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Ein Montagabendspiel mit allem, was der englische Fußball zu bieten hat: Regen, Grätschen, Emotionen - und ein Innenverteidiger, der plötzlich zum Torjäger wird. Vor 19.229 Zuschauern im altehrwürdigen Hammers Ground setzten sich die West Hammers mit 2:1 gegen die Stoke Potters durch. Es war ein Sieg, der weniger mit Ballbesitz, sondern mehr mit Herzblut zu tun hatte. Zwei Tore in knapp drei Minuten - das war der Doppelschlag, der den Hammers den Weg ebnete. Zuerst war es Innenverteidiger Odysseas Halkias, der in der 27. Minute nach einer Ecke von Alexander Rushton den Ball wuchtig ins Netz köpfte. "Ich wollte eigentlich nur stören", grinste Halkias später, "aber dann hat der Ball beschlossen, mich zu mögen." Zwei Minuten später legte Evgenios Chatzi nach, eiskalt aus halblinker Position, bedient von Gabriel Kober, der aus der Tiefe kam und die Potters-Abwehr aussehen ließ wie Touristen in der Rushhour. Doch wer dachte, dass Stoke nach diesem Schock aufgab, irrte. Die Potters fanden in Person von Konstantin Myschkin schnell eine Antwort. In der 35. Minute verwertete der erfahrene Angreifer eine Flanke von James Onnington zum 1:2 - und plötzlich wackelte die Hammers-Abwehr. "Wir haben kurz vergessen, dass das Spiel 90 Minuten dauert", knurrte Hammers-Coach Marcus Hunder später. Statistisch gesehen hätte das Spiel auch anders ausgehen können: 58 Prozent Ballbesitz für Stoke, zehn Torschüsse gegenüber 14 der Hammers - und doch wirkten die Gäste oft ideenlos. "Wir hatten viel Ball, aber zu wenig Mut", gestand Potters-Trainer Ian Caldwell (der an der Seitenlinie mehr mit den Wasserflaschen als dem Ball arbeitete) nach dem Spiel. Nach der Pause wurde es ruppiger. Halkias, schon Torschütze, avancierte nun zum tragischen Helden. Erst Gelb in der 71. Minute, dann Gelb-Rot nur drei Minuten später - ein klassisches Beispiel für "einmal zu oft den Fuß stehen lassen". Als er das Feld verließ, applaudierten die Fans - halb wegen des Tores, halb aus Mitleid. "Ich wollte nochmal zeigen, dass ich auch defensiv Herz habe", witzelte Halkias hinterher beim Gang durch die Mixed Zone. Mit einem Mann weniger verlegten sich die Hammers auf Konter. Der junge Lucas Bremer, gerade mal 20, kam zur Halbzeit für Nuno Mocana und rannte, als hätte man ihn aufgezogen. In der 88. Minute hatte er sogar die Chance, alles klarzumachen, doch sein Schuss klatschte nur an den Pfosten. "Ich hab den Pfosten um Erlaubnis gefragt", scherzte er später, "aber der wollte wohl nicht." Die Schlussphase wurde zu einem einzigen Belagerungszustand. Stoke drückte, flankte, schoss - und scheiterte immer wieder an Hammers-Keeper Liam Neil, der in der 90. Minute mit einer Flugparade gegen Julio Galva seine Glanzleistung krönte. "Ich hab kurz gedacht, der Ball sei durch", sagte Neil, "aber meine rechte Hand hatte andere Pläne." In der Nachspielzeit probierte es noch einmal Jake McGowan, doch der Ball rauschte knapp vorbei. Dann war Schluss - und das Stadion explodierte. Die Hammers hatten ihren Arbeitssieg, die Potters ihre Frustgesichter. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Trainer Hunder trocken. Neben ihm grinste Chatzi, der Torschütze zum 2:0: "Wir haben heute gezeigt, dass wir auch mit weniger Ballbesitz mehr Spaß haben können." Für Stoke bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz eben keine Währung ist, wenn man das Tor nicht trifft. "Wir haben uns selbst geschlagen, und der Innenverteidiger hat uns besiegt", murmelte Myschkin beim Abgang, während er sich noch das Eispack aufs Knie drückte - er hatte sich kurz vor Schluss verletzt und musste ausgewechselt werden. So endete ein Spiel, das alles hatte: Tore, Karten, Emotionen und englischen Humor auf dem Platz. Die West Hammers bleiben damit im Tabellenmittelfeld, aber mit wachsendem Selbstbewusstsein. Und Halkias? Der Held des Abends durfte seine zweite Gelbe Karte immerhin mit einem breiten Grinsen entgegennehmen. Am Ende blieb nur die Frage: Warum braucht man Stürmer, wenn man solche Innenverteidiger hat? 12.06.643993 23:10 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer