zog er aus 20 Metern ab, der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. "So einen Schuss treffe ich sonst nur am Trainingsfreitag, wenn keiner zuschaut", witzelte Maurice später. Solothurn, das bis dahin kaum Entlastung fand, bekam kurz vor der Pause ein Lebenszeichen geschenkt. Javier Pelegrin nutzte einen Moment kollektiver Lethargie in der Lausanner Abwehr und schob den Ball zum 3:1-Pausenstand ins Netz. Trainer Schmidt reagierte gelassen: "Ich wollte, dass meine Jungs auch mal wissen, wie sich Verteidigen anfühlt." Die Statistik zur Halbzeit sprach dennoch eine klare Sprache: 13 Torschüsse für Lausanne, nur drei für Solothurn. 50,6 Prozent Ballbesitz - also quasi Gleichstand, aber das täuscht: Die Blau-Weißen machten aus jeder Sekunde am Ball mehr. "Wir spielen einfach lieber mit dem Ball als ohne", lachte Theotokis nach dem Spiel, "das ist unser Geheimnis." Nach dem Seitenwechsel schaltete Lausanne-Sport nur kurz in den Verwaltungsmodus, um dann wieder auf Angriff zu drücken. Solothurn kämpfte, verteidigte tapfer, doch sobald Lausanne das Tempo anzog, sah man die Grenzen. Enrico Serra versuchte, seine Mannschaft mit unermüdlichem Laufpensum wachzurütteln, kassierte in der 73. Minute aber statt eines Tores die Gelbe Karte - symbolisch für den Abend: viel Einsatz, wenig Ertrag. Die Entscheidung fiel in der 86. Minute. Alexandre Dumont, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, bediente Tove Kofod mit einem butterweichen Pass von links. Kofod, schon an zwei Toren beteiligt, nahm den Ball elegant an, schaute kurz - und schlenzte ihn ins lange Eck. 4:1. Standing Ovations. "Das war fast schon zu schön für einen Montag", meinte ein Fan hinter der Haupttribüne, während er sein Bier verschüttete. Solothurns Trainer - dessen Name an diesem Abend nicht überliefert werden wollte - wirkte nach Schlusspfiff gefasst, fast philosophisch: "Manchmal ist Fußball wie Schach, nur dass der Gegner schneller zieht." Lausanne hingegen sonnte sich in der eigenen Spielfreude. 21 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, kein Gegentor nach der Pause - das war eine Demonstration in Blau und Weiß. Trainer Schmidt lobte sein Team, aber nicht ohne Seitenhieb: "Wenn wir jetzt noch lernen, nach dem dritten Tor nicht überheblich zu werden, dann müssen wir vielleicht bald Eintritt verlangen für unser Training." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit minutenlangem Applaus. Einige Kinder versuchten, Wilhelm und Kofod für Selfies zu erwischen - erfolglos, beide verschwanden lachend im Spielertunnel. Fazit: Lausanne-Sport zeigte, dass Offensivgeist und Spielfreude auch in der 1. Liga Schweiz ihren Platz haben. Solothurn war bemüht, aber letztlich überfordert. 4:1 - ein klares Ergebnis, das den Spielverlauf widerspiegelt. Und wenn man die Gesichter der Lausanner Spieler nach Abpfiff sah, konnte man ahnen: Diese Mannschaft will mehr. Vielleicht nicht gleich die Champions League, aber mindestens ein paar weitere Abende, an denen Fußball wieder nach Fußball aussieht. 17.03.643987 23:10 |
Sprücheklopfer
Ich sehe Licht am Himmel.
Friedel Rausch