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Manchmal genügt ein einziger Spieler, um ein ganzes Stadion zum Schweigen zu bringen. Am Freitagabend war dieser Spieler Daniel Etxebarria. Der 26-jährige Linksaußen des FC Oberwallis erzielte beide Treffer beim 2:1-Auswärtssieg in Genf - und ruinierte damit ein Heimfest, das nach 70 Minuten eigentlich schon in Richtung Genfer See schippern wollte. 44.468 Zuschauer waren ins Stade de Genève geströmt, um ihre Mannschaft am 27. Spieltag der 1. Liga Schweiz zu sehen. Anstoß war um 20.30 Uhr, Flutlicht, klare Luft, leicht sarkastische Hoffnung: "Heute geht’s nicht wieder schief", murmelte ein Fan im Fanblock, während er sein Bier balancierte. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel dafür, wie zwei Mannschaften sich gegenseitig neutralisieren können. Genf mit 48 Prozent Ballbesitz, aber der klar aktiveren Ausrichtung - offensiv, über die Flügel, kurzpassfreudig. Oberwallis spielte das, was Trainer Snore Laken später "kontrollierte Langeweile" nannte. "Wir wollten sie kommen lassen. Und sie kamen - aber nicht weit genug", grinste er nach dem Spiel. Etxebarria deutete bereits in der 7. Minute an, dass er gefährlich werden könnte, prüfte Torhüter Esteve mit einem frühen Versuch. Die Genfer antworteten mit jugendlichem Elan - der 18-jährige Pascal Kirchner schoss zweimal gefährlich, aber immer knapp vorbei. Urban Paulsson, der Rechtsverteidiger mit einem Hang zum Chaos, traf in der 24. Minute fast das Stadiondach, als er es aus 25 Metern probierte. Dann, nach der Pause, kippte die Partie. Genf wechselte - LaClaire und Rau raus, Hübner und Leclair rein. "Wir wollten mehr Stabilität im Zentrum", erklärte Trainer Pascal Meyer. Ob das funktionierte, ist Ansichtssache. Denn in der 62. Minute bediente Laurent Castel mit einem klugen Pass den lauernden Etxebarria. Der zog aus halblinker Position ab, und der Ball zischte wie ein geölter Blitz ins lange Eck - 0:1. Das Stadion stöhnte, aber Genf reagierte. Nur sieben Minuten später war es der unermüdliche Paulsson, der nach einer Flanke von Hugo Pauleta im Strafraum auftauchte und den Ausgleich markierte. 1:1, und plötzlich glaubte wieder jeder an die Wende. "Ich wusste gar nicht, dass Urban so hoch springen kann", scherzte Pauleta später. Doch Oberwallis erwies sich als zäh. Während Genf weiter anlief - 14 Torschüsse, fast doppelt so viele wie die Gäste - blieb die Defensive der Walliser erstaunlich ruhig. Dann kam Minute 80. Wieder Etxebarria. Diesmal kein Passgeber, kein Zauber, einfach ein Abstauber nach einem abgefälschten Schuss. 1:2. Der Jubel der mitgereisten 200 Fans klang wie ein Echo aus einem anderen Universum. Genf versuchte es noch einmal mit allem, was Flügel hat. Reuter schoss in der 82. und 85. Minute, aber Torwart Grigorios Christopoulos hielt mit stoischer Gelassenheit. "Ich habe einfach gehofft, dass der Ball mich trifft", gab er ehrlich zu. Tat er. Zweimal. Die Schlussphase wurde hektisch: Gelb für Mendes in der 87. Minute, ein paar unfreundliche Worte zwischen Pauleta und Weller - und Schiedsrichter Marti, der sichtlich genug hatte. Als der Abpfiff kam, sank Etxebarria auf die Knie, während Pascal Meyer die Hände in die Taschen steckte und ins Leere starrte. "Fußball ist manchmal ungerecht", murmelte er. "Aber wenn du deine Chancen nicht nutzt, ist das halt keine Tragödie, sondern Statistik." Statistisch gesehen hatte Genf mehr vom Spiel - mehr Schüsse, leicht weniger Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Aber das, was wirklich zählt, stand auf der Anzeigetafel: 1:2. Im Presseraum grinste Snore Laken breit. "Wir sind keine Schönspieler, wir sind Überlebenskünstler", sagte er. "Und Daniel… der war heute unser kleiner Messi aus dem Wallis." Etxebarria, bescheiden wie immer, winkte ab: "Ich hatte einfach gute Schuhe an." Pascal Meyer hingegen suchte Trost in Ironie: "Vielleicht sollten wir mal trainieren, wie man das Tor trifft. Das scheint ja wichtig zu sein." Ein Reporter fragte, ob er sich um die Moral der Mannschaft sorge. Meyer zuckte mit den Schultern. "Nein, die Moral ist wunderbar. Nur das Ergebnis stört." So blieb dem FC Genf am Ende nur der Applaus der eigenen Fans - und das leise Pfeifen des Windes durch die leeren Ränge. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn man 14 Mal aufs Tor schießt und nur einmal trifft, ist das kein Pech. Das ist Kunst - nur leider die falsche Kunstrichtung. 19.07.643993 01:08 |
Sprücheklopfer
Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon