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Gelb-Schwarz verliert den Faden - und Aarau lacht zuletzt

Ein kalter Januarabend in Bern, Flutlicht, 40.978 Zuschauer - und ein Heimteam, das sich anfangs wärmte, indem es den Ball einfach nicht mehr hergab. 58 Prozent Ballbesitz, Passstafetten wie aus dem Lehrbuch, doch am Ende stand auf der Anzeigetafel ein nüchternes 1:2 gegen den SC Aarau. "Wir hatten das Spiel im Griff - bis Aarau beschlossen hat, mitzuspielen", brummte Berner Trainer Bjarne Berntsen nach dem Abpfiff.

Dabei fing alles mit einem Paukenschlag an - allerdings auf der falschen Seite. In der 16. Minute nutzte Aaraus Flügelflitzer Andreas Pfeiffer eine Lücke in der Berner Defensive, die man sonst nur im Sommerloch der Boulevardpresse findet. Nach feinem Doppelpass mit Thomas Herzog schob Pfeiffer den Ball überlegt an Keeper Olivier Celine vorbei. 0:1 - und Aarau jubelte, als hätte man gerade die Champions League gewonnen.

Bern antwortete mit Wut im Bauch, aber ohne Wucht im Abschluss. Claude Buffett prüfte Aaraus Torwart Rikki Sleeper in der 34. Minute, Walther Merz scheiterte kurz darauf am Außennetz. Spätestens als Maurice Blanchet in der 45. Minute eine Flanke volley in den Abendhimmel drosch, raunte ein Fan auf der Haupttribüne: "Vielleicht sollten wir mal aufs Tor schießen?"

Nach der Pause dasselbe Bild: Bern ließ den Ball laufen, Aarau ließ Bern laufen - und lauerte. Hans Meyer, der legendäre Aargauer Pragmatiker auf der Gäste-Bank, grinste später süffisant: "Wir haben gewusst, dass sie den Ball lieben. Wir haben ihn ihnen gelassen."

Doch dann, in der 70. Minute, schien sich das Spiel zu drehen. Maurice Blanchet, eben jener, der in Halbzeit eins noch den Mars-Orbit anvisiert hatte, traf nach Vorarbeit von Louis Otto endlich ins Schwarze. Das Stadion explodierte, Trainer Berntsen ballte die Faust - und Aarau wirkte kurz geschockt. "Ich dachte, jetzt kippt das", gab Aarau-Kapitän Thomas Herzog zu.

Aber Fußball hat seine eigene Ironie. Sechs Minuten nach dem Ausgleich konterte Aarau mustergültig. Wieder war es Herzog, der mit einem Pass in die Tiefe Tom Scholz fand. Der Routinier blieb eiskalt und versenkte den Ball zum 1:2 - und plötzlich war das Stadion still wie nach einem Stromausfall.

Berntsen reagierte mit hektischem Gestikulieren, als wolle er mit den Händen den Ball ins Tor drücken. Doch statt Ideen kamen nur noch harmlose Flanken. Aarau wechselte clever: Der 19-jährige Ronald Sturm kam für Jean-Pierre Westphal, brachte frische Beine und, wie Meyer später lobte, "eine Portion jugendliche Unbekümmertheit, die man nicht coachen kann".

Bern warf in den letzten Minuten alles nach vorn - sogar Innenverteidiger Daniel Moll versuchte sich in der 88. Minute aus 20 Metern. Der Ball flog immerhin Richtung Tor, aber Sleeper pflückte ihn mit der Gelassenheit eines Mannes, der lieber Tee trinkt, als sich aufzuregen.

Statistisch gesehen war Bern besser: mehr Ballbesitz, mehr Pässe, zehn Torschüsse gegenüber zwölf der Aarauer. Aber die Effizienz lag klar bei den Gästen. Aarau spielte offensiv, aggressiv, ja fast trotzig. Bern blieb brav - und wurde dafür bestraft. "Wir wollten sicher spielen", erklärte Berntsen nachdenklich. "Vielleicht waren wir zu sicher."

Andreas Pfeiffer, Torschütze des ersten Treffers, grinste nach dem Spiel in die Kameras: "Manchmal reicht es, wenn man weniger läuft, aber richtig." Ein Satz, der die Partie perfekt zusammenfasst. Denn während Bern rannte, schoss Aarau Tore.

Zum Schluss brachte ein Fan es auf den Punkt: "Bern hat schön gespielt - Aarau hat gewonnen." Und manchmal ist Fußball eben so einfach.

Ob Berntsen das ähnlich sieht, bleibt offen. Auf die Frage, ob er taktisch etwas ändern werde, antwortete er mit einem müden Lächeln: "Vielleicht fangen wir nächste Woche einfach mal mit einem Tor an."

Ein sarkastischer Satz, der dennoch Hoffnung birgt. Denn eines ist klar: Wenn Gelb-Schwarz Bern es schafft, aus Schönheit auch Zählbares zu machen, müssen sich die Gegner warm anziehen. Bis dahin aber darf Aarau den Winterabend genießen - mit drei Punkten im Gepäck und einem Lächeln, das man in Bern so schnell nicht vergessen wird.

26.05.643987 10:47
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Erich Ribbeck
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