Fanatik
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Koynaspor dreht nach der Pause auf - Vestel SK verzweifelt an Effizienz

Ein kalter Januarabend, Flutlichtglanz über dem Koyna-Stadion, 12.500 Zuschauer mit heißem Tee und noch heißeren Erwartungen. Am 7. Spieltag der türkischen 1. Liga empfing Koynaspor das ambitionierte Vestel SK - und lieferte ein Spiel, das man getrost als "effektiver als schön" bezeichnen darf. Am Ende stand ein 3:1-Sieg, der so nüchtern wie verdient wirkte - zumindest, wenn man auf die Tore schaut. Wer aber die Statistik liest, könnte glauben, Vestel habe das Spiel gewonnen.

Denn die Gäste feuerten ganze 14 Schüsse auf das Tor von Niyazi Aurelio ab, während Koynaspor sich mit mageren vier Versuchen begnügte - drei davon landeten im Netz. "Ich sag’s mal so: Wir hatten heute eine Schussquote, die jedem Basketballer Tränen in die Augen treiben würde", grinste Koynaspor-Trainer (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) nach dem Spiel.

Schon in der 17. Minute ging Koynaspor in Führung. Doruk Cetin, der rechte Wirbelwind, traf nach Vorarbeit von Ragip Özkan. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: kurz, direkt, präzise - und vor allem überraschend, denn bis dahin hatte Vestel das Spiel kontrolliert. Nur drei Minuten vorher hatte Rhys Monroe bereits zweimal gefährlich aufs Tor geschossen. "Wir waren besser, bis der Ball plötzlich drin war", murmelte Vestel-Coach Kiri Watslos später ins Mikrofon, so leise, dass man fast Mitleid bekam.

Doch seine Männer ließen sich nicht beirren. Christophe Poulin, der Mittelfeldmotor, traf in der 33. Minute zum Ausgleich - nach einem feinen Zuspiel von Monroe, der an diesem Abend der wohl Aktivste auf dem Platz war. 1:1, verdient, und das Stadion schien sich auf eine offene Partie einzustellen. In der Kabine soll Poulin seinen Kollegen zugerufen haben: "Wir haben sie da, wo wir sie wollen!" - was im Nachhinein wie eine jener berühmten letzten Ansagen klingt.

Denn nach der Pause reichte Koynaspor ein Funke, um das Spiel kippen zu lassen. In der 52. Minute war es erneut Ragip Özkan, der mit einem brillanten Pass den Routinier Nesim Bartu fand. Der 31-Jährige blieb cool wie ein Eisbad im Januar und schob zum 2:1 ein. "Wenn du so einen Pass bekommst, brauchst du gar nicht nachzudenken", lachte Bartu später, "du machst einfach - und hoffst, dass der Torwart auch mal was falsch macht."

Vestel reagierte mit Wut, aber ohne Zielwasser. Poulin, Akagündüz, MacDonald - sie alle scheiterten am glänzend aufgelegten Aurelio oder an der eigenen Nervosität. In der 73. Minute kam dann der endgültige Nackenschlag: wieder Bartu, diesmal ohne Assist, einfach draufgehalten. Der Ball zappelte im Netz, 3:1, und das Stadion sang sich die Kälte aus den Knochen.

Ab da war’s ein Spiel mit klarer Rollenverteilung: Vestel rannte, Koynaspor lauerte. Die Gäste hielten den Ball fast gleich oft (49,8 Prozent), gewannen sogar mehr Zweikämpfe (55 Prozent) - aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. "Wenn es nach Ballbesitz ginge, wären wir Weltmeister", spottete Trainer Watslos nach der Partie, "aber leider zählt immer noch das Ding mit den Toren."

Kurz vor Schluss wurde es noch etwas ruppig. Sefer Korkut sah in der 86. Minute Gelb, weil er den heranstürmenden Poulin per rustikalem Bodycheck stoppte. "Ich hab ihn nur leicht berührt", verteidigte sich Korkut hinterher mit einem Grinsen. "Vielleicht war’s auch der Wind." In der Nachspielzeit folgte noch eine Verwarnung für Vestels Ogün Güven - sinnbildlich für einen Abend, an dem die Emotionen höher schlugen als die Effektivität.

Das Spiel endete 3:1, die Statistik 14:4, das Fazit irgendwo dazwischen. Koynaspor zeigte, dass man auch mit kontrolliertem Aufwand Großes erreichen kann, während Vestel SK beweisen durfte, dass man ein Spiel dominieren und trotzdem verlieren kann.

Als die Spieler vom Platz gingen, fasste Ragip Özkan die Partie mit einem Schulterzucken zusammen: "Wir hatten vier Chancen und drei Tore. Manchmal reicht das. Und manchmal ist das sogar schön."

Vielleicht ist das die einfachste Wahrheit des Abends. Nicht der, der öfter schießt, gewinnt - sondern der, der öfter lacht. Und Koynaspor hatte an diesem Abend eindeutig mehr zu lachen.

29.03.643987 13:52
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Rainer Calmund
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