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Es war ein Abend, der in Almelo so verheißungsvoll begann und so bitter endete. Heracles Almelo führte zur Pause gegen den SC Roosendaal mit 1:0, spielte ansehnlich, hatte mehr Ballbesitz (53,7 Prozent) und neun Torschüsse - und stand am Ende dennoch mit gesenktem Kopf da: 1:4 hieß es nach 95 Minuten, ein Ergebnis, das sich so deutlich anfühlt, wie es auf der Anzeigetafel aussieht. 20.000 Zuschauer im Polman Stadion hatten sich am Freitagabend auf ein typisches Heracles-Heimspiel eingestellt - viel Einsatz, ein bisschen Chaos, und vielleicht drei Punkte. Und tatsächlich schien die Welt in der 41. Minute noch in bester Ordnung: Gijs Roemer, der flinke Linksaußen, nahm eine butterweiche Flanke von Claudios Westerveldt direkt und drosch den Ball zum 1:0 in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte wohl rein", grinste Roemer nach dem Spiel, als er schon längst keine Lust mehr hatte, über die zweite Halbzeit zu reden. Denn die begann mit einem Donnerschlag. Kaum zwei Minuten nach Wiederanpfiff schickte Roosendaals Javi Da Cru seinen Sturmpartner Joris Vanderzee steil, und der 25-Jährige vollendete eiskalt zum 1:1-Ausgleich (47.). Nur vier Minuten später schob der 20-jährige Samuele Fagnano nach einem Gewühl im Strafraum den Ball über die Linie - 1:2. Und plötzlich war Almelo nicht mehr Herr im eigenen Haus. Heracles-Trainer - der Name blieb an diesem Abend lieber ungenannt, vielleicht weil er selbst zu sehr unter Strom stand - fuchtelte wild an der Seitenlinie, während seine Mannschaft zwar den Ball, aber keine Idee hatte. Statistisch gesehen blieb Heracles leicht überlegen, spielerisch jedoch war Roosendaal schlicht effizienter. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte später Roosendaal-Coach Thomas Ga. "Heracles hat uns in der ersten Halbzeit laufen lassen, aber in der zweiten Halbzeit haben wir sie laufen lassen. Und das mögen sie nicht." In der 65. Minute war es erneut Vanderzee, der nach einem feinen Zuspiel von Thijs Landseer aus halblinker Position das 1:3 erzielte. Der Gästeblock tobte, die Heimfans stöhnten - und manch einer griff schon zum dritten Bier. "Da war die Luft raus", gab Heracles-Kapitän Claudios Westerveldt selbstkritisch zu. "Wir haben uns überrollen lassen, als hätte jemand den Stecker gezogen." Roosendaal blieb eiskalt. Während Heracles noch versuchte, mit langen Bällen auf Karel Breed und Rikki Halse für Gefahr zu sorgen, lauerte der Gast auf Konter. In der Nachspielzeit durfte schließlich auch noch Innenverteidiger James Delmas jubeln: Nach einer Ecke köpfte er zum 1:4-Endstand ein (95.). "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", scherzte der 22-Jährige, während seine Mitspieler in der Kurve feierten. Dass Heracles trotz der deutlichen Niederlage gar nicht so schlecht aussah, zeigen die Zahlen: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, fast ausgeglichene Zweikampfquote (49,1 Prozent). Doch während Almelo "SURE" spielte - also auf die sichere Chance wartete - nutzte Roosendaal jede Gelegenheit, die sich bot. Und das war am Ende der Unterschied zwischen Schönspielerei und Effektivität. Im Presseraum versuchte Trainer Ga, trotz des Triumphs bescheiden zu bleiben: "Wir sind jung, wir machen Fehler. Aber heute haben wir gezeigt, dass wir lernen." Sein Gegenüber war weniger philosophisch: "Ich habe nach dem 1:2 gehofft, dass einer von uns einen Wecker hört", knurrte der Heracles-Coach, "aber offenbar war der Akku leer." In den Katakomben summte jemand sarkastisch: "Einmal führen und trotzdem verlieren" - ein Lied, das man in Almelo wohl bald öfter hören wird. Roosendaal dagegen reiste mit breiter Brust und vier Toren im Gepäck nach Hause - und mit dem sicheren Gefühl, dass an diesem Abend alles passte. Fazit: Heracles begann wie ein Heimteam, das an sich glaubt, und endete wie eines, das sich selbst nicht versteht. Roosendaal dagegen trat auf, als wäre das 1:0-Rückstand nur ein kleiner Umweg auf dem Weg zur Gala. Und so stand am Ende ein 1:4, das Heracles schmerzt - und Roosendaal strahlen lässt. "Fußball kann grausam sein", meinte Gijs Roemer beim Hinausgehen noch. "Aber wenigstens hab ich das schönste Tor des Abends gemacht." Da konnte selbst der Trainer nur nicken - und das war wohl das Ehrlichste an diesem Abend. 16.01.643991 11:20 |
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Torsten Legat