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Manchmal ist Fußball eben doch eine einfache Sache: Wer trifft, gewinnt. Und wer so gar nicht trifft, verliert - vorzugsweise deutlich. AS Pisa musste das am 6. Spieltag der 1. Liga Italien schmerzhaft erfahren. Vor 27 000 enttäuschten Zuschauern im Stadio Garibaldi kassierten die Gastgeber eine bittere 0:3‑Heimniederlage gegen den SC Florenz, der sich dabei so kaltschnäuzig präsentierte wie ein Bankberater mit erfolgtem Bonus. Dabei begann alles gar nicht so düster. Pisa hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent, wenn man es genau nimmt) und versuchte, das Spiel von hinten aufzubauen. Trainer Bembel Macher ließ sein Team erneut defensiv und auf Konter ausgerichtet auflaufen - ein Konzept, das in der Theorie hübsch klingt, aber in der Praxis an diesem Abend ungefähr so gefährlich wirkte wie ein Pizzaschneider ohne Klinge. Florenz dagegen trat mit offensivem Selbstverständnis auf. Von Beginn an rollten die Angriffe über die Flügel, angetrieben vom quirlig‑schnellen Adam Lester und dem wuchtigen Mittelstürmer Bram Leyn. Schon in der 2. Minute setzte Leyn das erste Zeichen - ein satter Schuss auf das Tor, den Pisas junger Keeper Lukas Hradecky, gerade einmal 17 Jahre alt, spektakulär parierte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", gab der Torhüter später zu und grinste schüchtern. Doch in der 19. Minute war auch Hradecky machtlos: Edward Whitman, der elegante Engländer im Florenzer Sturm, traf nach feinem Zuspiel von Leyn eiskalt ins rechte Eck - 0:1. Da hatten die meisten Zuschauer gerade noch das zweite Bier geöffnet. "Wir wussten, dass Whitman so etwas draufhat", knurrte Pisas Verteidiger Antonio Acri, der sich kurz zuvor eine Gelbe Karte für ein rustikales Einsteigen abgeholt hatte. Pisa mühte sich, kam aber selten gefährlich vor das Tor. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Der junge Marcello Bruno versuchte es in der 8. Minute auf eigene Faust, Andrea da Sibari prüfte Florenz‑Keeper Mattia Ceccarelli einmal aus der Distanz - das war’s im Wesentlichen. Währenddessen schoss Florenz aus allen Lagen: zwölf Abschlüsse, drei Tore, und das mit einer Coolness, die man sonst nur von Espresso‑Trinkern kennt. In der 36. Minute gab es einen Schreckmoment für die Gäste: Innenverteidiger Callum Dewey verletzte sich nach einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. "Ich hab’ nur kurz was knacken gehört, dann wurde mir schwindlig", erzählte Dewey später mit erstaunlicher Gelassenheit. Sein Ersatz Ton Tenbrook fügte sich nahtlos ein - Florenz blieb defensiv stabil, Pisa blieb harmlos. Nach der Pause wurde es kurz hitzig. Florenz verteidigte tief, Pisa suchte verzweifelt den Ausgleich, ohne jemals einen Plan B zu finden. Trainer Macher gestikulierte wild, rief "Schneller! Über die Flügel!", doch seine Spieler verstanden offenbar "Schläfer!" und "Über die Linie!" - jedenfalls änderte sich nichts. Giovanni Ferrari, der Florenz‑Coach, beobachtete das Ganze mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass sein Team jede Minute nachlegen kann. "Wir hatten das Spiel im Griff", sagte Ferrari nach Abpfiff. "Und wenn Pisa mal den Ball hatte, wussten wir: Das ist nur vorübergehend." So kam es, wie es kommen musste: In der 83. Minute schlug wieder Edward Whitman zu. Nach einer Ecke von Valerio Morano stand er goldrichtig und köpfte zum 0:2 ein. Pisa wirkte nun völlig entmutigt, die Köpfe hingen, die Fans pfiffen leise. Nur vier Minuten später machte Adam Lester endgültig den Deckel drauf - nach einem schönen Pass des eingewechselten Matteo Cortale traf der rechte Mittelfeldmann ins linke Eck. 0:3. Der Rest war Schweigen. "Wir haben zu brav gespielt", bilanzierte Trainer Macher sichtlich genervt. "Vielleicht hätten wir Florenz einfach mal den Ball geschenkt und uns gleich auf den Heimweg gemacht." Ein bitterer Scherz, aber einer mit Wahrheit. Denn obwohl Pisa rein statistisch mehr vom Spiel hatte, war Florenz in jedem Moment zielstrebiger und entschlossener. Zum Schluss kassierte Mario Butragueno von Florenz noch eine Gelbe Karte - eine kleine Erinnerung daran, dass auch perfekte Abende nicht ganz ohne Schönheitsfehler auskommen. Während Florenz jubelnd in die Kabine verschwand, blieb von Pisa nur der Klang der ratlosen Stimmen. "Drei Schüsse aufs Tor - das ist zu wenig, auch gegen eine Mannschaft wie Florenz", sagte Kapitän Gianni Caloveto. Sein Blick ging in die Ferne, als sähe er dort irgendwo ein Tor stehen, das seine Mannschaft vielleicht irgendwann mal wieder trifft. Ein augenzwinkerndes Fazit? Pisa spielte, als wolle es beweisen, dass Ballbesitz allein noch keine Siege bringt. Florenz dagegen zeigte, wie man aus weniger mehr macht - drei Punkte, drei Tore, drei zufriedene Gesichter in der Offensive. Und der Rest? Der Rest ist Pisa. 28.03.643987 12:52 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß