Sport-Blick
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FC Wil dreht nach der Pause auf: 3:0 gegen SC Baden

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum man überhaupt eine erste Halbzeit braucht. 25.203 Zuschauer im IGP-Arena-Stadion sahen am 6. Spieltag der 2. Liga Schweiz eine Partie, die zunächst wie ein zäher Wintertee schmeckte - und dann im zweiten Durchgang zu einem heißen Espresso wurde. Der FC Wil schlug den SC Baden nach einer torlosen ersten Hälfte mit 3:0, und das völlig verdient.

"Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt: Wenn ihr nicht bald trefft, schicke ich euch alle auf den Parkplatz, um Elfmeter gegen die Mülltonnen zu üben", grinste Wils Trainer Jens Bauer nach dem Schlusspfiff. Seine Spieler nahmen sich die Drohung offenbar zu Herzen. Nach 45 Minuten Ballbesitz (52 Prozent) und Chancen wie am Fließband (21 Torschüsse!) platzte endlich der Knoten.

Der Mann, der den Deckel öffnete, war einmal mehr Luca Martel - 21 Jahre jung, aber schon mit dem Selbstbewusstsein eines Stürmers, der weiß, wo das Netz hängt. In der 66. Minute schloss er eine feine Kombination über den umtriebigen Alfonso Gonzalo eiskalt ab. Martel drehte jubelnd ab, und Baden wirkte, als hätte man ihnen den Stecker gezogen.

"Ich wollte eigentlich flanken", flachste Gonzalo später, "aber Luca ist halt da, wo ein Stürmer sein muss - im Weg."

Von da an rollte der Wil-Express unaufhaltsam. Zwölf Minuten später erhöhte der erfahrene Linus Miller nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Sergio Simao auf 2:0. Eine Szene, die exemplarisch für Wils Offensivdrang stand: Simao pflügte über den Flügel, flankte präzise, Miller nahm den Ball direkt - und das Stadion kochte.

Während SC Baden sich noch die Augen rieb, traf in der 85. Minute auch noch Antonio Custodio. Wieder hatte Gonzalo seine Füße im Spiel, wieder segelte ein Ball in den Strafraum, und Custodio nickte kompromisslos ein. 3:0 - das Ergebnis, das in seiner Klarheit auch die Kräfteverhältnisse widerspiegelte.

Baden, das bis dahin zwar bemüht, aber harmlos geblieben war, hatte ganze drei Schüsse aufs Tor. Die Gäste wirkten in ihrer "balancierten" Taktik wie ein Auto in der Waschanlage: viel Bewegung, aber kein Vortrieb. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Trainer Harald Steiner nach dem Spiel zerknirscht. "Leider standen wir so kompakt, dass wir vorne gar nicht mehr auftauchten."

Der beste Mann auf Seiten Badens war Torhüter Ricardo Sousa, der in der ersten Halbzeit mehrfach spektakulär parierte und seine Vorderleute mit lauten Kommandos zusammenhielt. Als er nach dem dritten Gegentreffer mit den Armen wedelte, rief einer seiner Verteidiger resigniert: "Was soll ich machen, Chef, ich bin doch kein Zauberer!" - eine ehrliche Momentaufnahme eines Teams, das an diesem Abend schlicht überfordert war.

FC Wil dagegen präsentierte sich taktisch diszipliniert und geduldig. Offensiv, aber nicht überdreht, mit präzisem Passspiel und einem klaren Plan. Besonders auffällig: Mittelfeldmotor Georges Voss, der mit seiner Ruhe und Übersicht das Tempo diktierte. "Wir haben gelernt, nicht in Panik zu verfallen", sagte Voss nachher. "Früher hätten wir nach 30 Minuten schon die Köpfe hängen lassen. Heute wissen wir, dass Fußball 90 Minuten dauert - und manchmal noch ein bisschen länger, wenn der Reporter wieder Fragen stellt."

Auch Trainer Bauer war zufrieden, wenn auch mit typisch nordischem Understatement: "War ganz okay. Wir hätten halt in der ersten Hälfte schon führen können. Aber gut, Spannung gehört ja auch zum Produkt."

Während die Spieler des FC Wil nach Abpfiff Arm in Arm vor der Kurve tanzten, schlichen die Badener mit hängenden Köpfen vom Platz. Ein paar Fans riefen ihnen noch aufmunternd zu, andere griffen schon zum Handy, um nachzusehen, wann das nächste Heimspiel ist - vermutlich in der Hoffnung, dass es dann weniger schmerzhaft wird.

So bleibt ein klarer Sieg für den FC Wil, der mit 3:0 eindrucksvoll zeigte, dass er in dieser Liga um mehr spielt als nur um gute Laune. Und wer gesehen hat, wie Martel, Miller und Custodio ihre Tore feierten, der weiß: In Wil riecht es nach Aufbruch - und ein bisschen auch nach Aufstieg.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn die so weitermachen, muss ich bald wieder mein altes Fähnchen rausholen." Ein schöner Gedanke - und ein schöner Abend für alle, die auf späte Feuerwerke stehen.

28.03.643987 14:23
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Weil, der Trainer braucht jetzt Spieler mit harten Eiern.
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