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Es war ein Montagabend, wie ihn die 1. Liga Schweiz liebt: Flutlicht, 31.151 frierende, aber standhafte Zuschauer im Stade de la Tuilière, und zwei Teams, die sich gegenseitig nichts schenkten - außer vielleicht den einen Punkt am Ende. Lausanne-Sport und der FC Oberwallis trennten sich nach 90 umkämpften Minuten 1:1 (0:1), ein Ergebnis, das beiden Trainern zugleich Falten und Erleichterung ins Gesicht schrieb. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Oberwallis keineswegs als Punktelieferant an den Genfersee gereist war. Laurent Castel prüfte in der ersten Minute den heimischen Keeper Dylan Monroe - ein Weckruf für Lausanne, der allerdings ungehört verhallte. Nach 14 Minuten schlug Daniel Etxebarria eiskalt zu. Der flinke Linksaußen, von Miguel Sa Pint mit einem präzisen Pass bedient, zog aus spitzem Winkel ab und versenkte den Ball unhaltbar im langen Eck. 0:1, und plötzlich war das Stadion still - zumindest für drei Sekunden, bis die ersten Pfiffe das Podest betraten. "Wir waren in der ersten Halbzeit einfach zu brav", grummelte später Lausanne-Coach Ronny Schmidt. "Vielleicht dachten die Jungs, Oberwallis sei zum Schaulaufen gekommen." War es nicht. Denn die Gäste verteidigten kompakt, liefen viel und spielten kurz und präzise, ganz nach der Philosophie ihres Trainers Snore Laken. Der grinste nach dem Spiel trocken: "Wir sind nicht hier, um Postkarten vom See zu sammeln." Lausanne hatte zwar mehr Ballbesitz (55,6 Prozent), aber zunächst wenig Ertrag daraus. Ignacio Vazques und Günther Breze versuchten es wiederholt, doch entweder stand ein Bein im Weg oder Torhüter Grigorios Christopoulos pflückte die Schüsse seelenruhig herunter. In der 23. Minute sah Julius Maier Gelb - vielleicht, weil er den Ball etwas zu leidenschaftlich zurückerobern wollte. Nach der Pause änderte sich das Bild. Lausanne kam mit frischem Elan aus der Kabine, die Angriffe liefen nun flüssiger über links, wo Oskar Marcel und Tove Kofod das Spiel anzogen. Und genau dieses Duo war es, das in der 57. Minute den Ausgleich herbeizauberte: Marcel flankte, Kofod nahm Maß und traf mit einem satten Linksschuss - 1:1. Das Stadion tobte, und Kofod rannte zur Eckfahne, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht. "Ich hab nur gedacht: endlich!", lachte der Torschütze später. "Oskar hat mir den Ball auf den Teller gelegt, da musste ich nur noch essen." Ein Satz, den man in Lausanne vermutlich noch ein paar Wochen zitieren wird. Danach wurde es ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchten den Sieg, aber keiner fand ihn. Günter Weller prüfte Monroe in der 72. Minute ein weiteres Mal, während Julius Maier kurz vor Schluss (85.) fast noch den Lucky Punch landete. Statt Jubel gab’s Gelb für die Oberwalliser Abwehrrecken Miguel Sa Pint (83.) und Kamil Wojciechowski (84.), die den Punkt wohl mit Zähnen und Nägeln verteidigen wollten. In den letzten Minuten brachte Laken frische Beine: Michael Winston kam für den Torschützen Etxebarria (68.), später folgten Isaac Dennehy und der junge Joschua Krause, der gleich mit rustikalem Charme in den ersten Zweikampf grätschte. "Ich sollte Stabilität bringen", sagte der 21-Jährige hinterher mit einem Grinsen. "Na, und Gegnerkontakt." Statistisch betrachtet war das Remis gerecht. Lausanne schoss 10-mal aufs Tor, Oberwallis 12-mal. Die Tacklingquote? 49,98 zu 50,02 Prozent - also praktisch Gleichstand. Nur in Sachen Stilpunkte lag Oberwallis vorn, weil Trainer Laken nach Abpfiff stoisch in seinen Notizblock kritzelte, während Schmidt sich noch mit dem vierten Offiziellen über eine Abseitsentscheidung unterhielt ("Ich schwöre, der stand auf gleicher Höhe!"). Am Ende blieb das Gefühl: Lausanne wollte mehr, Oberwallis nahm, was es kriegen konnte. Ein klassisches 1:1 also - das Ergebnis, das keiner liebt, aber jeder akzeptiert, weil es irgendwie passt. "Wenn du 55 Prozent Ballbesitz hast und trotzdem zittern musst, dann weißt du, dass du noch Arbeit hast", fasste Schmidt zusammen, bevor er in die Kabine verschwand. Und irgendwo in den Katakomben hörte man Snore Laken murmeln: "Ein Punkt in Lausanne - das ist wie Fondue ohne Käse: selten, aber man nimmt’s mit." Ein Spiel, das keinen Sieger, aber viele Geschichten hatte - und das wohl noch lange nachhallen wird, zumindest bis der Schnee im Wallis wieder schmilzt. 26.05.643987 10:42 |
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