// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
16.000 Zuschauer im Ibrox-Stadion rieben sich am Donnerstagabend verwundert die Augen. Erst jubelten sie über eine 2:1-Führung ihrer Glasgow Gers, dann durften sie zusehen, wie der FC Oberwallis die Partie in der zweiten Hälfte in ein 4:2-Spektakel für sich verwandelte. Ein Abend, der mit Dudelsack begann und mit pfeifenden Rängen endete. Die "Gers" starteten mit der gewohnten Gelassenheit eines Teams, das weiß, dass es zu Hause selten verliert. Sir Alex - der Mann, der vermutlich mit einem Stirnrunzeln mehr Spiele entschieden hat als mancher Trainer mit einem Taktikboard - ließ seine Elf in einer ausgewogenen Formation auflaufen. In den ersten Minuten passierte wenig, doch in der 24. Minute zündete der FC Oberwallis den ersten Knall: Felix Ritter zog nach Vorarbeit von Laurent Castel aus der zweiten Reihe ab - und der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Ritter später, "der Ball wollte wohl einfach ins Netz." Die Antwort kam prompt. Nur fünf Minuten später glich Brandon Marshal nach feinem Zuspiel von Logan Baird aus. Das Stadion tobte, die Fans sangen, als wäre schon alles entschieden. Und als Ernesto Mendilibar in der 35. Minute ebenfalls nach Vorlage von Baird das 2:1 erzielte, roch alles nach einem standesgemäßen Heimdreier. "Wir haben sie da, wo wir sie haben wollen", rief Sir Alex da noch an der Seitenlinie - ein Satz, der ihm bald leid tun sollte. Denn nach dem Pausentee kam Oberwallis wie verwandelt zurück. Trainer Snore Laken - der Name ist Programm, aber sein Team war hellwach - hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich hab ihnen nur gesagt, sie sollen spielen, als ob das ihre letzte Pizza wäre", erklärte er hinterher mit einem Grinsen. Was auch immer er meinte: Es wirkte. In der 52. Minute tankte sich Isaac Dennehy über rechts durch, bekam den Ball von Pedro Beto perfekt serviert und schob überlegt zum 2:2 ein. Nur neun Minuten später war es Daniel Etxebarria, der den Gers-Keeper Joao Machado alt aussehen ließ - 2:3! Der Gästeblock jubelte, als hätte man gerade den Mount Matterhorn versetzt. Glasgow versuchte daraufhin, wieder das Kommando zu übernehmen. Dragan Jovic hatte in der 63. und 65. Minute zwei gute Chancen, doch entweder stand Torwart Grigorios Christopoulos im Weg oder die Latte. "Das war wie Flipper spielen - nur dass der Ball nie da landete, wo er sollte", stöhnte Jovic nach Abpfiff. In der 70. Minute machte dann Kamil Wojciechowski mit einem sehenswerten Schuss aus spitzem Winkel alles klar. Dennehy, der zuvor schon getroffen hatte, war diesmal Vorbereiter. 2:4 - und plötzlich hörte man im Ibrox-Stadion nur noch das Rascheln der Programme. Selbst Sir Alex blieb ausnahmsweise still. Die letzten 20 Minuten waren ein Lehrstück in Geduld und Effizienz. Oberwallis spielte die Führung clever herunter, während die Gers eher mit der eigenen Fassung als mit dem Ballbesitz kämpften. Zwei Gelbe Karten für Gottskalksson (77.) und Baird (87.) zeugten mehr von Frust als von Kampfgeist. Statistisch gesehen war die Partie gar nicht so eindeutig: Glasgow hatte mit 52,6 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber Oberwallis feuerte zehn Schüsse aufs Tor ab - drei mehr als die Schotten. Und fast jeder saß. "Wir haben in der Pause einfach aufgehört, an uns zu glauben", gestand Logan Baird später kleinlaut. "Vielleicht dachten wir, das Ding sei durch. War’s aber nicht." Sein Trainer nickte nur trocken: "Wenn man denkt, man hat gewonnen, bevor der Schiri pfeift, hat man schon verloren." Snore Laken dagegen tanzte fast durch die Mixed Zone. "Ich bin stolz auf meine Jungs", sagte er, "wir haben gezeigt, dass man auch ohne großen Namen große Spiele gewinnen kann." Dann wandte er sich lachend an einen Reporter: "Und schreiben Sie bloß nicht, dass ich Snore heiße, weil ich langweilig bin!" So endet ein Abend, an dem die Glasgow Gers zeigten, wie man eine Führung aus der Hand gibt - und der FC Oberwallis, wie man mit Mut, Tempo und einem Schuss Alpenluft selbst im nebligen Glasgow für klare Sicht sorgt. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald die Dudelsäcke verkaufen, um neue Verteidiger zu kaufen." 27.10.643990 16:07 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic