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Last-Minute-Drama in Nyon: Lausanne-Sport klaut Punkt in der Nachspielzeit

Es war ein eisiger Freitagabend am Genfersee, doch die 39.177 Zuschauer im Stade de Colovray wurden von einem wahren Fußball-Krimi gewärmt. FC Nyon gegen Lausanne-Sport - das klingt nach regionalem Derby, nach Emotion, nach Rasenschlacht. Und genau das bekamen sie: ein 1:1, das statistisch ein Heimsieg hätte sein sollen und emotional eine kleine Tragödie für Nyon war.

Der Abend begann vielversprechend für die Gastgeber. Schon in der zweiten Minute prüfte Duarte Moutinho mit einem satten Distanzschuss die Handschuhe von Lausanne-Keeper Dylan Monroe. "Ich wollte ihm gleich zeigen, dass es heute kein gemütlicher Abend wird", grinste Moutinho später, als er sich den Mantel überzog. Und er meinte es ernst: Nyon drückte, kombinierte, schoss - insgesamt 17 Torschüsse, doppelt so viele wie der Gegner.

In der 29. Minute dann der verdiente Lohn: Moutinho leitete clever ein, Humberto Navarro zog aus 20 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. Die Tribüne bebte, die Fans sangen, und Trainer Manni Burgsmüller ballte die Faust. "So stellt man sich das vor - einmal sauber durchgespielt, und dann macht’s Bumm", kommentierte er trocken.

Bis zur Pause blieb Nyon klar tonangebend. Lausanne-Sport, das Team von Ronny Schmidt, fand kaum statt - zu passiv, zu brav, zu wenig Biss im Mittelfeld. Der Ballbesitz lag leicht zugunsten der Hausherren (52 %), aber die Zahlen erzählten nur die halbe Wahrheit: Lausanne wirkte, als hätte man die Offensivabteilung im Mannschaftsbus vergessen.

Doch dann kam die 49. Minute - und mit ihr der Wendepunkt. Nyon-Verteidiger José Segura grätschte in bester Holzfäller-Manier in Günther Breze hinein. Schiedsrichterin Sabine Tellenbach zückte ohne Zögern Rot. "Ich hab den Ball gespielt", rief Segura, während er vom Platz trottete - allerdings war der Ball zu diesem Zeitpunkt bereits in der anderen Hälfte.

Von da an wurde es ein Balanceakt für die Gastgeber. Burgsmüller stellte um, ließ tiefer stehen, hoffte auf Konter. Lausanne witterte plötzlich Morgenluft, allerdings ohne echten Plan. Schmidt brüllte an der Seitenlinie: "Bleibt ruhig, Jungs, das Tor fällt von selbst!" - und sollte am Ende Recht behalten.

Die Minuten verrannen, Nyon fightete mit zehn Mann, was das Zeug hielt. Fabian Schaller sah in der 64. Minute Gelb, Vitorino Mantecon in der 74. - beides taktische Fouls, beides Ausdruck purer Verzweiflung. Doch der Plan schien aufzugehen. Lausanne war zwar optisch überlegen, aber ideenlos im Abschluss. Bis zur 94. Minute.

Dann kam Alberto Costinha - Innenverteidiger, 1,90 Meter groß, eigentlich zuständig für Ordnung hinten. Nach einer letzten Ecke von Joao Vidigal stieg er höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 1:1. Die Gäste jubelten, die Heimfans verstummten.

"Das ist Fußball, manchmal der schönste, manchmal der grausamste Sport der Welt", sagte Burgsmüller später, während er auf die Anzeigetafel blickte. Sein Gegenüber Schmidt grinste über beide Ohren: "Wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt. Ich hab’s den Jungs in der 80. gesagt: Wenn wir schon nicht gut spielen, sollen wir wenigstens spät treffen."

Statistisch gesehen war Nyon das bessere Team - mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe, mehr Schüsse. Aber Lausanne hatte das letzte Wort. Und so stand am Ende ein Remis, das sich für die einen wie eine Niederlage anfühlte und für die anderen wie ein kleiner Sieg.

Im Presseraum scherzte Goalgetter Navarro, der Torschütze des FC Nyon: "Vielleicht hätten wir einfach das Flutlicht ausschalten sollen nach der 90. Minute." Und Moutinho ergänzte lachend: "Oder den Ball nach dem 1:0 behalten - Ballbesitz war ja unsere Stärke."

So blieb es bei einem Punkt für beide, aber die Emotionen füllten ein ganzes Stadion. Der FC Nyon wird sich fragen, wie man ein Spiel mit 17 Torschüssen und Führung bis zur letzten Sekunde nicht gewinnen konnte. Lausanne-Sport hingegen fährt mit breiter Brust nach Hause - und einem Verteidiger, der plötzlich weiß, wie man trifft.

Ein Spiel, das zeigte: Man kann alles richtig machen und trotzdem nur halb glücklich nach Hause gehen. Oder, wie Trainer Burgsmüller es formulierte: "Wenn du das Spiel kontrollierst, aber das Glück nicht einlädst, bleibt’s draußen - so wie der Ball in der 94. Minute eben nicht."

21.04.643987 17:30
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Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
Andreas Brehme
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