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Ein kalter Januarabend, 25.143 Zuschauer, zwei Mannschaften mit dem festen Willen, die 2. Liga Frankreich ein bisschen heller, lauter und dramatischer zu gestalten. Am Ende war es der AC Guingamp, der gegen WA Lorient mit 2:1 triumphierte - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Rasen alles andere als nüchtern zustande kam. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier wollte keiner zimperlich zur Sache gehen. Bereits nach zehn Minuten zückte der Schiedsrichter Gelb für Guingamps jugendlichen Innenverteidiger Nael Bordalas, der offenbar noch nicht ganz verstanden hatte, dass man einen gegnerischen Stürmer nicht wie beim Rugby tackelt. "Ich war einfach zu spät dran", gab der 17-Jährige später kleinlaut zu. Trainer Berti Bertilsson grinste daneben und meinte trocken: "Wenn er so weitermacht, ist er bald Kapitän - oder gesperrt." Dann, in der 11. Minute, der erste große Aufschrei im Stade de Roudourou: Yves Lenentine, der quirlig-junge Flügelspieler, zieht an, flankt scharf in die Mitte, und Vitali Schalimow hämmert das Leder aus 18 Metern ins rechte Eck. 1:0 für Guingamp - und das Publikum war endgültig wach. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Schalimow später mit einem Schulterzucken. "Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht - das hat schon mein Vater gesagt." Lorient, von Trainer Silas Schwarz gewohnt offensiv eingestellt, ließ sich davon nicht beeindrucken. Christophe Robert prüfte den Torwart Van Vlierberghe gleich mehrfach, doch der belgische Keeper zeigte, warum man ihn in Guingamp liebevoll "die Katze" nennt. Einmal fischte er den Ball sogar mit der Hand aus der Luft, während er nach hinten fiel - Szenenapplaus inklusive. Kurz vor der Pause wurde es noch ruppig: Guingamps Thomas Boyer sah Gelb, Lorients Louis Blanchard tat es ihm wenige Minuten später gleich. Die Halbzeitstatistik sprach leicht für die Gäste - 55 Prozent Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Initiative -, aber Guingamp führte. Nach dem Seitenwechsel kamen die Lorientais bissig zurück. In der 59. Minute endlich die Belohnung: Valborg Bengtsson tankte sich durch den Strafraum, legte quer auf Brandon Duncan, der trocken einschob - 1:1. "Das war einstudiert", behauptete Duncan nach dem Spiel mit einem Grinsen. Bengtsson, daneben, schüttelte nur den Kopf: "Ich hab ihn gar nicht gesehen. Ich wollte eigentlich selber schießen." Doch Guingamp wäre nicht Guingamp, wenn sie sich in ihr Schicksal ergeben würden. Trainer Bertilsson reagierte - brachte in der 69. Minute Paul Scharboneau für den ausgelaugten Lenentine. Und was für ein Händchen das war: Nur fünf Minuten später flankte Scharboneau präzise auf Didier Besserer, der in Minute 74 volley zum 2:1 traf. Das Stadion explodierte. "Paul hat gesagt, er bringt die Flanke genau da hin, wo ich laufe", erzählte Besserer später lachend. "Ich hab ihm gesagt: Lauf du lieber dahin, wo du willst - ich mach das Tor." Lorient versuchte in der Schlussphase alles, kam noch zu mehreren Abschlüssen. Bengtsson, Blanchard, ja sogar Innenverteidiger Basinas tauchten im gegnerischen Strafraum auf. Doch Van Vlierberghe hielt seinen Kasten sauber. Die Gäste verließen das Feld sichtlich enttäuscht, während Guingamps Spieler jubelnd vor der Kurve tanzten. In den Zahlen sah das Spiel fast ausgeglichen aus: 15 Torschüsse für Guingamp, 12 für Lorient, 45 zu 55 Prozent Ballbesitz. Doch die Effektivität des Heimteams machte den Unterschied. "Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht gespielt", sagte Trainer Bertilsson mit einem zufriedenen Grinsen. "Manchmal gewinnt nicht der Schönere, sondern der Hartnäckigere." Silas Schwarz hingegen schüttelte nachdenklich den Kopf: "Wir waren die bessere Mannschaft - nur das Ergebnis wusste das leider nicht." Während die Flutlichter langsam erloschen und die Fans noch einmal ihre Helden feierten, blieb das Gefühl, ein klassisches Zweitligaspiel gesehen zu haben: intensiv, ungeschliffen, ehrlich. Guingamp klettert mit diesem Sieg weiter nach oben, während Lorient sich fragen muss, wie man so viel Ballbesitz in so wenig Zählbares ummünzen kann. Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll Vitali Schalimow seinem Trainer zugeprostet haben: "Chef, ich hab gesagt, wenn ich treffe, gewinnen wir." - Worauf Bertilsson nur trocken antwortete: "Dann triff bitte nächste Woche wieder." Ein Abend wie gemalt für Guingamp - und ein Lehrstück dafür, dass auf dem Papier gewonnene Spiele noch lange nicht auf dem Rasen entschieden sind. 06.03.643987 15:18 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
Otto Rehhagel über Querelen in der Führungsetage des FCK