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Genclerbirligi ringt die Reds nieder - 2:1 im Hexenkessel von Ankara

Es war einer dieser Abende, an denen sich Fußballromantik und Chaos zu einem würzigen Eintopf vermengen. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Ankara-Stadion sahen ein Rückspiel, das in puncto Nervenkitzel kaum Wünsche offenließ - zumindest, wenn man kein Liverpool-Fan war. Am Ende jubelte Genclerbirligi über einen 2:1-Sieg gegen die Liverpool Reds - und Trainer Abdullah Avci grinste, als hätte er gerade eine Wette gegen das Schicksal gewonnen.

Dabei hatte alles nach einem englischen Lehrbuchstart ausgesehen. Bereits in der 5. Minute drückte Liverpool-Stürmer Sergio Arrondo einen butterweichen Pass von James Badham über die Linie - 0:1. "Wir wollten früh zeigen, dass wir nicht nur wegen der Hymne angereist sind", sagte Arrondo später. Tatsächlich wirkte Genclerbirligi in den ersten Minuten, als hätten sie sich noch nicht ganz vom Mannschaftsabend zuvor erholt.

Doch die Antwort kam schnell und mit Nachdruck. Nur fünf Minuten später flankte Timm Fricke von links, und Javier Helguera, der bullige Rechtsaußen, drosch den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. 1:1 - und das Stadion vibrierte. "Da wusste ich, das wird heute kein Spaziergang", murmelte Liverpool-Trainer Heiner Schneider später, während er seinen Notizblock zerknüllte.

Die Türken bekamen nun Oberwasser. Während Liverpool auf Konter lauerte, ließ Genclerbirligi den Ball laufen, als hätten sie ihn erfunden. 59 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - die Zahlen sprechen eine klare Sprache. In der 20. Minute dann der nächste Paukenschlag: Innenverteidiger Jamie Marchand stieg nach einer Ecke von Hadis Tanman am höchsten und köpfte zum 2:1 ein. Ein Abwehrspieler als Torschütze - Avci feierte es, als hätte er selbst getroffen. "Jamie hat das Ding gefressen", lachte der Coach später, "ich wusste gar nicht, dass er so springen kann."

Liverpool wirkte fortan verunsichert. Ihre offensive Ausrichtung blieb zwar bestehen, doch viele Aktionen endeten in den Beinen der türkischen Defensive oder in den Armen von Keeper Jacques Zimmer, der einen Sahnetag erwischte. In der 35. Minute wurde es kurz dramatisch, als Genclerbirligis Julian Martins nach einem Foul liegen blieb und wenig später mit schmerzverzerrtem Gesicht ausgewechselt werden musste. "Ich habe seinen Schrei bis auf die Pressetribüne gehört", flüsterte ein Kollege - möglicherweise übertreibend, aber im Eifer des Gefechts darf man das.

Liverpool-Coach Schneider reagierte mit einem Doppeltausch in der 59. Minute: Lewis Valentine und Ashton Hoskins kamen, um frischen Wind zu bringen. Später folgte Josef Lundqvist für den blassen James Mayhew. Doch statt eines Sturmlaufs kam nur ein laues Lüftchen. "Wir haben gedrückt, aber irgendwie war der Ball allergisch gegen das Tor", erklärte Mittelfeldmann John Millington mit einem müden Lächeln.

Genclerbirligi dagegen verteidigte clever, ruhig, fast stoisch. Kein wildes Pressing, keine Hektik - einfach solides Positionsspiel, wie es Avci mag. "Wir haben unser Herz benutzt, nicht unsere Beine", sagte der Coach mit einem Augenzwinkern. Im Publikum stimmten einige Fans schon zwanzig Minuten vor Schluss Siegesgesänge an, während Avci an der Seitenlinie unermüdlich seine Spieler dirigierte - und gelegentlich in Richtung Schiedsrichter fuchtelte, wenn dieser anderer Meinung war.

Liverpool bäumte sich in den letzten Minuten noch einmal auf. In der 83. und 87. Minute versuchte es Lundqvist zweimal aus der Distanz, doch Zimmer parierte beide Male glänzend. "Der Ball hat gebrüllt, aber Zimmer hat lauter gebrüllt", kommentierte ein türkischer Radioreporter euphorisch. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen sich die Gencler-Spieler in die Arme, während Schneider mit stoischem Gesichtsausdruck das Spielfeld verließ - vielleicht dachte er schon an den Rückflug und den unvermeidlichen britischen Pressespießrutenlauf.

Statistisch gesehen war der Sieg kein Zufall: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, etwas bessere Zweikampfquote - und vor allem mehr Leidenschaft. Liverpool spielte zwar "offensiv", aber oft auch "offensiv ratlos".

"Manchmal gewinnt nicht der Schnellste, sondern der Cleverste", meinte Helguera, der Torschütze zum 1:1, nach dem Spiel, während er sich eine Eiskompresse auf die Wade legte. "Und heute waren wir einfach ein bisschen cleverer."

Im Presseraum knallte Avci schließlich eine Cola auf, grinste breit und sagte: "Champions League? Wir sind noch nicht durch, aber heute war’s ein Statement. Und ein schönes dazu."

Ein Statement - ja. Eins mit Ausrufezeichen. Und während draußen die Fans noch immer sangen, sah man über dem Stadion von Ankara ein Feuerwerk, das vermutlich noch in Liverpool zu hören war.

(Artikel: ca. 620 Wörter)

17.09.643987 08:30
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