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Manchmal sagt ein Ergebnis alles. Und manchmal sagt es noch nicht genug. Das 0:4 von Oriental Aucas gegen Grecia Chone am 17. Spieltag der 1. Liga Ecuador gehört eindeutig zur zweiten Kategorie: Es war die Art von Niederlage, bei der selbst der Rasen Mitleid bekommt. 36.000 Zuschauer hatten sich am Samstagabend im Stadion von Aucas eingefunden, um ein Fußballfest zu erleben. Bekommen haben sie eins - allerdings nur, wenn sie es mit den Gästen hielten. Grecia Chone spielte von der ersten Minute an so, als hätten sie noch einen Flieger nach Europa zu erwischen: schnell, zielstrebig, unbarmherzig. Schon nach 21 Minuten war klar, wohin die Reise gehen würde. Andreas Wenzel, der Mann mit der Stürmerseele und dem Lächeln eines Mathematiklehrers, netzte nach Vorarbeit von Pedro Galva zum 0:1 ein. "Ich dachte erst, der Ball sei zu weit - aber dann hat er mich einfach gefunden", grinste Wenzel später. 19 Minuten danach tat er, was Stürmer eben tun, die einen Lauf haben: Er schoss noch einen rein. 0:2 - und Aucas wankte. Während Grecia Chone mit offensiver Ausrichtung und chirurgischer Präzision kombinierte, wirkte Aucas’ "ausgewogenes" Konzept wie ein Diätplan ohne Dessert. Die Gastgeber kamen zu genau einem einzigen Torschuss - in Worten: einem. In der 62. Minute zog Stephane Barthez aus der Distanz ab, und der Ball flog immerhin ins richtige Stadion. Grecia Chone dagegen feuerte 21 Schüsse ab. "Was soll ich sagen? Wir haben versucht, mitzuspielen", murmelte ein sichtlich bedienter Aucas-Kapitän Raul Gurendez nach Abpfiff. "Aber die haben einfach auf jedem Quadratmeter mehr gewollt." Trainer Uwe Lamm, der Architekt des Gäste-Sieges, zeigte sich dagegen milde: "Ich bin zufrieden mit der Disziplin. Wir haben offensiv gespielt, aber nicht übertrieben. Und Andreas war heute einfach… nun ja, Andreas." Nach der Pause drehte Chone die Schraube weiter. Innenverteidiger Mattia Villa - ja, Innenverteidiger! - stieg nach einer Ecke von Wenzel in der 60. Minute höher als alle anderen und köpfte das 0:3. "Ich wusste gar nicht, dass ich so springen kann", scherzte Villa, als man ihn nach dem Spiel auf seinen Torjubel ansprach. Fünf Minuten später war es dann der unermüdliche Georg Kirchner, der den Schlusspunkt setzte. Nach einem butterweichen Pass von Dominique Mills schlenzte er den Ball ins lange Eck - ein Treffer, der so sauber war, dass man ihn einrahmen könnte. 0:4. Aucas wirkte in dieser Phase wie ein Boxer, der schon in der achten Runde keinen Schlagarm mehr hat. Die Defensive stand, nun ja, ungefähr so stabil wie ein Kartenhaus im Wind. Torwart Jakob Rausch rettete, was zu retten war, und bekam trotzdem vier Dinger eingeschenkt. "Ich hab schon schlimmere Tage gehabt - aber nicht viele", meinte er mit Galgenhumor. Dass der Ballbesitz mit 50 zu 50 Prozent fast ausgeglichen war, sagt einiges über die Statistik, aber wenig über das Spiel. Grecia Chone hatte das Spiel in jeder Hinsicht im Griff. Selbst die Gelben Karten - drei an der Zahl - wirkten eher wie höfliche Erinnerungen des Schiedsrichters, dass Fußball kein Hallentanz ist. Zwischendurch gab’s noch einen Schreckmoment: Rechtsverteidiger Nelio Jorge verletzte sich in der 62. Minute und musste durch Claude Diarra ersetzt werden. Trainer Lamm winkte ab: "Nichts Ernstes, der Kerl hat einfach zu viel Gas gegeben." Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Heimfans - wohl aus Anerkennung für eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Grecia Chone nahm die drei Punkte mit, Aucas blieb nur das Pfeifen des Windes über dem leeren Rasen. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein kleiner Junge gefragt haben: "Papa, warum haben die im Gelb gar nicht geschossen?" - "Weil sie höflich waren, mein Sohn", antwortete der Vater. So endete ein Abend, an dem nur eine Mannschaft Fußball spielte. Grecia Chone festigt mit diesem Sieg seinen Platz im oberen Tabellendrittel, während Oriental Aucas mit hängenden Köpfen in die nächste Trainingswoche geht. Vielleicht wird man dort das Schießen üben - oder einfach das Zuschauen perfektionieren. 02.08.643987 06:26 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic