US Sports
+++ Sportzeitung für USA +++

Harrisburg fegt Western vom Platz - jung, wild, unerschrocken

57.766 Zuschauer im sonnendurchfluteten Harrisburg-Stadion bekamen an diesem 7. Spieltag der 1. Liga USA genau das geboten, was man vom Fußball liebt: Drama, Tempo, Tore - und ein bisschen jugendliche Unvernunft. Die Harrisburg Isles besiegten die Western Pioneers mit 4:2 (3:1) und schickten die Gäste mit hängenden Köpfen und leicht angeknackstem Selbstbewusstsein auf die lange Heimreise.

Dabei begann alles ganz nach dem Geschmack der Pioneers. Bereits in der 8. Minute zappelte der Ball im Netz der Isles - Lewis Boyle, der alte Fuchs auf der rechten Außenbahn, traf nach Zuspiel von Lasse Rauch trocken ins lange Eck. "Ich dachte, das wird unser Abend", seufzte Boyle später. Es wurde stattdessen der Abend eines 20‑Jährigen mit einem Vornamen, der klingt wie ein englisches Frühstück: Elliot Almond.

Der junge Linksaußen der Isles drehte das Spiel fast im Alleingang. In der 26. Minute lauerte er im Strafraum, als Bradley Hannigan von hinten die Flanke servierte - und Elliot Almond hob den Ball über Western‑Keeper Joseba Sainz hinweg ins Netz. 1:1, und der Lärmpegel im Stadion stieg auf Triebwerksniveau. Nur vier Minuten später folgte die nächste Explosion: Pol Mudarra, der 33‑jährige Mittelfeldmotor, zog aus gut 20 Metern ab, nachdem Karl Hoffmann ihm den Ball perfekt aufgelegt hatte - 2:1.

Und dann kam die Szene, die man in Harrisburg wohl noch eine Weile erzählen wird. Ecke von Almond in der 37. Minute, und der blutjunge Innenverteidiger Charlie Greenwald, gerade einmal 19 Jahre alt, schraubte sich empor und köpfte den Ball wuchtig ins Tor. 3:1! "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste Greenwald später, bevor Trainerin Mia Colin ihn mit einem Schulterklopfen einfing.

Western war geschockt. Trainer Karsten NRW brüllte sich die Stimme heiser, und in der Pause muss es in der Kabine der Gäste ordentlich gescheppert haben. "Ich habe gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil!", gab er nachher schmunzelnd zu.

Tatsächlich kamen die Pioneers mit Wut im Bauch aus der Kabine. Nur eine Minute nach Wiederanpfiff (46.) staubte Roberto Serna nach Vorarbeit von Boyle zum 3:2 ab. Der Anschlusstreffer schien das Spiel noch einmal zu öffnen - doch Harrisburg blieb eiskalt.

Die zweite Halbzeit entwickelte sich zum offenen Schlagabtausch: 13 Torschüsse für Western, 11 für die Isles, fast ausgeglichener Ballbesitz (49 % : 51 %). Die Pioneers drückten, doch Harrisburg konterte geschickt. In der 71. Minute folgte die Entscheidung: Wieder war es der unerschrockene Elliot Almond, diesmal nach feinem Zuspiel von Ramon Velazquez. Mit der Ruhe eines Routiniers schob er den Ball flach ins linke Eck - 4:2!

"Der Junge spielt, als hätte er schon 200 Spiele auf dem Buckel", schwärmte Trainerin Colin. "Vielleicht sollte ich ihm aber verbieten, noch mal mit so viel Risiko zu dribbeln, sonst kriege ich Herzrasen."

In der 55. Minute sah Greenwald noch Gelb, weil er etwas zu beherzt in einen Zweikampf mit Roger Cartier ging - laut eigener Aussage "nur, um ihm guten Tag zu sagen". Der Schiedsrichter verstand den Humor nicht. Danach beruhigte sich das Spiel, sieht man von den letzten verzweifelten Pioneers‑Angriffen ab. Serna und Boyle feuerten noch mehrfach, aber Isles‑Keeper Tyler Prentiss, ebenfalls erst 19, hielt, als wollte er beweisen, dass Jugend keine Ausrede ist.

In der 90. Minute wechselte Karsten NRW noch zweimal - Coluna für Serna, Lorring für Ashton - wohl mehr aus Verlegenheit als aus taktischem Kalkül. "Manchmal hilft nur frische Luft", murmelte der Coach ins Mikrofon.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte Harrisburg, als hätte man die Meisterschaft gewonnen. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und Youngster Almond grinste schüchtern in die Kameras. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er - und das war wohl das Geheimnis dieses Abends.

Mia Colin fasste es zusammen: "Wir waren mutig, wir waren laut und wir waren ein bisschen verrückt. Genau so soll Fußball sein."

Western Pioneers dagegen müssen sich fragen, warum 51 Prozent Ballbesitz und 13 Abschlüsse nicht reichen, um ein Spiel zu drehen. Vielleicht, weil Leidenschaft sich nicht messen lässt - und weil die Isles an diesem Abend einfach ein bisschen mehr davon hatten.

Ein augenzwinkerndes Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn die Jugend spielt wie heute, darf die Erfahrung ruhig mal zusehen. Harrisburg hat jedenfalls gezeigt, dass Fußball manchmal ganz einfach ist - man muss nur Spaß daran haben, das Unmögliche zu tun.

29.03.643987 14:37
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager