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Ein Valentinstag, den sie in Pena so schnell nicht vergessen werden: 27.000 Zuschauer erlebten am Samstagabend im Estadio Municipal ein Wechselbad der Gefühle, als Deportes Pena gegen Domino Melgar erst zu spät, dann aber umso dramatischer den Punkt rettete - 1:1 hieß es am Ende dieses 8. Spieltags der 1. Liga Peru. Schon nach neun Minuten lag der Duft der Enttäuschung in der warmen Abendluft. Domino Melgars Veteran Odysseas Siontis, 34 Jahre jung und offenbar mit ewig frischen Beinen gesegnet, vollendete einen blitzsauberen Angriff über die rechte Seite. Javier Ze Castro hatte das Spiel klug verlagert, und Siontis drosch den Ball mit einer Präzision ins Netz, die selbst die Heimfans kurz ehrfürchtig nicken ließ. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Siontis später. "Und gehofft, dass der Torwart noch überlegt, ob heute wirklich Samstag ist." Penas Keeper Federico Marini wirkte tatsächlich kurz überrascht - und seine Vorderleute ebenso. Danach brauchten sie fast eine Viertelstunde, um sich zu sortieren. Trainer und Taktik hin oder her - beide Teams begannen ausgeglichen, wie ihre "balanced"-Ausrichtung es vermuten ließ. Doch Melgar war in der Anfangsphase einfach wacher, präziser, gefährlicher. Ab der 20. Minute drehte Pena auf. Oscar Gomes prüfte Keeper Patrick Maus gleich mehrfach, Vitor Morte zog von links gefährlich nach innen, und Reece Ashton versuchte es, wie man so schön sagt, "aus allen Lagen". 13 Torschüsse sammelte die Heimmannschaft insgesamt - aber sie alle brachten nur eines: Frustration. Kurz vor der Pause sah Ludvig Villadsen Gelb, weil er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen kein olympischer Sprungwettbewerb ist. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", sagte der linksfüßige Däne später mit einem schiefen Lächeln. Zur Halbzeit stand es 0:1, und auf den Rängen rumorte es. "Wir spielen doch gar nicht schlecht", brummte ein älterer Fan in der dritten Reihe, "aber Tore zählen halt dummerweise mehr als Ballbesitz." Recht hatte er: Pena hatte zwar 52,6 Prozent davon - doch auf der Anzeigetafel zählte nur Melgars frühes 0:1. Nach dem Seitenwechsel drückte Pena noch mehr. Morte, Gomes, Ashton - sie alle feuerten, als wäre der Ball aus Gold. Maus im Melgar-Tor aber hatte offenbar einen seiner besseren Tage. In der 68. Minute meldete sich auch Melgar noch einmal mit einem satten Schuss von Thanassis Philippidis, den Marini mit einer Hand über die Latte lenkte - die einzige echte Rettungstat des Heimkeepers nach der Pause. Dann kam die 88. Minute - und mit ihr die Erlösung. Der 18-jährige Diego Carracedo, gerade erst aus der eigenen Jugend hochgezogen, stand goldrichtig. Nach einem schnellen Vorstoß über die linke Seite legte Nelio Flores quer, Carracedo nahm Maß - und jagte den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins lange Eck. 1:1! Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht schieße, schießt keiner", sagte Carracedo danach mit glänzenden Augen. Trainer und Mitspieler hoben ihn auf den Schultern, während er, halb verlegen, halb stolz, in die Kameras grinste. Melgar-Trainer - ein Mann, der sonst selten Emotionen zeigt - schüttelte nach Spielende nur den Kopf. "So ist Fußball", murmelte er. "Wir hatten das Spiel im Griff, und dann kommt dieser Junge …" Auch Penas Coach zeigte sich im Interview sichtlich erleichtert. "Wir wollten unbedingt zeigen, dass wir kämpfen. Und wenn’s am Ende der Jüngste richtet - umso schöner." Statistisch gesehen hätte Pena den Sieg verdient gehabt: mehr Torschüsse (13:6), mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen. Doch am Ende blieb es beim Remis - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie gerecht wird. Melgar verteidigte clever, Pena kämpfte leidenschaftlich, und die Zuschauer bekamen ein Spiel, in dem man nie wusste, ob man jubeln oder fluchen sollte. Als die Flutlichtlampen erloschen und die letzten Fans aus dem Stadion schlenderten, hörte man einen kleinen Jungen sagen: "Papa, ich will auch so schießen wie Carracedo." Der Vater lachte. "Dann fang morgen an zu trainieren. Aber vergiss nicht - manchmal reicht auch Mut." Ein Unentschieden also, das sich anfühlt wie ein Sieg - zumindest für die, die an späte Wunder glauben. 19.08.643990 03:00 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel