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Ein kühler Märzabend, 43.500 Zuschauer im Estadio Gigante de Alberdi - und am Ende ein enttäuschter Gastgeber: CA Belgrano scheidet in der 2. Runde des Pokals mit 1:2 gegen Godoy Tomba aus. Es war ein Spiel, das lange auf Messers Schneide stand, mit Chancen auf beiden Seiten, jugendlichem Übermut und einem späten Tiefschlag. Schon in den ersten Minuten ließ Godoy Tomba keinen Zweifel daran, dass sie nicht zum Sightseeing gekommen waren. Nach vier Minuten prüfte Javier Antolin mit einem satten Flachschuss Torhüter Moutinho. "Ich wollte nur mal testen, ob er wach ist", grinste der Rechtsverteidiger später. Er war es - noch. Doch die Gäste blieben dran, Michel Rodriguez feuerte aus allen Lagen, und als Mateo Calvente in der 24. Minute einen Pass in die Schnittstelle spielte, war Rodriguez zur Stelle und traf zum 0:1. Ein technisch sauberer Abschluss, flach ins rechte Eck - und das Stadion verstummte für einen Moment. "Wir haben den Ball gut laufen lassen, aber im letzten Drittel waren wir zu brav", erklärte Belgrano-Coach John Lock, der mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand, als seine Mannschaft in der ersten Halbzeit kaum gefährlich wurde. Seine Jungs - der älteste auf dem Platz gerade mal 32, der jüngste 17 - wirkten engagiert, aber nervös. Elf Torschüsse sammelten sie am Ende, viele davon aus der Distanz, weil Godoy Tomba die Räume eng machte. Nach der Pause kam Belgrano mit frischem Mut und jugendlicher Unbekümmertheit zurück. Der 18-jährige Ricardo Velasco, schon in Halbzeit eins auffällig, schnappte sich in der 52. Minute einen Pass von Silvestre Teixeira und nagelte das Leder aus kurzer Distanz unter die Latte - 1:1! Der Jubel auf den Rängen war ohrenbetäubend. "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Velasco später. "Wenn du nachdenkst, ist der Ball schon weg." Das Spiel kippte nun hin und her. Belgrano hatte minimal mehr Ballbesitz (50,3 Prozent), Godoy Tomba aber den gefährlicheren Zug zum Tor. Coelho vergab in der 78. Minute freistehend, doch sechs Minuten später machte Dimas Gorritxategi es besser: Nach Flanke von Rodriguez zog der Linksaußen volley ab - 1:2. Ein Treffer, der so schön war, dass selbst einige Heimfans klatschten. "Das war Fußball in seiner reinsten Form", lobte Godoy-Trainer - der Name blieb im Protokoll seltsam unauffindbar, aber seine Gestik sprach Bände. Sein Team hatte sich den Sieg redlich verdient, auch wenn Belgrano bis zur letzten Minute anrannte. In der 94. Minute zirkelte Teixeira den Ball noch einmal aufs Tor, doch Keeper Arnau Rodriguez fischte ihn mit den Fingerspitzen aus dem Winkel. Die Statistik erzählte die Geschichte eines offenen Duells: 12 Schüsse für Godoy Tomba, 11 für Belgrano, fast gleiches Tackling-Niveau (50 zu 49 Prozent), kein überhartes Spiel - abgesehen von drei Gelben Karten, zwei für die Gäste, eine für Belgrano-Verteidiger Vicente Morais in der 87. Minute. "Ich hab den Ball gespielt", schwor Morais, während der Schiedsrichter ihm die Karte zeigte. Man glaubte es ihm - fast. Trainer Lock versuchte das Positive zu sehen: "Wir haben Charakter gezeigt, aber am Ende war’s die Erfahrung, die gefehlt hat." Sein Gegenüber grinste breit: "Wir haben’s mit Ruhe gemacht. Manchmal reicht das." Für Belgrano bleibt die Erkenntnis, dass Talent allein noch keine Pokalrunde gewinnt. Für Godoy Tomba dagegen geht’s weiter - und wer so effizient zuschlägt, darf ruhig vom Viertelfinale träumen. Als die Flutlichter erloschen und die Fans in die Nacht strömten, blieb das Gefühl, Zeuge eines Spiels gewesen zu sein, das in seiner Schlichtheit ehrlich war: kein Spektakel, keine Skandale, nur Fußball - und ein Lehrstück über Geduld. "Nächstes Jahr schlagen wir sie", rief ein junger Belgrano-Fan trotzig auf dem Weg zum Bus. Vielleicht tut er’s ja wirklich. Doch an diesem Freitag gehörte der Pokalabend ganz Godoy Tomba. 21.04.643994 17:25 |
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Mario Basler