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Es war kalt an diesem Samstagabend in Thun, aber auf dem Rasen brannte es lichterloh: Der FC Oberwallis kam, sah und zerlegte Rot-Weiss Thun mit 5:1. 32.000 Zuschauer froren erst, staunten dann - und die Heimfans wünschten sich spätestens nach dem dritten Gegentor in der 32. Minute, sie hätten den Fernseher daheim angelassen. Schon nach sieben Minuten begannen die Gäste ihr Feuerwerk: Laurent Castel, der Stratege im Mittelfeld, traf nach Vorlage von Pedro Beto. "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann war der Ball drin", grinste Castel später. Thuns Keeper Sascha Burger schaute dem Ball nur noch hinterher - und das war an diesem Abend keine Seltenheit. Rot-Weiss Thun versuchte, sich zu sortieren, wirkte dabei aber wie ein Schülerchor, der plötzlich Oper singen soll. Kaum hatten sie den Ball, verloren sie ihn wieder. Oberwallis spielte kurz, präzise, mit einer Selbstverständlichkeit, die Trainer Snore Laken nach Abpfiff trocken kommentierte: "Wir haben einfach Fußball gespielt. Manchmal hilft das." In der 19. Minute erhöhte Günter Weller nach einem klugen Pass von Linksverteidiger Kamil Wojciechowski. Und als derselbe Weller in der 32. Minute nach Vorlage von Beto erneut traf, stand es 0:3 - und das Stadion klang, als hätte jemand die Luft rausgelassen. "Wir haben uns in der Kabine angeschaut und wussten: Schlimmer kann’s nicht werden", erzählte Thuns Rechtsaußen Sergio Da Cru. Nun ja - fast hätten sie sich geirrt. Nach dem Seitenwechsel versuchte Thun, wenigstens ein Lebenszeichen zu senden. Der Ballbesitz war mit 48 Prozent gar nicht so schlecht, die Torschüsse (12 zu 15) auch nicht. Aber während Oberwallis’ Angriffe wie chirurgische Eingriffe wirkten, war bei Thun eher die Holzhammer-Methode gefragt. In der 64. Minute klappte dann endlich etwas: Alfonso Cabrero, der auffälligste Thuner an diesem Abend, traf nach feinem Zuspiel von Tim Betz zum 1:3. Das Publikum jubelte, als sei der Ausgleich gefallen. Cabrero riss die Arme hoch, Betz brüllte: "Jetzt geht’s los, Männer!" - doch das Schicksal hatte andere Pläne. Nur acht Minuten später machte Patrick Benveniste alles klar. Der bullige Mittelstürmer des FC Oberwallis verwertete eine Vorlage von Felix Ritter zum 1:4. Und als Ritter selbst zwei Minuten später nach Vorarbeit von Innenverteidiger Adriano Mendes das 1:5 erzielte, sah man einige Heimfans leise Richtung Ausgang schlurfen. Trainer Snore Laken blieb nach dem Spiel gewohnt lakonisch: "Ich bin zufrieden. Die Jungs haben das umgesetzt, was wir trainiert haben - also Tore schießen." Auf der anderen Seite suchte man bei Rot-Weiss Thun nach Erklärungen. "Wir waren nicht wach, nicht giftig, nicht da", murmelte ein sichtlich zerknirschter Pablo Niguez, der in der 67. Minute noch Gelb gesehen hatte - wohl eher für Frust als für Härte. Torwart Burger fasste es pragmatisch zusammen: "Fünf Dinger sind fünf Dinger. Wir müssen das schnell vergessen - oder zumindest versuchen." Statistisch war das Spiel gar nicht so einseitig: Thun hatte fast gleich viel Ballbesitz, Oberwallis nur drei Torschüsse mehr. Aber die Effizienz machte den Unterschied. Oberwallis spielte mit kurzen Pässen, offensiver Ausrichtung, kaum Pressing - und traf fast nach Belieben. Thun dagegen blieb brav ausgeglichen, was in diesem Fall bedeutete: harmlos. Nach dem Abpfiff scherzte ein Zuschauer auf der Tribüne: "Wenn das noch fünf Minuten länger gegangen wäre, hätten wir den sechsten auch noch kassiert." Seine Sitznachbarin nickte resigniert: "Oder den siebten." Fazit? Oberwallis war an diesem Abend einfach zwei Klassen besser. Laurent Castel dirigierte, Weller brillierte, Ritter krönte eine perfekte Vorstellung. Und Thun? Nun ja, sie waren immerhin da. Vielleicht war das schönste Zitat des Abends das von Thuns Trainer nach dem Spiel: "Wir haben heute viel gelernt. Leider alles über die anderen." Ein Abend, den man in Thun lieber schnell vergessen möchte - und den man in Oberwallis wohl noch eine Weile feiern wird. 25.04.643990 06:34 |
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Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist.
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