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Lausanne stolpert, Yverdon jubelt: Effizienz schlägt Leidenschaft

Es war ein Winterabend, der eigentlich nach heißem Tee und dicken Decken rief - doch 30.896 Zuschauer im Stade de la Tuilière entschieden sich stattdessen für 90 Minuten Fußball-Drama. Lausanne-Sport empfing am 4. Spieltag der 1. Liga Schweiz den SV Yverdon - und musste am Ende erkennen, dass Ballbesitz allein keine Punkte garantiert. 1:2 hieß es nach 95 intensiven Minuten, in denen Lausanne zwar das Spiel, Yverdon aber das Ergebnis in der Hand hatte.

Dabei fing alles so munter an. Schon in den ersten Minuten wirbelten Timon Theotokis und Günther Breze in der Offensive, als gäbe es Punkte für Ästhetik. Sechzehn Torschüsse feuerten die Hausherren insgesamt ab - doch das Netz zappelte nur einmal. "Wenn’s nach schönen Angriffen ginge, hätten wir 4:2 gewonnen", murmelte Trainer Ronny Schmidt nach Schlusspfiff, während er sich die Mütze tief ins Gesicht zog.

Yverdon dagegen spielte, als hätten sie den Begriff "Effizienz" gerade neu erfunden. Sechs Schüsse aufs Tor, zwei Treffer - und beide mit chirurgischer Präzision. In der 38. Minute war es Lubomir Krejci, der nach feinem Zuspiel von Claude Aimee plötzlich allein vor Dylan Monroe auftauchte. Ein kurzer Blick, ein noch kürzerer Schuss - 0:1. Der Jubel der mitgereisten Yverdon-Fans war kaum verklungen, da antwortete Lausanne postwendend: Nur zwei Minuten später köpfte Innenverteidiger Helmut Feldmann nach Ecke von Lucas Maurice zum 1:1 ein. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste der 22-Jährige später, "vielleicht lag’s am neuen Shampoo."

Mit diesem Gleichstand ging’s in die Pause - und es roch förmlich nach einer zweiten Halbzeit, die Lausanne dominieren wollte. Die Gastgeber kamen mit offensiver Ausrichtung aus der Kabine, das Pressing blieb aber überraschend zahm. "Wir wollten das Spiel geduldig aufbauen", erklärte Schmidt. Leider verwechselte seine Mannschaft "geduldig" mit "zahm".

Denn in der 57. Minute schlug Yverdon erneut eiskalt zu. Reece Musgrave leitete klug ein, Thibault Demeyer zog von links in die Mitte und schlenzte den Ball ins rechte obere Eck - ein Traumtor, das man so wohl nur alle paar Monate sieht. 1:2, und plötzlich hatte Lausanne mehr Ball als Idee.

Lausanne rannte an, Yverdon verteidigte - manchmal wild, manchmal mit Glück, aber stets mit Leidenschaft. Besonders Torhüter Felipe Ordono wurde zum stillen Helden des Abends. Mehrfach parierte er waghalsige Abschlüsse von Breze, der an diesem Abend einfach keinen grünen Zweig fand. In der Nachspielzeit prüften Theotokis und erneut Breze den Schlussmann, doch Ordono hielt, als hätte er die Handschuhe mit Sekundenkleber behandelt.

Als dann in der 94. Minute Yverdons Rechtsverteidiger Rene Willoughby wegen eines taktischen Fouls Gelb sah, war das fast schon ein symbolischer Schlusspunkt: Lausanne kämpfte, Yverdon kratzte - und am Ende siegten die Abgebrühten.

Die Statistik sprach eine bittersüße Sprache: 49,7 Prozent Ballbesitz für Lausanne, 50,2 für Yverdon - praktisch ausgeglichen. Doch die Schussbilanz (16 zu 6) zeigte, dass Lausanne mehr wollte, aber weniger bekam. "Wir hatten die Kontrolle, sie hatten die Tore", fasste Kapitän Lucas Maurice trocken zusammen.

Auf der anderen Seite grinste Yverdons Trainer - der sich demonstrativ unaufgeregt gab. "Wir waren effizient, diszipliniert und… ja, auch ein bisschen glücklich", lachte er in Richtung Presse. "Aber wer im Fußball nicht auch Glück hat, spielt Schach."

Als die Flutlichtlampen langsam erloschen und die Fans sich in die frostige Nacht verabschiedeten, blieb der bittere Nachgeschmack einer verpassten Chance. Lausanne-Sport hatte alles versucht - nur das Toreschießen verlernt. Yverdon hingegen bewies, dass Balance und Präzision manchmal mehr wert sind als Offensivdrang und Ballbesitz.

Vielleicht bringt der nächste Spieltag die Wende für Ronny Schmidt und seine Elf. Bis dahin bleibt der Satz des Abends von Abwehrmann Feldmann hängen: "Wir spielen schönen Fußball - aber leider ohne Rückgaberecht."

Und irgendwo auf der Heimfahrt Richtung Yverdon dürfte Lubomir Krejci leise vor sich hin summen: "Zwei Chancen, zwei Tore - läuft doch."

22.02.643987 20:07
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