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Es war ein sizilianischer Sonntagabend, wie er im Fußballdrama-Buch steht: 32.000 Zuschauer, ein leicht klebriger Wind über dem Stadio Renzo Barbera, und zwei Mannschaften, die sich gegenseitig belauerten wie Katzen auf einem heißen Kirchendach. Am Ende jubelte jedoch nur eine - und das war nicht Palermo Calcio. Der SC Florenz gewann verdient mit 2:0 und nahm drei Punkte mit auf den Heimweg, obwohl er fast eine halbe Stunde lang in Unterzahl spielte. Dabei hatte Palermo zu Beginn durchaus den Ball - 52 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein. Doch was nützt das schönste Ballgeschiebe, wenn die Kugel den Weg ins Tor nicht findet? Trainer Ofgqod Euogugezzh (ja, den Namen musste der Stadionsprecher dreimal üben) stand nach dem Abpfiff mit leerem Blick an der Seitenlinie. "Wir wollten ruhig bleiben, aber irgendwie ist uns nur das Ruhigbleiben gelungen", sagte er mit einem Seufzen, das man bis in die Pressetribüne hörte. Die erste Halbzeit war ein zähes Ringen. Palermo kombinierte gefällig, doch im letzten Drittel fehlte der Mut - oder der Plan. Florenz dagegen lauerte, wie es unter Giovanni Ferrari Tradition ist, auf Fehler des Gegners. "Wir wussten, dass Palermo gerne schön spielt. Wir wollten lieber effektiv sein", erklärte Ferrari später mit einem süffisanten Lächeln. Seine Mannschaft hatte zwar etwas weniger Ballbesitz, aber doppelt so viele Torschüsse - elf insgesamt, gegenüber fünf der Gastgeber. Nach der Pause ging es dann Schlag auf Schlag. In der 51. Minute zog Adam Lester, der rechte Mittelfeldmann der Florentiner, von außen in die Mitte, bekam den Ball von Innenverteidiger Callum Dewey zugespielt und drosch das Leder flach ins linke Eck. Keeper Fernando Suero streckte sich, als wolle er den Ball in einer anderen Dimension fangen - vergeblich. 1:0 für Florenz. Palermo wirkte danach wie gelähmt, als habe jemand den Strom abgestellt. Statt eines Aufbäumens sah man Fehlpässe, hektische Flanken und resignierte Gesichter. Dann, als ob das Drehbuch noch etwas Spannung verlangte, flog Callum Dewey in der 63. Minute mit Gelb-Rot vom Platz - sein zweites Foul in kurzer Folge, beide Male unnötig. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte der junge Engländer später. "Leider war der Ball diesmal ziemlich beweglich." Wer dachte, Florenz würde nun einbrechen, irrte gewaltig. Palermo schien mit der Überzahl überfordert. Florenz zog sich zurück, lauerte auf Konter - und einer davon saß. In der 77. Minute sprintete der rechte Verteidiger Eskil Lundqvist die Linie entlang, flankte mustergültig, und Cristian Mancini vollendete volley zum 2:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, und man sah Ferrari kurzzeitig so etwas wie ein Lächeln zeigen - eine Rarität, wie Florentiner Journalisten versichern. Palermo versuchte noch einmal alles, wobei "alles" in diesem Fall fünf harmlose Schüsse bedeutete, die Keeper Mattia Ceccarelli mit stoischer Ruhe abwehrte. "Ich habe mich gefühlt wie ein Tourist an der Strandpromenade - ein bisschen Sonne, ein bisschen Bewegung, aber keine Gefahr", witzelte der 33-jährige Torhüter nach dem Spiel. Die Fans auf den Tribünen reagierten unterschiedlich: Die einen buhten, die anderen klatschten resigniert, manche gingen einfach vorzeitig nach Hause, um den Abend mit einem Cannolo zu retten. Trainer Euogugezzh blieb kämpferisch: "Wir verlieren zusammen, wir gewinnen zusammen. Heute haben wir nur das Verlieren geübt." Florenz dagegen darf vom oberen Tabellendrittel träumen. Zwei Tore, ein Platzverweis, drei Punkte - ein Paket, das die Mannschaft mit Selbstbewusstsein füllt. "Wenn wir so weitermachen, ruft bald jemand aus Europa an", scherzte Torschütze Mancini mit einem Augenzwinkern. Und Palermo? Die Sizilianer haben gezeigt, dass Ballbesitz keine Währung ist, wenn man nicht weiß, wie man ihn einsetzt. Vielleicht wäre ein wenig weniger Schönheit und ein bisschen mehr Pragmatismus hilfreich. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wir hatten den Ball - Florenz hatte den Plan." Ein Satz, der das 0:2 wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. 22.02.643987 20:34 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler