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Es war ein Mittwochabend, wie ihn Lausanne-Sport nicht so schnell vergessen wird: 31.593 Zuschauer im Stade de la Tuilière, Flutlicht, klare Luft - und am Ende ein Ergebnis, das sich keiner im Heimblock schönreden konnte. 1:2 hieß es nach 96 intensiven Minuten gegen den SC Solothurn, der seine Chancen eiskalt nutzte und den Waadtländern das Leben schwer machte. Schon früh war klar: Lausanne wollte den Ton angeben. Die ersten Minuten gehörten eindeutig den Hausherren. Pattrick Abbadie prüfte Solothurn-Keeper Philippe Beauvilliers bereits in der dritten Minute - und gleich noch einmal in der achten. "Ich dachte, irgendwann muss einer reingehen", grinste der rechte Flügelstürmer später etwas gequält. Ging er aber nicht - zumindest nicht in der ersten Halbzeit. Denn in der 13. Minute schlug Solothurn aus dem Nichts zu. Emilio Juarez, gerade einmal 21 Jahre jung, fasste sich ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern flach ins Eck. Carl Galindez hatte vorbereitet, Lausanne-Keeper Robert Carter streckte sich vergebens. 0:1 - und das Stadion murmelte ungläubig. "Wir waren gar nicht richtig da in dem Moment", gab Trainer Ronny Schmidt hinterher zu. Wer ihn kennt, weiß: Das ist seine höfliche Umschreibung für "meine Abwehr hat geschlafen". Lausanne zeigte trotz Rückstand Moral. Sie schossen, kombinierten, liefen - 14 Torschüsse insgesamt, fast doppelt so viele wie die Gäste. Der Ballbesitz pendelte sich bei 48 Prozent ein, was ungefähr so aussah, als hätte Lausanne das Spiel, aber Solothurn die Nerven. Kurz vor der Pause reagierte Schmidt: Doppelwechsel. Georg Fröhlich und Tove Kofod mussten runter, Danut Stoica und Albert Bleecker kamen. "Frische Beine, frische Ideen", erklärte der Coach in der Halbzeit. Die Ideen blieben allerdings zunächst in der Kabine. Nach der Pause blieb das Muster gleich: Lausanne drückte, Solothurn verteidigte, und der Gast setzte immer wieder gefährliche Konter. Alexander Bedard, der bullige Innenverteidiger, sah in der 56. Minute Gelb, nachdem er Abbadie unsanft gestoppt hatte - ein Foul irgendwo zwischen rustikal und nostalgisch. Dann endlich, in der 66. Minute, der Jubel, der das Stadion erzittern ließ. Tove Kofod - kurz vor der Pause ausgewechselt, aber in Gedanken wohl noch auf dem Platz - hatte den Ball in der Entstehung vorbereitet, und Pattrick Abbadie drosch das Leder humorlos unter die Latte. 1:1! Die Fans sprangen, die Ersatzbank tobte. "Da dachte ich, jetzt kippt das Spiel", sagte Abbadie später. "Na ja … es kippte. Nur anders." Denn kaum vier Minuten später, in der 70. Minute, antwortete Solothurn. Wieder ein schneller Angriff, wieder ein junger Wilder: Miguel Andrade, ebenfalls 21, bekam den Pass von Vincent Anders, ließ einen Verteidiger stehen und traf eiskalt zum 1:2. Es war einer dieser Momente, in denen der Fußball grausam ehrlich ist. Lausanne mobilisierte alles. Schmidt stellte auf noch offensiver um, ließ über die Flügel gehen, das Pressing schärfer anziehen. Zwischen der 80. und 96. Minute schossen die Hausherren sechsmal aufs Tor - Ignacio Vazques allein viermal -, doch Beauvilliers im Solothurner Tor wuchs über sich hinaus. Spätestens als er in der 94. Minute einen Kopfball aus drei Metern über die Latte lenkte, wusste jeder: Heute wird das nichts mehr. Solothurns Trainer - der besonnene, fast stoische Typ an der Seitenlinie - kommentierte den Sieg trocken: "Wir wollten ruhig bleiben, die Räume eng machen. Das hat funktioniert." Emilio Juarez grinste daneben: "Manchmal braucht man nur zwei Chancen - und ein bisschen Mut." Auf der anderen Seite stand Ronny Schmidt, die Hände tief in den Taschen, der Blick leer. "Wir haben alles versucht", murmelte er. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Vielleicht nicht. Aber an diesem Abend war es immerhin ein Drama - mit einem Publikum, das jede Szene mitfühlte. Die Statistik sagt: Lausanne hatte mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Einsatz. Solothurn hatte nur eins - das bessere Timing. Und das reicht im Fußball manchmal für drei Punkte. Am Ende applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht, weil sie wussten, dass Leidenschaft nicht immer belohnt wird - aber immer gesehen wird. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr mit Schal und Bier, halb lachend, halb seufzend: "Wenn sie so weiter spielen, verlieren sie wenigstens schön." Ein Satz, den man sich in Lausanne wohl fürs nächste Heimspiel merken wird. 04.12.643993 17:10 |
Sprücheklopfer
Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!
Olaf Thon auf die Frage nach dem Grund einer Niederlage