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52.000 Zuschauer im Harrisburg Dome bekamen an diesem frostigen Februarabend alles geboten, was man von einem guten Fußballspiel erwartet - und ein bisschen mehr. Am Ende jubelten die Harrisburg Isles über ein 2:1 (1:1) gegen die Tombstone Colts. Zwei Tore, vier Gelbe Karten, ein paar hitzige Wortwechsel und reichlich verschossene Chancen - das war der 17. Spieltag der 1. Liga USA in seiner charmant-chaotischen Reinform. Die Colts kamen wie Cowboys aus dem Saloon: Schießeisen locker, Hüte tief im Gesicht. Schon nach einer Minute prügelte Joshua Morriss den Ball auf das Tor von Antonio Postiga, der sich die Handschuhe noch gar nicht richtig übergestreift hatte. "Ich dachte, wir hätten noch Anstoß", grinste Postiga später. Tombstone legte los wie die Feuerwehr, kam allein in den ersten zehn Minuten zu vier Abschlüssen. Doch dann zeigten die Isles, warum sie im heimischen Stadion kaum zu knacken sind. In der 22. Minute setzte sich Bernardo Viana auf dem linken Flügel durch, tunnelte seinen Gegenspieler und legte elegant quer. Leo Thuringer - 32 Jahre jung, 20 Jahre Erfahrung im Strafraum - drosch den Ball unter die Latte. 1:0, und der Dome explodierte. Drei Minuten später allerdings war die Euphorie dahin. Gabriel Perlman, Linksverteidiger der Colts, hatte offenbar beschlossen, dass Verteidiger auch mal treffen dürfen. Nach einem abgewehrten Freistoß zog er einfach drauf - und traf ins rechte Eck. 1:1, der Jubel der Isles-Fans wurde zu einem verhaltenen Murmeln. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Perlman später schmunzelnd, "aber wenn’s passt, passt’s." Bis zur Pause blieb es ein offener Schlagabtausch. Beide Teams suchten den Weg nach vorn, wobei die Colts mit 53 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen insgesamt die aktivere Mannschaft stellten. Harrisburg agierte kompakter, lauerte auf Umschaltmomente. Trainer David Sander rief von der Seitenlinie: "Bleibt giftig, Jungs!", woraufhin sich seine Spieler offenbar an die wörtliche Bedeutung erinnerten - Thomas Berard holte sich in der 38. Minute eine Gelbe Karte ab, nachdem er den Ball und gleich zwei Colts-Spieler umgegrätscht hatte. Zur Halbzeit reagierte Sander: Theo Browning kam für den müden Alejandro Sousa, und Karl Hoffmann ersetzte Berard, der wohl lieber kein zweites Mal den Rasen umpflügen sollte. Sein Pendant auf der Trainerbank, Hendrik Seeger, blieb ruhig. "Wir waren das bessere Team, aber Fußball ist manchmal wie Poker - du hast das bessere Blatt und verlierst trotzdem", kommentierte er später trocken. Die zweite Hälfte begann verhaltener. Beide Teams belauerten sich, als stünde ein Preisboxkampf bevor. Die Colts hatten weiter mehr vom Spiel, aber Harrisburg verteidigte klug. Gilles Middag zog im Mittelfeld die Fäden, ruderte, rief, dirigierte - und wurde in der 77. Minute belohnt. Nach schöner Vorarbeit von Hoffmann zog Middag aus 18 Metern ab, der Ball tanzte kurz in der Luft und segelte dann präzise ins Netz. 2:1 - und diesmal blieb der Jubel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Middag. "Ich dachte, wenn Leo in der ersten Hälfte trifft, kann ich ja nicht schlechter sein." Trainer Sander ergänzte: "Das war Wille, pure Energie - und vielleicht ein bisschen Glück. Aber das nehmen wir mit." Die Schlussphase wurde wild. Die Colts warfen alles nach vorn, Morriss und Badham feuerten aus allen Lagen, doch Postiga hielt, was zu halten war. Perlman sah in der 86. Minute fast Rot, als er Leah Ariav an der Seitenlinie stoppte - diesmal blieb’s bei Gelb. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte er nach dem Abpfiff, "aber der Ball war halt schneller." Am Ende standen zwölf Torschüsse der Isles gegen fünfzehn der Colts - und ein Ergebnis, das die Statistik Lügen straft. Harrisburg hatte nur 46,7 Prozent Ballbesitz, aber 100 Prozent Effizienz, wenn’s drauf ankam. Trainer Seeger schüttelte nach dem Spiel den Kopf: "Wir haben alles versucht, aber manchmal ist der Ball eben ein störrisches Tier." Sander dagegen war die Erleichterung anzusehen. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte. Und wer Middag so trifft, darf auch mal Gelb sehen." So verabschiedeten sich die 52.000 Zuschauer gut gelaunt in die Nacht - die einen mit heiserer Stimme, die anderen mit leichtem Kopfschütteln. Harrisburgs Sieg war kein Lehrstück in Ballbesitzfußball, sondern ein Beweis, dass Effektivität manchmal einfach schöner ist als Ästhetik. Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen treffend sagte: "Schön war’s nicht - aber schön, dass wir gewonnen haben." 01.12.643990 03:22 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde