Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Genclerbirligi zerlegt Trabsonspor - ein Abend voller Spielfreude und Spott

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, bei denen man sich fragt, ob der Gegner überhaupt erschienen ist. Beim 4:0 von Genclerbirligi gegen Trabsonspor am 10. Spieltag der 1. Liga Türkei war das genau so ein Fall. 31.377 Zuschauer erlebten ein Heimteam, das spielte, als hätte es die Winterpause schon hinter sich - und Gäste, die wohl noch beim Einlaufen ihre Orientierung suchten.

Bereits in der sechsten Minute klingelte es im Kasten von Trabsonspor. Javier Helguera, der quirlige Rechtsaußen, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Taylor MacQuarrie in den linken Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Helguera später und fügte hinzu: "Aber wenn’s schön aussieht, sag ich natürlich, es war Absicht." Trainer Abdullah Avci hob nur die Augenbraue - das tat er übrigens häufiger an diesem Abend.

Trabsonspor wirkte dagegen wie ein Team, das vergessen hatte, den Wecker zu stellen. Kaum Zugriff, kein Pressing, kaum Ideen. Während Genclerbirligi mit 54 Prozent Ballbesitz das Tempo bestimmte, kamen die Gäste in der ersten halben Stunde auf ganze zwei Torschüsse. Einen davon könnte man auch als Rückpass bezeichnen, wenn man großzügig ist.

In der 22. Minute legte Barend Van Vleck nach. Nach einem präzisen Pass von Anil Kas schob der Niederländer mit der Coolness eines Uhrmachers ein. 2:0 - und die Fans auf den Rängen sangen bereits Lieder, die man sonst erst nach Spielende hört. "Wir wollten eigentlich defensiv stabil stehen", murmelte Trabsonspor-Coach Oguzhan Yilmaz später. "Das hat dann ungefähr fünf Minuten gehalten."

Kurz darauf gab’s die einzige Schrecksekunde für die Gastgeber: Linksverteidiger Timm Fricke verletzte sich in der 18. Minute nach einem unglücklichen Zweikampf und musste raus. Freddie Graysmark kam und machte seine Sache ordentlich - was in diesem Spiel allerdings keine Herkulesaufgabe war.

Nach der Pause ging das muntere Scheibenschießen weiter. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf Julian Martins in der 46. Minute zum 3:0. Der Rechtsaußen profitierte von einer Vorlage des umtriebigen Hadis Tanman, der zuvor zwei Gegenspieler aussteigen ließ, als hätte er sie auf Rollschuhe gestellt. "Ich hab den Ball gespürt, nicht gesehen", scherzte Martins nach der Partie.

Trabsonspor hingegen blieb auch weiterhin erstaunlich zurückhaltend. Kein Pressing, keine Aggressivität, kein Plan. Vielleicht war das die neue Minimalismus-Philosophie des Teams - Ballbesitz ist überbewertet, Angriff sowieso. Nur drei Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikzettel. "Wir wollten sicher spielen", erklärte Yilmaz, "aber sicher hat heute nur der Gegner gespielt."

In der 70. Minute setzte erneut Julian Martins den Schlusspunkt. Ein trockener Schuss aus 16 Metern, diesmal ohne Assist, aber mit maximaler Entschlossenheit. 4:0 - und der Rest war Schaulaufen. Avci nutzte die Schlussphase, um seine Ersatzbank aufzuwärmen, während die Fans "Olé"-Wellen durch das Stadion schickten.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 15 Torschüsse für Genclerbirligi, 3 für Trabsonspor. 55,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für das Heimteam - was man unschwer glauben konnte, wenn man sah, wie oft die Gäste schon beim Versuch eines Tacklings ins Leere liefen. Einziger Farbtupfer auf Trabsonspors Seite war die Gelbe Karte für Juriaan Van Vechten in der 72. Minute - eine Art Erinnerung daran, dass man auch körperlich spielen darf.

Nach Abpfiff sprach Avci von "einem Spiel, das Spaß gemacht hat, weil wir unseren Plan konsequent durchgezogen haben". Helguera ergänzte mit einem Grinsen: "Wenn’s läuft, läuft’s. Vielleicht sollten wir immer gegen Trabsonspor spielen."

Yilmaz dagegen suchte Trost in der Philosophie: "Ein 0:4 ist auch eine Art Ergebnis." Er lächelte dabei tapfer, als wolle er sagen: Hauptsache, die Busfahrt nach Hause dauert nicht zu lange.

So endete ein Abend, an dem Genclerbirligi wie ein Titelanwärter aussah - und Trabsonspor wie ein Team, das lieber Tischtennis spielen sollte. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Und Avci? Der schob die Hände in die Taschen, blickte auf die Anzeigetafel und murmelte: "Ganz ordentlich für einen Januarabend."

Fazit: Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - zumindest für die Gastgeber. Für Trabsonspor wohl eher ein Abend zum Vergessen, aber immerhin: Die Busse fahren auch nach 0:4 noch pünktlich.

03.05.643987 08:27
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