Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Gatalasaraj tanzt Elasigspor aus - ein 3:0 der jungen Wilden

33204 Zuschauer im Türk Telekom Stadion sahen an diesem frostigen Januarabend einen Fußballabend wie aus dem Lehrbuch - zumindest aus einem, das Trainer Carlo Colucci selbst geschrieben haben könnte. Mit jugendlichem Elan, taktischer Disziplin und einer Prise Unverschämtheit fegte Gatalasaraj die Gäste von Elasigspor mit 3:0 vom Platz. Und das, obwohl der Ballbesitz mit 50,1 zu 49,9 Prozent beinahe gleich verteilt war. Doch es gibt eben Ballbesitz - und Ballbesitz mit Sinn.

Schon nach zwei Minuten ließ der 18-jährige Karoly Nyers den ersten Warnschuss los, als wolle er dem Gegner mitteilen: "Heute wird geschossen, bis ihr euch in die Kabine zurücksehnt." Das war kein leeres Versprechen. Insgesamt 24 Mal feuerten die Hausherren auf das Tor von Elasigspor-Keeper Gerard Berthier, der sich zwischenzeitlich wie ein einsamer Leuchtturm im Sturm der jugendlichen Angriffswellen fühlen musste.

Elasigspor versuchte es dagegen mit kontrolliertem Aufbau, blieb aber harmlos. Thorsten Gade, der auffälligste Mann der Gäste, prüfte Gatalasarajs Torhüter Taylan Altintop immerhin zweimal - und kassierte später eine Gelbe Karte (76.), weil er offenbar auch mal "ein Zeichen setzen" wollte. "Wir wollten ruhig bleiben, aber irgendwann brennt’s halt durch", erklärte Gade nach dem Spiel mit einem Schulterzucken.

Das Spiel nahm Fahrt auf, als Gatalasaraj in der 38. Minute endlich belohnt wurde. Rauf Tanman, ebenfalls erst 18, flankte präzise in den Rückraum, wo Orkut Kabze lauerte. Der 26-jährige Mittelfeldmotor nahm den Ball direkt - zack, 1:0. Berthier streckte sich vergeblich und klatschte danach frustriert in die Handschuhe. "Das war der Moment, wo wir das Zepter übernommen haben", grinste Kabze später. "Rauf hat den Ball so butterweich serviert, ich musste ihn nur noch essen."

Nach der Pause ging’s nahtlos weiter. Kaum waren die Fans von der Halbzeit-Teepause zurück, klingelte es erneut. In der 49. Minute legte Linksverteidiger Ezequiel Pacos den Ball scharf in den Strafraum, wo Nyers lauerte - 18 Jahre jung, aber eiskalt. Mit einem trockenen Flachschuss in die lange Ecke erhöhte er auf 2:0. "Ezequiel hat mir zugezwinkert, da wusste ich, der Ball kommt", scherzte Nyers nach Abpfiff, noch mit Rasenstücken im Haar.

Elasigspor wirkte nun wie ein Boxer, der schon mehr Schläge kassiert hat, als er zählen kann. Zwei Gelbe Karten, kaum Entlastung, und ein Pressing, das eher an höfliches Begleiten erinnerte. Trainer Colucci stand derweil an der Seitenlinie, elegant wie immer, und notierte in sein Lederheft: "Mehr Flügelspiel", wie er später verriet. "Aber ehrlich, die Jungs haben das selbst geregelt."

In der 59. Minute machte Kabze endgültig den Deckel drauf. Wieder war Pacos der Vorlagengeber - ein Muster, das Elasigspors Abwehr einfach nicht durchschaut bekam. Kabze nahm Maß, schob überlegt ein - 3:0. Da war das Spiel entschieden, die Fans sangen, und Colucci klatschte einmal höflich in die Hände, als wolle er sagen: "So, das reicht jetzt."

Elasigspor kam zwar noch zu ein paar Abschlüssen, insgesamt sechs an der Zahl, doch wirklich gefährlich wurde es nie. Der Ballbesitz blieb ausgeglichen, aber in den Zweikämpfen zeigte Gatalasaraj mit 56,4 Prozent gewonnenen Duellen, wer hier das Sagen hatte.

Nach dem Spiel zeigte sich Colucci gewohnt gelassen: "Wir spielen mit vielen jungen Leuten. Die machen Fehler, klar. Aber sie machen sie nach vorne." Dann zwinkerte er dem Reporterkreis zu. "Und das ist mir lieber als Stillstand."

Sein Gegenüber wirkte weniger entspannt. Elasigspor-Coach - der Name blieb in der Aufregung ungenannt, aber sein Gesicht sprach Bände - murmelte nur: "Wir hatten keinen Zugriff. Vielleicht hätten wir ja auch mal aufs Tor schießen sollen."

In der Kabine von Gatalasaraj wurde später laut gelacht, gesungen und vermutlich auch ein bisschen getanzt. Die jungen Spieler - Nyers, Kurtulus, Korkmaz - feierten ihren routinierten Teamkollegen Kabze, der mit zwei Treffern und einer Portion Coolness den Unterschied machte. "Ich bin nur der Alte in einer Jugendmannschaft", lachte Kabze, "aber solange sie mir den Ball hinlegen, laufe ich halt noch ein paar Jahre mit."

Fazit: Gatalasaraj siegt verdient mit 3:0 über ein bemühtes, aber überfordertes Elasigspor. Drei Tore, zwei Vorlagen von einem Linksverteidiger, und eine Mannschaft, die offenbar Spaß daran hat, Fußball wieder leicht aussehen zu lassen. Wenn das so weitergeht, müssen die Gegner bald doppelt so viele Bälle mitbringen - einer allein wird gegen diese jungen Wilden kaum reichen.

28.03.643987 12:20
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer
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