Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Genf stürmt, Solothurn staunt: Ein 2:4 mit reichlich Feuerwerk

27 000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Solothurn bekamen an diesem kalten Januarabend alles, was man sich als neutraler Fußballfreund wünscht - Tempo, Tore und ein paar Szenen, bei denen selbst eingefleischte Taktikfüchse kurz die Stirn runzelten. Am Ende siegte der FC Genf hochverdient mit 4:2 gegen den SC Solothurn - und hätte bei 17 Torschüssen eigentlich noch höher gewinnen können.

Wer allerdings kurz nach dem Anpfiff noch am Wurststand stand, verpasste schon das erste Spektakel: In der 12. Minute netzte James Wiltshire nach uneigennützigem Zuspiel von Rene LaClaire zum 0:1 ein. Der englische Mittelstürmer grinste später: "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - aber das sage ich natürlich auch, wenn ich ihn aus 20 Metern in den Winkel haue." Das Publikum nahm’s mit gemischten Gefühlen, immerhin hatte Solothurn bis dahin kaum den Ball gesehen.

Sechs Minuten später folgte der nächste Stich ins Heimherz: Hugo Pauleta schlich sich an der linken Strafraumkante davon, Ioakim Goumas flankte butterweich - 0:2. Trainer Pascal Meyer vom FC Genf blieb trotzdem stoisch: "Wir spielen so, wie wir trainieren - offensiv, kurzpassig und ohne Pressing. Manchmal ist Nichtstun die beste Taktik."

Solothurns Coach, dessen Name an diesem Abend öfter mit hochrotem Kopf am Spielfeldrand stand, trieb seine Mannschaft in der Pause mit den Worten "Wir haben ja immerhin fast 51 Prozent Ballbesitz!" an. Was statistisch stimmte, aber auf der Anzeigetafel wenig half.

Nach dem Seitenwechsel versuchte der SC Solothurn tatsächlich, das Spiel zu drehen. Joseph Washington prüfte Genfs Keeper Marco Da Cru in der 46. Minute - noch ohne Erfolg. Doch in der 57. Minute durfte das Stadion endlich jubeln: Washington traf nach schöner Vorarbeit von Enrico Serra zum 1:3‑Zwischenstand. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil wir ja auch mal zeigen mussten, dass wir wissen, wo das Tor steht", lachte der US‑Angreifer später.

Leider blieb die Freude nur kurz. Denn James Wiltshire, an diesem Abend ganz der Mann mit dem goldenen Schuh, schnürte in der 67. Minute seinen Dreierpack - 1:4. Ein abgefälschter Schuss, ein bisschen Glück, aber viel Instinkt. "Wenn James so drauf ist, können wir eigentlich alle schon die Heimfahrt planen", raunte Mitspieler Pauleta augenzwinkernd.

Doch Solothurn gab sich nicht geschlagen. Nur zwei Minuten später schlug Matias Xavier zurück, nach feinem Zuspiel von Noe Bischoff. Sein Schuss aus gut 18 Metern zischte ins rechte Eck - 2:4, und plötzlich war wieder Leben auf den Rängen. Die Fans schrien, als könne man das Ergebnis herbeibrüllen. "Da dachte ich kurz, vielleicht kippt’s doch noch", gestand Genfs Innenverteidiger Enrique Delgado später.

Es blieb beim Versuch. Zwar hatte Solothurn in der Schlussphase noch Chancen - Xavier und der flügelflinke Javier Pelegrin zwangen Da Cru zu Glanzparaden - doch die Effizienz lag klar bei den Gästen. Genf schloss 17‑mal ab, Solothurn nur sechsmal, und die Zweikampfquote von 55 Prozent für die Westschweizer sprach ebenfalls eine deutliche Sprache.

Neben den Toren sorgten zwei Gelbe Karten für Solothurn (Jerome Döring in der 29. und Karolos Kalitzakis in der 52. Minute) für zusätzliche Farbkleckse im Spielbericht. "Wir wollten Zeichen setzen", meinte Döring trocken, "leider hat der Schiri das auch so verstanden."

Während die Genfer Spieler nach Abpfiff zu ihren mitgereisten Fans tanzten, stand Pascal Meyer mit verschränkten Armen da, sichtlich zufrieden. "Offensiv, kontrolliert, diszipliniert - fast so, wie wir’s auf dem Whiteboard malen", sagte er, bevor er verschmitzt hinzufügte: "Nur dass die Jungs das Whiteboard wohl nie ansehen."

Solothurns Kapitän Max Voss, mit 19 Jahren der Jüngste auf dem Platz, fasste die Niederlage erstaunlich reif zusammen: "Wir haben uns nach dem 0:2 nicht versteckt. Aber gegen diese Genfer Bälle in die Tiefe sahen wir manchmal aus wie bei einem FIFA‑Spiel auf schwer."

Am Ende blieb den Heimfans immerhin die Gewissheit, dass ihr Team nie aufgab - und zwei schöne Treffer erzielte. Für die Tabelle aber zählt das nüchterne 2:4. Genf bleibt damit ungeschlagen und mischt ganz oben mit, während Solothurn sich wohl fragen muss, ob ausgewogenes Spiel auch ohne Biss reicht.

Und als die Flutlichtmasten erloschen, rief ein älterer Fan mit Schal und Bierbecher Richtung Platz: "Jungs, das war doch gar nicht so schlecht!" - worauf sein Nachbar trocken entgegnete: "Stimmt. Nur das Ergebnis halt."

So klingt Fußballromantik zwischen Statistik und Selbstironie.

05.03.643987 16:25
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
Stefan Effenberg auf die Frage nach Verstärkungen beim FC Bayern
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager