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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 30.733 Zuschauer - und am Ende eine kleine Fußballtragödie in Almelo. Heracles Almelo verliert am 33. Spieltag der 1. Liga Niederlande mit 1:4 gegen den SC Roosendaal. Das Ergebnis klingt deutlich - und war es auch. Dabei begann alles so hoffnungsvoll. Schon in den ersten zehn Minuten feuerten Rikki Halse, Gijs Roemer und Alex Coelho aus allen Lagen. Das Publikum war begeistert, der Trainer an der Seitenlinie zufrieden. "Da dachte ich, heute läuft’s", murmelte ein Fan auf der Tribüne, ehe er nach 90 Minuten kopfschüttelnd das Stadion verließ. Doch dann kam die 27. Minute, und mit ihr Finn Bendixen - eigentlich Innenverteidiger, aber offenbar mit einem Faible fürs Toreschießen. Nach einer Ecke rückte er vor, der Ball sprang glücklich vor seine Füße, und Bendixen schob eiskalt zum 0:1 ein. Heracles’ Keeper Egidius Vogel streckte sich vergebens. Heracles schlug zurück - immerhin kurzzeitig. In der 39. Minute fasste sich der erfahrene Gerrit Westerveldt ein Herz, zog aus halbrechter Position ab und traf zum 1:1. Das Stadion tobte, Westerveldt riss die Arme hoch, sein Jubel war ebenso kraftvoll wie hoffnungsvoll. "Ich dachte, das kippt jetzt zu unseren Gunsten", sagte er später. "Tja, da lag ich wohl falsch." Denn nur drei Minuten später klingelte es erneut im Heracles-Tor. Nils Singer vollendete einen sehenswerten Angriff über die linke Seite, nachdem Tord Abelson ihn klug freigespielt hatte. 1:2 - und der Halbzeitpfiff kam für Almelo wie eine Erlösung. Die Statistik zur Pause zeigte: 52 Prozent Ballbesitz für Heracles, sieben Torschüsse - aber die Effizienz lag bei Roosendaal. Trainer Thomas Ga grinste nach dem Spiel: "Wir hatten keinen Ballbesitz, aber vier Tore. Ich nehme lieber das." In der zweiten Halbzeit blieb Almelo zwar bemüht, aber harmlos. Roosendaal spielte weiter frech, aggressiv und mit offenem Visier. Eric Roades, der 19-jährige Mittelstürmer mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, machte dann alles klar: In der 69. Minute stand er nach einer Flanke von Bendixen goldrichtig und nickte zum 1:3 ein. Fünf Minuten später legte er noch einen drauf, diesmal nach glänzender Vorarbeit des agilen Vitorino Hernandez - 1:4. Heracles wirkte konsterniert, die Zuschauer begannen, sich in Galgenhumor zu flüchten. "Vielleicht sollten wir auch mal offensiv spielen", rief einer aus Reihe 12, woraufhin ein anderer trocken antwortete: "Tun wir doch - für den Gegner." In der Schlussphase passierte nicht mehr viel, außer zwei Gelben Karten für Roosendaal (Frankowski in der 45., Singer in der 88.). Die Gäste spielten das Ergebnis souverän herunter, während Almelo ideenlos anrannte. Selbst Rikki Halse, der zu Beginn noch für Wirbel gesorgt hatte, wirkte frustriert. Nach dem Schlusspfiff suchten die Spieler von Heracles den Blick zum Boden, während die Gäste ausgelassen feierten. Trainer Ga gab sich gelassen: "Wir haben unsere Chancen genutzt, das war der Unterschied. In dieser Liga reicht das oft." Heracles-Coach - der Name blieb an diesem Abend besser ungenannt - fand keine klaren Worte. "Wir hatten den Ball, aber nicht den Plan", murmelte er schließlich bei der Pressekonferenz. Statistisch gesehen war das Spiel kurios: Heracles hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent) und war in der Zweikampfquote nur knapp unterlegen (47 zu 53 Prozent). Doch die Effektivität sprach Bände - zwölf Torschüsse für Roosendaal, vier Treffer. Drei davon von Spielern, die kaum älter als 20 waren. Der junge Eric Roades wurde zum Held des Abends. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er grinsend. "Und wenn der Ball reingeht, ist das halt nett." Eine sympathische Untertreibung für einen Doppelpack in der Fremde. Am Ende blieb den Fans von Heracles nur der Trost, dass Fußball ja bekanntlich aus Fehlern lernt - und dass es immerhin nur noch ein Spieltag bis zum Saisonende ist. Vielleicht ein Spieltag, an dem Almelo wieder an sich glaubt. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wir hatten heute alles - Ballbesitz, Chancen, Hoffnung. Nur das Ergebnis hat gefehlt." Und das, so scheint es, ist im Fußball leider immer noch das Entscheidende. 23.04.643990 13:06 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel