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42.276 Zuschauer im Stadion Wankdorf konnten kaum glauben, was sie da sahen: Gelb-Schwarz Bern, lange Zeit kämpferisch und mit Herzblut unterwegs, verliert in der 94. Minute mit 1:2 gegen den SC Chiasso. Es war ein Abend, der zwischen Aufbruchsstimmung, Frust und einem gehörigen Schuss Fußball-Ironie pendelte. Dabei begann alles mit einem offenen Schlagabtausch, wie man ihn sich an einem kalten Januarabend in der 1. Liga Schweiz kaum schöner wünschen kann. Chiasso legte los, als hätte Trainer Heiko Vogel seine Jungs mit doppeltem Espresso gefüttert. Bereits in der ersten Minute prüfte Isaac Millington den Berner Keeper Olivier Celine mit einem satten Schuss - der Auftakt zu einer wahren Flut von 18 Torschüssen, die am Ende den Unterschied machen sollten. Bern, taktisch gewohnt ausgewogen und mit der typischen Berntsen’schen Ruhe, versuchte zunächst, das Spiel zu kontrollieren. Doch Chiasso spielte gnadenlos über die Flügel. "Wir wollten von Anfang an Druck machen, hinten raus war das vielleicht ein bisschen viel", grinste Vogel nach dem Spiel, als hätte er gerade eine riskante Schachpartie gewonnen. In der 37. Minute war es dann soweit: Kyriakos Galitsios, der unermüdliche Mittelfeldmotor der Tessiner, traf nach Vorarbeit von Fernando Carvalho zum 0:1. Ein Tor, das so sauber herausgespielt war, dass selbst die Berner Fans kurz anerkennend nickten. Doch wer die Berner kennt, weiß: Sie geben nicht auf, schon gar nicht zu Hause. Nur zwei Minuten später schlug Claude Buffett zurück - nach Vorlage des 18-jährigen Michael Morriss, der mit einem frechen Steilpass die halbe Chiasso-Abwehr alt aussehen ließ. 1:1, und das Stadion tobte. "Ich hab einfach nur draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht in der Aare landet", lachte Buffett später in der Mixed Zone. Der Ausgleich brachte Schwung in die Partie, und Bern witterte die Wende. Doch während die Hausherren in der zweiten Halbzeit vor allem auf Ballbesitz (47,9%) und gepflegtes Kurzpassspiel setzten, blieb Chiasso gefährlicher. 18 Schüsse auf das Tor sprechen eine deutliche Sprache - Bern kam lediglich auf fünf. Die zweite Halbzeit war ein zähes Ringen. Stephan Hartmann kassierte nach einem rustikalen Einsteigen die Gelbe Karte (59.), "aus purer Leidenschaft", wie er selbst meinte. Trainer Bjarne Berntsen hingegen sah das etwas nüchterner: "Wir waren zu brav. Chiasso hat das Spiel gefressen, wir haben es nur gekaut." In der Schlussphase wurde das Spiel hektisch. Heiko Vogel wechselte offensiv - Xabi Gallego kam in der 75. Minute für den erschöpften Carvalho. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Während Berns junge Offensive mit Martial und Boyer zwar Tempo brachte, aber selten Gefahr, schnürte Chiasso die Gastgeber in deren Strafraum ein. Olaf Bayer prüfte Celine in der 91. Minute, Louis Erdmann hatte zwei Minuten zuvor kläglich vergeben - und dann kam die 94. Minute. Xavi Gonzalez, der rechte Verteidiger mit Offensivdrang, setzte sich auf der Außenbahn durch, flankte flach in die Mitte, und Xabi Gallego hielt den Fuß hin. 1:2. Eiskalt. Das Stadion verstummte, nur die rot-blauen Gäste feierten ausgelassen. "So ein Tor in der Nachspielzeit - das ist wie ein Espresso doppio fürs Herz", sagte Gallego später mit einem breiten Grinsen. Coach Vogel ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Wir haben bis zum Schluss offensiv gespielt, weil wir gar nicht wissen, wie man auf Ergebnis spielt." Während Chiasso jubelte, saßen die Berner Spieler lange auf dem Rasen. Claude Buffett sprach von einem "Tritt in die Seele", Torhüter Celine schimpfte leise in sich hinein, und Trainer Berntsen stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir hatten Chancen, aber nicht den letzten Biss. Das war heute der Unterschied", resümierte er trocken. Am Ende bleibt ein Spiel, das Chiasso mit Mut und Offensivdrang verdient gewann. Bern zeigte Moral, aber auch, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Mit 18:5 Torschüssen und einer Tacklingquote von 56 Prozent war Chiasso schlicht entschlossener. Ein bitterer Abend für Gelb-Schwarz Bern - und ein süßer Triumph für die Gäste aus dem Süden. Oder, wie es ein Berner Fan auf der Tribüne seufzend zusammenfasste: "Wenn du in der 94. Minute verlierst, dann weißt du, dass der Fußball manchmal einfach ein fieser Kerl ist." 15.08.643987 11:05 |
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Zum Glück habe ich nur eine Struktur.
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