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Ein eiskalter Januarabend, Flutlicht über dem Emirates, 35.751 Zuschauer mit dampfenden Atemwolken - und auf dem Rasen ein Feuerwerk, das man sonst eher zu Silvester sieht. Die London Gunners haben am 6. Spieltag der 1. Liga England den tapferen, aber völlig überforderten Pompey FC mit 4:0 abgefertigt. Und das alles schon vor der Pause. Danach hätte man eigentlich den Platz sperren und den Rasen schonen können. Es begann harmlos, ja fast höflich. Ein paar Minuten Ballgeschiebe, hier und da ein vorsichtiger Blick beider Trainer: Boris Bach bei den Gunners, die Hände tief in der Manteltasche, und auf der anderen Seite ein zunehmend ratloser Gastcoach, der seine Spieler von der Seitenlinie anschrie, als könne Lautstärke den Klassenunterschied ausgleichen. Doch dann - zehnte Minute. Ein blitzsauberer Angriff der Gunners: Ejder Memis, der 35-jährige Mittelfeld-Dirigent, spielt einen Ball mit chirurgischer Präzision in den Lauf von Erik Mathiesen. Der Däne nimmt an, guckt kurz - und zimmert den Ball unter die Latte. 1:0. Kaum hatte das Stadion ausgejubelt, klingelte es wieder. Nur eine Minute später zieht der junge Roberto Beilin von links nach innen, täuscht an, täuscht nochmal - und schiebt eiskalt ein. 2:0 nach elf Minuten. "Ich hab einfach Spaß gehabt", grinste Beilin hinterher, als wäre das Ganze ein Trainingskick gewesen. Pompey taumelte, und zwar nicht metaphorisch. Der Ballbesitz war zwar nahezu ausgeglichen - 51 zu 49 Prozent -, aber wer die Kugel hat, muss auch wissen, was man damit macht. Die Gäste wussten es nicht. Drei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten, mehr war nicht drin. "Wir wollten sicher spielen", sagte ihr Trainer anschließend kleinlaut. "Das ist uns gelungen - nur leider zu sicher, fast ohne Risiko." Die Gunners hingegen spielten, als wollten sie das Torverhältnis für die nächsten drei Spieltage gleich mit erledigen. Harvey Mills, der erfahrene Mittelstürmer, durfte in der 36. Minute auch noch ran. Nach feinem Doppelpass mit Henri Callahan schlenzte er den Ball ins linke Eck - 3:0. Callahan lief jubelnd mit, als hätte er selbst getroffen, und rief seinem Sturmkollegen zu: "Na endlich hast du auch mal getroffen, Opa!" Mills lachte nur: "Ich bin 33, Henri - du bist 35. Wer hier Opa ist, müssen wir noch klären." Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurde’s dann endgültig grotesk. Linksverteidiger Max Broderick marschierte die Linie entlang, flankte butterweich, und erneut war es Mathiesen, der per Direktabnahme das 4:0 markierte. Der Jubel war ohrenbetäubend. Pompeys Torwart Jake Hathaway, erst 18 Jahre alt, klopfte resigniert den Pfosten ab, als wolle er sich entschuldigen. Die zweite Hälfte? Nun ja, sie fand statt. Mehr aber auch nicht. Die Gunners nahmen das Tempo raus, spielten Ballbesitz-Fußball und ließen die Gäste laufen. Trainer Boris Bach stand an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und grinste: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen freundlich bleiben. Wir wollen ja keine Beschwerden wegen Überstunden beim Torwart kriegen." Pompey versuchte es mit langen Bällen, aber gegen die sattelfeste Gunners-Abwehr um Ethan Roades war kein Durchkommen. Riley MacQueen, der blutjunge Linksverteidiger der Gäste, wagte in der 62. Minute immerhin einen beherzten Distanzschuss - der Ball ging über die Latte, aber das Publikum applaudierte fair. 19 Torschüsse für die Gunners, 3 für Pompey, Tacklingquote 57 zu 43 Prozent - Zahlen, die die Geschichte des Spiels nüchtern erzählen, wenn man sie denn noch nüchtern betrachten kann. Nach dem Schlusspfiff standen die Londoner Spieler Arm in Arm vor der Fankurve, während die Pompey-Profis sich wortlos in den Tunnel schlichen. "Wir haben heute gezeigt, dass Offensivgeist und Teamgeist keine Gegensätze sind", sagte Coach Bach später auf der Pressekonferenz. "Und dass man in 45 Minuten auch ein ganzes Spiel entscheiden kann." Ein Journalist fragte, ob er denn mit der zweiten Halbzeit zufrieden gewesen sei. Bach grinste. "Zufrieden? Ich hab sie kaum gesehen. Ich war schon gedanklich beim Tee." Ein Spiel, das Erinnerungen weckt an alte Glanzzeiten des Londoner Fußballs - und das zeigt, dass die Gunners wieder da sind, wo sie hingehören: ganz oben. Für Pompey dagegen bleibt nur die Erkenntnis, dass man manchmal alles richtig machen kann - außer Fußballspielen. Und so gingen die Lichter aus über dem Stadion, die Fans summten noch die Vereinshymne, und irgendwo im Presseraum seufzte ein Kollege: "Wenn’s so weitergeht, können wir die Spielberichte künftig schon zur Halbzeit abgeben." Ein schöner Gedanke - zumindest für alle, die es mit den Gunners halten. 28.03.643987 06:00 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler