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Ein kühler Januarabend, 20:30 Uhr in Koyna. 12.500 Zuschauer haben sich im Stadion eingefunden, um zu sehen, ob ihre Mannschaft Koynaspor gegen das große Gatalasaraj bestehen kann. Nach 90 Minuten und einem ernüchternden 0:2 (0:1) ist die Antwort klar: Nein, nicht heute. Die Gäste aus Istanbul spielten so abgeklärt, dass selbst der Stadionsprecher in der 70. Minute nur noch routiniert "Ecke für Gatalasaraj" murmelte. Schon nach neun Minuten wurde es laut - allerdings nicht vor Freude im Heimbereich. Pascal Schramm, der 20-jährige Mittelstürmer mit der Ruhe eines Schachspielers, schob einen perfekt getimten Pass von Eustatius Van Cortlandt überlegt ins Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Koynaspor-Keeper Okan Aykut später, "aber dann grinste mich der Schramm an - und da wusste ich, es ist passiert." Koynaspor versuchte zu antworten, vor allem über die rechte Seite, wo Doruk Cetin zweimal mutig abzog (15. und 23. Minute). Doch Gatalasaraj-Keeper Diego Carvalho hatte einen dieser Tage, an denen er vermutlich selbst eine Kanonenkugel gefangen hätte. "Ich habe seine Reflexe gesehen und beschlossen, lieber auf Sicherheit zu spielen", meinte Koynaspor-Stürmer Tunca Mansiz trocken. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 49 Prozent Ballbesitz für Koynaspor, 51 für Gatalasaraj. Aber wer hinsah, wusste: Der Unterschied lag im Timing. Die Gäste kombinierten flüssig, ließen den Ball laufen, während Koynaspor immer wieder in den eigenen Ansätzen hängen blieb. 12:5 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Trainer Carlo Colucci von Gatalasaraj stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Manteltaschen, und sah aus, als würde er eine Symphonie dirigieren. Seine Mannschaft spielte "offensiv, aber clever", wie er nach dem Spiel betonte. "Wir wollten Druck machen, ohne die Balance zu verlieren. Und ehrlich gesagt - das haben die Jungs perfekt gemacht." Die Gastgeber hingegen wirkten bemüht, aber glücklos. Trainername? Fehlanzeige in den offiziellen Listen - vielleicht wollte er nach diesem Abend lieber anonym bleiben. Zwei Gelbe Karten (Cetin 65., Korkut 75.) passten ins Bild: Frust statt Finesse. "Ich hab’ nur den Ball gespielt", verteidigte sich Korkut nach seiner Verwarnung, während der Schiedsrichter noch in sein Notizbuch schrieb. Für kurze Aufregung sorgte in der 21. Minute die Szene um Alfred Samuelsson, der für Gatalasaraj eingewechselt worden war - und sich kurz darauf verletzte. Pechvogel des Abends, aber immerhin sympathisch. "Ich wollte nur zeigen, dass ich laufen kann", grinste er später mit Eisbeutel auf dem Knie. Das Spiel plätscherte dann eine Weile, bis in der 90. Minute Yunus Özalan kam, sah und traf. Nach einem langen Ball von Bruno Zabaleta nahm er den Ball direkt - und versenkte ihn eiskalt. Die halbe Gästebank stürmte das Feld. "Ich hab’ einfach gespürt, dass das Ding sitzen muss", sagte Özalan, während Colucci ihm auf die Schulter klopfte. Koynaspor gab sich nicht auf, das muss man ihnen lassen. Tunca Mansiz prüfte Carvalho noch einmal in der 62. Minute, Menderes Korkut schoss in der 73. Minute aus der zweiten Reihe - der Ball flog Richtung Parkplatz. Die Fans nahmen’s mit Galgenhumor: "Vielleicht trifft er wenigstens das nächste Heimspiel", raunte einer auf der Tribüne. Am Ende blieb es beim 0:2. Die Zahlen stimmen, aber sie erzählen nicht alles: Gatalasaraj wirkte reifer, strukturierter, schlicht eine Klasse besser. Koynaspor kämpfte, doch im entscheidenden Moment fehlte die Präzision. "Wir haben heute Lehrgeld bezahlt", fasste Kapitän Kenan Erdem zusammen. "Aber wenigstens wissen wir jetzt, wo die Messlatte hängt - irgendwo da oben, bei Schramm und Özalan." Carlo Colucci nahm den Sieg gelassen: "Drei Punkte, zwei Tore, null Gegentor - das ist Mathematik, die ich mag." Und während die letzten Fans fröstelnd das Stadion verließen, blieb das Gefühl zurück, dass hier ein Team gewonnen hatte, das wusste, was es wollte - und eines verloren, das es noch herausfinden muss. Vielleicht war es also gar kein bitterer Abend für Koynaspor, sondern ein lehrreicher. Nur: Punkt gibt’s dafür keinen. 06.03.643987 12:55 |
Sprücheklopfer
Wenn ein Tor fällt, können noch mehr fallen. Aber es muss erst mal eins fallen.
Erich Ribbeck