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Es war einer dieser frostigen Januarabende, an denen man sich fragt, ob die Spieler ihre Schienbeinschoner oder doch lieber Wärmflaschen tragen. 27.000 Zuschauer im Oberwalliser Stadion trotzten dennoch den Temperaturen - und wurden mit einem Pokalfight belohnt, der erst spät entschieden wurde. Der FC Oberwallis besiegte den SV Locarno mit 2:1 (0:0) und steht damit in der nächsten Pokalrunde. Trainer Snore Laken hatte sein Team offensiv eingestellt, und das sah man von Beginn an: Bereits in der dritten Minute prüfte der 18-jährige Jan Hamsik den Gästetorwart Thomas Hoppe mit einem satten Schuss aus 20 Metern. "Ich wollte gleich zeigen, dass wir heute nicht zum Frieren hier sind", grinste der Youngster später. Doch trotz 20 Torschüssen und knapp 53 Prozent Ballbesitz wollte in der ersten Halbzeit kein Ball über die Linie. Locarno, taktisch ausgewogen und diszipliniert, lauerte auf Konter und schien mit dem 0:0 zur Pause bestens zu leben. "Wir wussten, dass Oberwallis viel laufen wird. Wir wollten sie ein bisschen müde spielen", erklärte Locarnos Trainer, der namentlich nicht genannt werden wollte - wohl, um sich vor der Wut seiner Defensive zu schützen. Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel endlich Fahrt auf. In der 54. Minute war es Michael Winston, der nach feiner Vorarbeit von Laurent Castel die Nerven behielt und den Ball flach ins linke Eck schob - 1:0. Der 33-jährige Routinier breitete die Arme aus, als wolle er sagen: "Seht ihr, so macht man das." Doch die Antwort der Gäste kam prompt. Nur zwei Minuten später entwischte der 19-jährige Robert Schreiber seinem Gegenspieler und traf nach Vorlage von Vincent Tiago zum 1:1-Ausgleich. Ein Treffer, der das Oberwalliser Publikum kurzzeitig verstummen ließ - bis Trainer Laken an der Seitenlinie gestenreich in die Hände klatschte und seine Spieler nach vorne peitschte. "Da habe ich kurz überlegt, ob ich ihm ein Megafon schenken soll", witzelte später Kapitän Laurent Castel. Die Gastgeber erhöhten den Druck, schnürten Locarno zeitweise in deren Hälfte ein. Pedro Beto versuchte es zwischen der 61. und 68. Minute gleich dreimal - immer wieder am glänzend reagierenden Hoppe scheiternd. Der Keeper wuchs förmlich über sich hinaus, während seine Vorderleute nur noch selten Entlastung fanden. Dann kam die 74. Minute - und der Moment des Abends: Der junge Jan Hamsik, bis dahin rastlos, aber glücklos, zog aus spitzem Winkel ab. Der Ball flog an Freund und Feind vorbei, prallte an den Innenpfosten und zappelte im Netz. 2:1! Das Stadion bebte, und der 18-Jährige verschwand in einer Jubeltraube aus Mitspielern, die ihm fast die Luft zum Atmen nahm. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass er drin war - ich hab’s nur an Laurents Geschrei gemerkt", lachte Hamsik nach dem Spiel. Locarno versuchte in der Schlussphase noch einmal, Druck aufzubauen, doch außer einem harmlosen Schuss von Schreiber in der 89. Minute sprang nichts mehr heraus. Oberwallis dagegen hätte durch Marcio Pacos und Pedro Beto das Ergebnis sogar noch ausbauen können, aber der Fußballgott hatte offenbar Mitleid mit den Gästen. Am Ende blieb es beim verdienten 2:1 - ein Sieg, der härter erkämpft war, als es die Statistik vermuten lässt. 20:3 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz - und trotzdem bis zur letzten Minute zittern. Trainer Snore Laken fasste das Spiel gewohnt trocken zusammen: "Wir hätten früher den Deckel draufmachen müssen. Aber ein bisschen Drama gehört wohl dazu, sonst wäre es ja kein Pokalabend." Und tatsächlich - es war einer dieser Abende, die man im Wallis so schnell nicht vergisst. Der Altmeister Winston trifft, der Jungspund Hamsik entscheidet, und irgendwo zwischen Schneeflocken und Stadionflutlicht lächelt der Pokalgeist zufrieden. Ob der FC Oberwallis damit zum Titelanwärter wird? Das wird sich zeigen. Aber wer an einem kalten Januarabend so viel Herz zeigt, der darf zumindest schon mal von wärmeren Frühlingstagen träumen - vielleicht sogar im Finale. 11.07.643987 13:02 |
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