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Gatalasaraj dreht den Wahnsinn - 4:2 nach Verlängerung gegen Roosendaal

Es war einer dieser Abende, an denen Fußball wieder einmal beweist, dass er längst mehr Drama liefert als jede Streaming-Serie: 50.150 Zuschauer im Gatalasaraj-Stadion, ein Viertelfinale der Conference League, das sich zur epischen Nervenprüfung entwickelte - und ein Held, der gleich zweimal zuschlug: Stilian Kolew.

Schon nach zwölf Minuten bebte das Stadion. Kolew, der bullige Mittelstürmer, traf nach feiner Vorarbeit von Yildirim Oktay zum 1:0. Trainer Carlo Colucci trommelte an der Seitenlinie so wild mit den Fäusten auf seine Trainerbank, dass der vierte Offizielle kurz überlegte, ob das schon als unsportliches Verhalten durchgeht. "Ich hab’ einfach gespürt, dass heute was geht", grinste Colucci später, "und dann ging’s halt gleich los."

Doch wer glaubte, der Abend würde ein Selbstläufer, irrte gewaltig. Roosendaal ließ sich von der frühen Führung nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Binnen vier Minuten drehten die Niederländer mit gnadenloser Effizienz das Spiel. Erst traf Aad Wetherwax nach einem schnellen Doppelpass mit Rechtsaußen Timm Otto (25.), dann drosch Vitorino Hernandez die Kugel (29.) in den Winkel, nachdem MacDonnell ihn mustergültig über die linke Seite bedient hatte. Zwei Chancen, zwei Tore - eiskalt wie ein Februarwind in Friesland.

Gatalasaraj wirkte kurz geschockt, aber dann kam wieder Kolew. In der 34. Minute stand er goldrichtig, als Pedro Conceicao einen Freistoß halbhoch in den Strafraum zirkelte. Kolew musste nur noch den Kopf hinhalten: 2:2 - und das Stadion explodierte ein zweites Mal.

Die erste Halbzeit endete mit offener Schlagzahl, beide Teams im Offensivmodus, wie es die Taktikdaten bestätigten: offensiv, balanciert, aber mit klarer Prämisse - "Wer hier zögert, verliert." Roosendaal hatte mit leicht mehr Ballbesitz (53 %) und 17 Torschüssen insgesamt keinen Grund, sich zu verstecken.

Nach der Pause verflachte das Spiel kurz, was vielleicht auch an der Gelben Karte für Gatalasarajs Rechtsverteidiger Cloutier (49.) lag, der danach etwas vorsichtiger agierte. In der 60. Minute wechselte Colucci den angeschlagenen Curt Schreiner aus und brachte den erfahreneren Ezequiel Pacos. Ein Glücksgriff, wie sich später zeigen sollte.

In der 66. Minute der nächste Schreckmoment: Lauritz Van Zandt von Roosendaal blieb nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt raus - Linus Frankowski kam neu. Gästetrainer Thomas Ga gestikulierte aufgebracht an der Seitenlinie: "Das war kein Foul, das war Physik!" brüllte er Richtung Schiedsrichter, der daraufhin so tat, als müsse er sich plötzlich die Stutzen richten.

Dann die 84. Minute: Wieder wackelte das Stadion. Der eingewechselte Durul Tüfekci traf nach einer butterweichen Flanke von - wer sonst - Ezequiel Pacos zum 3:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Tüfekci später mit einem breiten Grinsen zu, "aber wenn der Ball dann halt reingeht, beschwert man sich nicht."

Roosendaal warf danach alles nach vorn, doch Gatalasaraj stand stabil. Als alle schon mit einem 3:2 und Elfmeterschießen rechneten, kam die Verlängerung - und mit ihr der Moment des endgültigen Triumphs. In der 100. Minute schob Orkut Kabze nach Vorarbeit von Kolew den Ball überlegt ins lange Eck - 4:2. Der Rest war Jubel, Rauch, Umarmungen und ein Carlo Colucci, der auf dem Rasen verschwand, irgendwo zwischen Spielern, Betreuern und 50.000 ekstatischen Fans.

"Ich hab’ irgendwann gar nichts mehr gesehen, nur noch Rot und Gelb", sagte Colucci später. "Und das lag nicht an meiner Brille."

Statistisch blieb es ein offener Schlagabtausch: 21 Torschüsse für Gatalasaraj, 17 für Roosendaal, Ballbesitz fast ausgeglichen. Aber entscheidend war an diesem Abend die Effizienz - und vielleicht auch die pure Willenskraft. "Wir wollten einfach nicht nach Hause gehen", meinte Kapitän Pedro Conceicao, der trotz Verletzung in der 87. Minute noch ausgewechselt werden musste.

Roosendaal-Trainer Ga nahm die Niederlage sportlich: "Wir hatten unsere Chancen. Aber am Ende war’s wohl die Atmosphäre, die uns überrollt hat. Diese Leute hier - die schreien dich aus dem Konzept."

So steht Gatalasaraj im Halbfinale der Conference League, mit einem Ergebnis, das in Istanbul wohl noch lange erzählt werden wird.

Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll Carlo Colucci nach dem Abpfiff in Richtung seiner Mannschaft gesagt haben: "Jungs, ich hab’ Herzrasen. Aber das ist das schönste Leiden, das es gibt."

30.07.643993 05:05
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Otto Rehhagel
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