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Ein kalter Januarabend, 20:30 Uhr in Florenz, aber 43.500 Zuschauer ließen sich vom Wetter nicht schrecken. Der SC Florenz empfing am 19. Spieltag der 1. Liga Italien den UC Albinoleffe - und ging am Ende mit leeren Händen nach Hause. 0:1 hieß es nach 90 Minuten, ein Ergebnis, das man in der Toskana noch eine Weile diskutieren dürfte. Dabei war alles angerichtet für einen Heimsieg. Trainer Giovanni Ferrari hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, Pressing von der ersten Minute an, Einsatz "STRONG", wie es der Statistikbogen so nüchtern nennt. Aber Fußball ist selten gerecht, und an diesem Abend war er besonders launisch. Florenz begann mit Schwung. Bereits in der 11. Minute prüfte Vitor Caneira den gegnerischen Torhüter Adriano Capucho - der sich prompt dehnte wie ein Zirkusartist und den Schuss über die Latte lenkte. Bram Leyn, der bullige Mittelstürmer der Gastgeber, scheiterte kurz darauf gleich zweimal (19., 54.), und Oscar Barre versuchte es zwischenzeitlich so oft, dass man meinen konnte, er wolle den Ball durchs Tornetz bohren (44., 49., 50.). "Wir hatten Chancen genug für zwei Spiele", knurrte Ferrari später und blickte dabei so, als wolle er den Rasen selbst umgraben. Doch dann kam Minute 48. Ein blitzschneller Gegenstoß von Albinoleffe, der erste richtige Stich nach einer halben Stunde Verteidigungsarbeit. Gianni Grassi schickte seinen Kollegen Juan Pablo Rocha auf die linke Seite - ein Pass, wie mit dem Zirkel gezogen. Rocha nahm den Ball mit, schaute kurz hoch und jagte ihn rechts oben in den Winkel. 0:1. Das Stadion fiel in eine Schockstarre, als hätte jemand den Ton abgedreht. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Rocha nach dem Spiel, "Gianni meinte später, er wollte eigentlich in die Mitte flanken. Na ja, manchmal muss man das Glück nicht erklären." Trainer Danek Petri von Albinoleffe, sonst ein Mann mit stoischer Miene, erlaubte sich sogar ein Lächeln: "Wir haben verteidigt wie in einem italienischen Kochbuch - gut gewürzt und mit viel Geduld." Florenz rannte danach wütend an, 14 Torschüsse am Ende, doch der Ball wollte einfach nicht rein. Capucho im Tor der Gäste wurde zum Mann des Abends. In der 73. Minute lenkte er einen gefährlichen Schuss von Edward Whitman mit den Fingerspitzen um den Pfosten, und in der 89. Minute köpfte Innenverteidiger Ton Tenbrook über das leere Tor - der Ball segelte so hoch, dass man ihn vermutlich erst in Pisa wiederfand. Als Trainer Ferrari in der 60. Minute doppelt wechselte - Carl Ottosen für Fabio Galindo und Adam Lester für Caneira - sollte das neuen Schwung bringen. Stattdessen kam Albinoleffe zu noch mehr Ballbesitz (am Ende 55,9 Prozent) und spielte die Minuten herunter, als ginge es um Theaterpreise für Zeitverschwendung. In der 66. Minute kassierte Jacobs Primes die Gelbe Karte für ein rustikales Einsteigen, das im Mittelalter wohl als höfische Begrüßung gegolten hätte. Später, in der Nachspielzeit, sah auch Florenz’ Ottosen Gelb - eine Szene, die seinen Trainer nur noch seufzen ließ: "Er wollte den Ball spielen. Leider war der Ball schon in der Lombardei." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus, aber man spürte die Enttäuschung. Florenz hatte mehr vom Spiel, mehr Torschüsse, mehr Willen - aber eben kein Tor. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz keine Punkte bringt", sagte Ferrari. "Vielleicht sollten wir mal auf Konter spielen - oder auf Wunder." Bei den Gästen dagegen war die Stimmung ausgelassen. Kapitän Lewis Kirkwood schwärmte: "Das war ein Sieg der Disziplin. Wir haben uns an den Plan gehalten, und Rocha hat’s vergoldet." Petri fügte hinzu: "Wenn du in Florenz gewinnst, brauchst du keine Pizza mehr - du bist schon satt." So endete ein Spiel, das weniger Tore, aber viele Geschichten bot. SC Florenz bleibt rätselhaft unkonstant, während UC Albinoleffe mit dieser cleveren Vorstellung beweist, dass man auch mit defensiver Grundordnung und einem einzigen Geniestreich drei Punkte entführen kann. Und irgendwo in der Katakombe des Stadions soll Torhüter Capucho noch immer grinsen. Verständlich - gegen Florenz ein Spiel ohne Gegentor zu behalten, ist fast so selten wie ein ehrliches Interview nach einer Niederlage. 06.09.643987 00:32 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde