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Ein kalter Januarabend, 20.000 Zuschauer im Fener-Stadion, und es dauerte nicht einmal zehn Minuten, bis die Tribünen bebten. Fenehrbace besiegte am 5. Spieltag der 1. Liga Türkei den Gast aus Bursa mit 2:1 (2:1) - ein Spiel, das früh entschieden schien, dann aber doch noch zittrig endete. Trainer Renato Augusto hatte vor dem Anpfiff betont, "heute Geduld und Präzision im letzten Drittel zeigen" zu wollen. Seine Spieler hatten offenbar beschlossen, nur den zweiten Teil ernst zu nehmen. Denn schon in der 8. Minute klingelte es erstmals im Kasten von Pantelis Nikolopoulos: Rechtsaußen Paisis Tsionanis vollendete eine punktgenaue Flanke von Sadullah Tüfekci zum 1:0. Und kaum hatte sich Bursaspor vom Schock erholt, schlug Tsionanis erneut zu - diesmal nach einem langen Ball des Innenverteidigers Hulusi Koc (15.). "Ich dachte erst, der Ball sei zu steil", grinste Tsionanis später, "aber dann hat er mich angeschrien: ’Lauf, Junge!’ - und ich bin einfach los." Zwei Tore in einer Viertelstunde - das schmeckte den Anhängern, die sich gegenseitig auf die Schultern klopften, als wäre die Meisterschaft schon entschieden. Doch Fenehrbace wäre nicht Fenehrbace, wenn nicht wieder etwas Drama ins Spiel käme. Bursaspor, von Trainer Ümit Dogan mit einer offensiven Grundordnung (manche nannten sie "Verzweiflung mit System") aufgestellt, brauchte bis zur 38. Minute, um sich zu belohnen. Noah Nickel, 35 Jahre alt und offenbar mit einer Sauerstoffflasche im Tornetz ausgestattet, setzte sich nach Pass von Nestor Gonzalo auf der linken Seite durch und traf zum 2:1. "Ich wollte einfach zeigen, dass die Alten noch laufen können", meinte Nickel trocken in der Mixed Zone. Damit war die Partie wieder offen - zumindest theoretisch. Praktisch aber fehlte Bursaspor die letzte Wucht. Zwar hatten die Gäste sieben Torschüsse und fast 46 Prozent Ballbesitz, doch Fenehrbace kontrollierte das Geschehen weitgehend. Die Gastgeber gaben zwölf Schüsse ab, von denen einige durchaus das Zeug zum Highlight gehabt hätten, wenn nicht immer wieder Torwart Nikolopoulos seine Finger dazwischen gehabt hätte. In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel spürbar. Vielleicht lag’s an der frühen Führung, vielleicht am Wetter, vielleicht an den Gedanken der Spieler, die sich schon auf den warmen Tee in der Kabine freuten. Trainer Augusto schrie sich an der Seitenlinie die Seele aus dem Leib, vor allem, als Marc Mascarenhas in der 69. Minute eine Gelbe Karte sah, weil er offenbar glaubte, der Rasen gehöre ihm allein. "Marc hat ein großes Herz - manchmal auch für die Schienbeine anderer", kommentierte der Coach mit einem bitteren Lächeln. Bursaspor versuchte in der Schlussphase alles, wechselte auf eine noch offensivere Ausrichtung, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Der 35-jährige Nickel prüfte in der 80. Minute nochmal Keeper Laurent Bossong, der sich mit einer artistischen Parade in die Herzen der Fans hechtete. Selbst Fenehrbaces Verteidiger Hulusi Koc, der in der Nachspielzeit Gelb sah, klopfte ihm danach auf die Schulter. Nach dem Abpfiff fasste Ümit Dogan das Dilemma seines Teams treffend zusammen: "Wir spielen erst, wenn wir hinten liegen. Vielleicht sollten wir einfach mit 0:2 starten." Sein Gegenüber Augusto konnte darüber nur lachen: "Wenn’s nach mir geht, dürfen wir ruhig öfter so anfangen - aber bitte dann auch mal zu Null." Statistisch gesehen war Fenehrbace die etwas aktivere Mannschaft - 53,6 Prozent Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote (52 Prozent) und das gefährlichere Offensivspiel. Doch der Glanz der ersten 20 Minuten verblasste schnell. Die Fans verziehen es dennoch, feierten Tsionanis mit Sprechchören und forderten vom Stadionsprecher, ihm den Titel "Held der Woche" zu verleihen. Als die Flutlichter erloschen, blieb der Eindruck eines Spiels, das früh entschieden und spät gerettet wurde. Fenehrbace hat damit den dritten Saisonsieg eingefahren und sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt. Bursaspor hingegen muss weiter auf den ersten Auswärtserfolg warten - und vielleicht auch auf eine Idee, wie man von Anfang an Fußball spielt. Oder, um es mit den Worten des unermüdlichen Noah Nickel zu sagen: "Wir waren heute wie ein Motor, der erst nach 30 Minuten warm wird. Nur blöd, dass da schon zwei drin waren." Und so endete dieser Abend mit viel Jubel, etwas Zittern - und dem Gefühl, dass Fenehrbace zwar nicht immer schön, aber immerhin erfolgreich gewinnt. 06.03.643987 12:55 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand