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Ein nasskalter Abend im Abe-Lenstra-Stadion, Flutlicht, 20.000 Zuschauer mit Schal und Hoffnung bewaffnet - und am Ende ein 2:2, das sich anfühlt wie eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel. Der FC Heerenveen und der SC Roosendaal trennten sich nach 90 intensiven Minuten unentschieden, ein Resultat, bei dem beide Seiten wohl gleichermaßen erleichtert und frustriert den Tee danach schlürften. Dabei sah es zunächst gar nicht nach Punkteteilung aus. Die Gäste aus Roosendaal kamen mit einer klaren Absicht: früh draufgehen, über die Flügel Druck machen - und genau das taten sie. Schon in der 11. Minute klingelte es im Kasten von Heerenveens Torwart Herold Vanderbilt, als Haci Caliskan einen butterweichen Pass von Garritt Comstock dankend zum 0:1 verwertete. "Ich hab einfach instinktiv geschossen", grinste Caliskan später, "und gehofft, dass der Ball nicht den Parkplatz trifft." Nur fünf Minuten später legte Roosendaal nach: Der 20-jährige Samuele Fagnano, ein Stürmer mit jugendlicher Unbekümmertheit und einem Schuss wie ein Vorschlaghammer, traf nach Vorlage von Javi Da Cru zum 0:2. Trainer Thomas Ga jubelte an der Seitenlinie, als hätte er gerade die Lottozahlen erraten - und rief seinem Team zu: "Weiter, wir haben sie!" Doch wer Heerenveen kennt, weiß: Die Friesen sind zäh wie holländischer Käse. In der 21. Minute schlug Marnix Onderdonk zurück. Ein wuchtiger Linksschuss, halb Volley, halb Verzweiflung - aber drin. 1:2, und plötzlich war wieder Feuer in der Partie. "Da war das Stadion wach", sagte Onderdonk später. "Ich hab nur gesehen, dass der Ball rollt - und dachte, warum nicht?" Mit 55 Prozent Ballbesitz und einem Passspiel, das wie ein Uhrwerk funktionierte, arbeitete sich Heerenveen zurück in die Partie. Doch die Gäste blieben gefährlich: 16 Schüsse auf das Tor sprechen eine klare Sprache. Fagnano und Comstock wirbelten, während hinten James Delmas zweimal nach Standards gefährlich wurde. Heerenveens Defensive dagegen wirkte zeitweise so löchrig wie ein alter Fischernetz. Nach der Pause kam der Moment des Spiels: die 48. Minute. Onderdonk, der Torschütze des Anschlusstreffers, flankte von links - und fand Wevers Vanderbilt, der in der Mitte hochstieg und mit einem schulbuchmäßigen Kopfball den Ausgleich erzielte. 2:2, und das Stadion explodierte. "Wir wussten, dass wir noch was im Tank haben", meinte der 24-Jährige nach Abpfiff. "Und ehrlich - das war der schönste Ballkontakt meines Lebens." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Heerenveen spielte technisch sauber, Roosendaal kämpfte mit Herz und Härte. Vielleicht etwas zu viel Härte: Zwei Gelbe für die Gäste (Vanderzee, Van Zandt) und ebenso zwei für Heerenveen (Jaap Van Dousen, Ampte) zeugten von intensiven Zweikämpfen. "Das war kein Ballett, das war ehrlicher Fußball", sagte Heerenveens Mittelfeldmotor Jaap Van Dousen mit einem schiefen Lächeln - seine Grätsche in Minute 12 dürfte ihm allerdings noch in den Ohren klingen. In der Schlussphase drängte Roosendaal auf den Sieg, doch Torwart Herold Vanderbilt hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich unhaltbar schien. Sein Reflex in der 83. Minute gegen Comstock war Weltklasse. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, ich hab ihn nur gespürt", witzelte der 34-Jährige. Statistisch war das Remis fast gerecht: 9 Torschüsse für Heerenveen, 16 für Roosendaal, aber mehr Ballbesitz und Struktur bei den Gastgebern. Trainer Ga von Roosendaal fasste es so zusammen: "Wir hätten gewinnen können, vielleicht müssen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Sein Gegenüber - nennen wir ihn "den Heerenveen-Mann mit dem stoischen Gesicht" - nickte nur und meinte lakonisch: "Ein Punkt ist besser als keiner. Und wir leben noch." So endete ein Spiel, das alles bot - Tempo, Dramatik, Emotion. Nur eines fehlte: ein Sieger. Und irgendwo in der kalten Nacht von Heerenveen summte ein Fan in die Dunkelheit: "Unentschieden - das ist auch eine Art, sich treu zu bleiben." 10.12.643990 21:07 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer