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Was macht man an einem frostigen Januarabend in Ordu? Die einen trinken Tee, die anderen gehen ins Stadion - und werden Zeugen eines Fußballspiels, das eher an eine Lehrstunde erinnerte. 10.000 Zuschauer kamen zum 13. Spieltag der 1. Liga Türkei, um Ordunspor zu sehen. Sie gingen mit gesenktem Kopf, denn Gäste-Trainer Burak Yilmaz und sein Gaziantep-Team nahmen drei Punkte mit - und das mit einem deutlichen 4:0. Dabei begann alles gar nicht so einseitig. Die Statistik weist 50,4 Prozent Ballbesitz für Ordunspor aus, also fast Gleichstand. Doch Ballbesitz bringt keine Tore, wie es so schön heißt - und Gaziantep bewies, dass Effizienz eine ganz eigene Kunst ist. 15 Torschüsse der Gäste, vier Tore. Vier Torschüsse der Hausherren, null Treffer. So einfach kann Fußball manchmal sein. Schon nach einer knappen halben Stunde zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde. Gaziantep drängte, kombinierte schnell, während Ordunspor defensiv "balanciert" agierte - was auf dem Papier ordentlich klingt, in der Praxis aber bedeutete: man ließ sich behäbig zurückfallen. In der 38. Minute brach dann der Bann. Nach einer schönen Flanke von Onat Kirintili stand Lennard Geissler goldrichtig und köpfte zum 0:1 ein. Ein Tor aus dem Lehrbuch. Geissler grinste später: "Ich habe nur gehofft, dass er mich sieht - und er hat mich gesehen. Der Rest war einfach." Ordunspors Trainer - dessen Name an diesem Abend lieber ungenannt bleibt - schien in der Pause noch zu hoffen, seine Elf könne das Ruder herumreißen. Aber kaum hatte der zweite Durchgang begonnen, schlug Gaziantep wieder zu. Außenverteidiger Walter Berg, 22 Jahre jung und offenbar mit Offensivdrang, zog in der 51. Minute einfach mal ab - nach Vorarbeit von Alex Garcia - und traf mit einem strammen Schuss ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Berg nach dem Spiel lachend zu. "Aber wenn’s reingeht, war’s natürlich Absicht." Danach war Ordunspor endgültig geschlagen. Zwar mühte sich Rechtsaußen Berat Karan redlich, schoss in der 53. und 90. Minute aufs Tor, doch Gästekeeper Tyler Hannigan musste kaum eingreifen. Gaziantep kontrollierte die Partie mit einer Ruhe, die fast provozierend wirkte. Berndt Beier diktierte das Mittelfeld, David Ronaldo wirbelte auf links, und Trainer Yilmaz stand mit verschränkten Armen an der Linie - zufrieden, aber nicht euphorisch. "Wir haben unser Spiel gespielt", meinte er hinterher nüchtern. "Das Ergebnis ist schön, aber wichtiger ist, dass wir ruhig geblieben sind." In der 87. Minute fiel das 0:3 - erneut nach einer Kombination über Alex Garcia, der Antonio Andrade mustergültig bediente. Der zog ab, keine Chance für Keeper Sami Kocaoglu. Und als die Nachspielzeit lief, durfte auch noch Innenverteidiger Hanson Van Dyck jubeln. Nach einer Ecke von David Ronaldo stocherte er den Ball über die Linie - 0:4. Der Jubel der Gäste fiel fast schon höflich aus. Ordunspor dagegen wirkte ratlos. "Wir haben eigentlich gut angefangen", meinte Mittelfeldmann Carl Alves, der in der 70. Minute Gelb sah. "Aber nach dem 0:2 war irgendwie die Luft raus." Trainer Yilmaz’ Gegenüber seufzte in der Pressekonferenz: "Wir sind im Aufbau zu langsam, im Abschluss zu zaghaft und im Rückwärtsgang zu höflich." Das Publikum quittierte die Vorstellung mit höflichem Applaus - vermutlich mehr für das Durchhaltevermögen der eigenen Nerven als für die Leistung der Mannschaft. Einige riefen nach dem Schlusspfiff "Wir wollen kämpfen sehen!", andere gingen einfach schweigend. Gaziantep präsentierte sich dagegen wie ein Team, das genau wusste, was es wollte: offensiv, zielstrebig, kontrolliert. In der Taktiktafel steht "Offensive Ausrichtung" - und die sah man in jeder Minute. Die Spieler liefen, passten, pressten im richtigen Moment, und wenn sie schossen, dann mit Überzeugung. Fazit: Ein lehrreiches Spiel für Ordunspor, ein Statement für Gaziantep. Vier verschiedene Torschützen, keine übertriebene Härte (nur je eine Gelbe Karte pro Seite) und ein klares Signal in Richtung Liga-Spitze. Wer so spielt, kann oben mitmischen. Oder, um es mit Gazianteps Abwehrchef Van Dyck zu sagen: "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als nur verteidigen. Heute hat’s geklappt." Und Ordunspor? Die werden wohl noch ein paar Nächte brauchen, um dieses 0:4 zu verdauen. Vielleicht hilft der Gedanke, dass Fußball manchmal eben grausam ehrlich ist - und dass selbst ein ausgeglichener Ballbesitz nicht über eine klare Niederlage hinwegtäuschen kann. 17.06.643987 02:45 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic