L’Equipe
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Guingamp verschenkt späten Sieg: 1:1 gegen Cabris Niortais

Ein nasskalter Freitagabend in der Bretagne, Flutlicht, volle Ränge und eine Partie, die anfangs nach einem gemütlichen Pflichtsieg roch - und am Ende doch den Geruch von vertaner Chance hatte. 33.380 Zuschauer im Stade du Roudourou sahen beim 1:1 zwischen AC Guingamp und Cabris Niortais ein Spiel, das sich immer mehr zu einem Musterbeispiel für das alte Fußballgesetz entwickelte: Wer seine Chancen nicht nutzt, den bestraft der Fußballgott.

Guingamp begann mit jener typischen Selbstverständlichkeit, die man bekommt, wenn man in der 2. französischen Liga zu den Traditionsvereinen zählt. Trainer Berti Bertilsson hatte seine Elf gewohnt "balanciert" ausgerichtet - nicht zu offensiv, nicht zu defensiv, nicht zu aufregend. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte der Schwede später mit ruhiger Stimme, "und das ist uns in der ersten Halbzeit ganz gut gelungen."

Das passte auch zum Geschehen: Nach einem energischen Start der Gäste - Bernard Bonnaire prüfte Guingamps Keeper Rui Marques schon in der 9. Minute - übernahm die Heimmannschaft zunehmend das Kommando. Serge Bosse, der 19-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, sorgte für Betrieb und war es auch, der kurz vor der Pause die Vorlage zum 1:0 servierte. Vincent Jean-Pierre, eigentlich rechter Außenverteidiger, rauschte in der 43. Minute in den Strafraum, nahm Bosses Pass mit vollem Risiko - und traf trocken ins rechte Eck.

"Ich wollte eigentlich flanken", grinste Jean-Pierre nach dem Spiel, "aber wenn der Ball schon mal so schön liegt, warum nicht?" Bertilsson lachte nur: "Wenn alle meine Verteidiger so schießen könnten, hätten wir keine Stürmerprobleme."

Mit der Führung ging Guingamp in die Kabine - und vermutlich auch in eine etwas zu komfortable Gemütslage. Denn nach der Pause übernahm Niortais Schritt für Schritt das Kommando. Trainer Pierre-Alain Dubois hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab den Jungs gesagt, dass man Tore nur schießen kann, wenn man auch mal aufs Tor schießt", meinte er später trocken.

Und so kam es: Niortais erhöhte das Tempo, und besonders der junge Bernard Bonnaire wurde zum Schrecken der Guingamp-Abwehr. In der 59. Minute war es dann soweit: ein schneller Doppelpass mit dem erfahrenen Cesc Gelmirez, und Bonnaire schob den Ball eiskalt an Marques vorbei zum 1:1. Der Auswärtsblock tobte, Bonnaire riss die Arme in die Höhe, und Gelmirez grinste später: "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen - ich mach den Rest. Zum Glück hat er zugehört."

Danach entwickelte sich ein Spiel, das beide Seiten hätten gewinnen können. Guingamp hatte zwar mit 51,5 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber Niortais schoss deutlich öfter aufs Tor - 16 Mal, um genau zu sein. Bonnaire selbst probierte es gefühlt in jeder zweiten Szene. Guingamp dagegen wirkte nach dem Ausgleich etwas ratlos, und die 9 Torschüsse blieben meist harmlose Versuche.

In der 76. Minute setzte Leo Ramsay einen satten Distanzschuss nur knapp über die Latte, und kurz vor Schluss scheiterte wieder Jean-Pierre mit einem wuchtigen Versuch am glänzend reagierenden Gästetorwart Atabey Bikmaz. Der 21-Jährige war der stille Held des Abends: "Ich hab einfach versucht, groß zu wirken", sagte er schmunzelnd, "auch wenn ich nur 1,78 bin."

Guingamp sammelte in der Schlussphase noch zwei Gelbe Karten - Thierry Caron früh in der 7. Minute und Marcio de Gogorza in der 54. -, was das ohnehin zähe Aufbauspiel nicht gerade beflügelte. Als Schiedsrichter Marceau Leroux schließlich abpfiff, war in den Gesichtern der Heimfans eine Mischung aus Enttäuschung und Resignation zu sehen.

"Ein Punkt ist besser als keiner", murmelte Bertilsson, während Dubois auf der anderen Seite zufrieden grinste: "Wenn man in Guingamp einen Zähler holt, darf man ruhig mal lächeln."

So blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das keiner Seite wirklich weh tut, aber beide ein wenig ärgert. Guingamp bleibt im Niemandsland der Tabelle, Niortais schleicht sich still und effizient Richtung obere Hälfte. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein Fan zu seinem Nachbarn: "Wenn die so weiterspielen, brauchen wir bald keine Nägel mehr - wir haben ja schon alle abgekaut."

Ein gerechtes Remis also, mit leichtem Unterhaltungswert und einem Hauch Melancholie. Fußball, wie er eben manchmal ist: unberechenbar, unvollkommen - und trotzdem wunderschön.

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