// Startseite
| Sport-Blick |
| +++ Sportzeitung für Schweiz +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend, 27 000 Zuschauer, Flutlicht, und ein Spiel, das erst in der Schlussphase so richtig Fahrt aufnahm: Der FC Oberwallis gewann am 15. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 2:1 gegen den SC Solothurn - dank eines späten Treffers von Patrick Benveniste in der 86. Minute. Bis dahin war es ein Geduldsspiel gewesen. Schon in der ersten Halbzeit hatte Oberwallis mehr vom Spiel, ließ aber die Kaltschnäuzigkeit vermissen. 17 Torschüsse sollten es am Ende sein, doch zur Pause stand es 0:0 - ein Resultat, das nicht so sehr von defensiver Brillanz, sondern eher von fehlender Präzision zeugte. "Ich habe irgendwann gedacht, wir könnten bis Mitternacht weiterspielen und treffen trotzdem nicht", scherzte Trainer Snore Laken später. Nach dem Seitenwechsel dauerte es nur drei Minuten, bis das Publikum endlich jubeln durfte: Daniel Etxebarria, der quirligste Mann auf dem Platz, traf in der 48. Minute nach feinem Zuspiel von Lars Wegner. Der Schuss aus halblinker Position schlug unhaltbar im langen Eck ein. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Etxebarria, "aber wenn’s so aussieht, als wäre es Absicht, sag ich natürlich nichts anderes." Doch die Freude währte kurz. Nur zwei Minuten später antwortete der SC Solothurn: Der 34-jährige Javier Pelegrin, der schon im Hinspiel getroffen hatte, verwandelte eine flache Hereingabe von Vincent Anders zum 1:1. "Da haben wir kurz geschlafen", knurrte Oberwallis-Keeper Janek Pasieka, der später verletzt ausschied. "Der Ball kam so plötzlich - ich hatte noch nicht mal Zeit, mich über das 1:0 zu freuen." Solothurn, das über leicht mehr Ballbesitz verfügte (50,5 Prozent), wirkte in dieser Phase gefährlicher, verpasste aber mehrfach die Führung. Der junge Miguel Andrade prüfte Pasieka gleich dreimal in den ersten 20 Minuten und blieb auch nach der Pause quirlig wie ein Koffein-Overdose. Doch die Genauigkeit fehlte - und manchmal auch das Glück. Oberwallis hingegen wechselte clever: In der 54. Minute kam der wieder genesene Benveniste für den jungen Langlois, und plötzlich bekam der Angriff neuen Schwung. "Snore hat mir gesagt: ’Mach irgendwas, aber bring uns den Sieg’", erzählte Benveniste lachend nach dem Spiel. "Ich hab’s wörtlich genommen." In der 77. Minute musste Pasieka vom Platz - offenbar eine muskuläre Verhärtung. Ersatzkeeper Niccolo Venier, gerade mal 20 Jahre alt, kam zu seinem Ligadebüt. "Ich hab gezittert - aber nur wegen der Kälte", behauptete er später mit einem Augenzwinkern. Kurz darauf rettete er tatsächlich glänzend gegen Turcotte (84.). Dann kam die 86. Minute, und das Stadion explodierte: Linksverteidiger Kamil Wojciechowski marschierte die Linie entlang, flankte halbhoch in den Strafraum, und Benveniste köpfte zum 2:1 ein. Ein klassisches "Tor des Willens", wie es in der Reporter-Sprache so schön heißt. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", meinte der Torschütze. "Ich hab’s erst am Jubel gemerkt - und am Knie von Günter Weller, der mir fast das Schienbein zerschlagen hat." Solothurn versuchte noch einmal alles, aber außer einer Gelben Karte für Innenverteidiger Alexander Bedard (66.) sprang nichts Zählbares mehr heraus. Das Pressing blieb halbherzig, der letzte Pass zu ungenau, und Oberwallis brachte den Sieg mit energischem Einsatz über die Zeit. Trainer Laken zeigte sich nach dem Abpfiff sichtlich zufrieden: "Das war kein Fußballfest, aber ein Fest für die Moral. Wir haben uns reingebissen und am Ende verdient gewonnen." Sein Gegenüber, Solothurn-Coach (der lieber ungenannt bleiben wollte, aber im Gesichtsausdruck alles sagte), schüttelte nur den Kopf: "Wenn du so viele Chancen liegen lässt, reicht halt ein langer Ball, und du stehst mit leeren Händen da." Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Spiel - 17 zu 11 Torschüsse, 49,5 zu 50,5 Prozent Ballbesitz, ähnlich viele Zweikämpfe. Aber Fußball wird, wie wir wissen, nicht auf dem Statistikbogen entschieden. Es wird auf dem Rasen entschieden - und dort hatte Oberwallis am Ende einfach das letzte Wort. Oder, um es mit den Worten eines euphorischen Fans auf der Tribüne zu sagen: "Zwei Tore, drei Glühweine, ein glücklicher Abend - was will man mehr?" Und irgendwie fasst das die Partie perfekt zusammen. 30.06.643987 04:00 |
Sprücheklopfer
Man wusste bei mir immer, wo ich dran war.
Günter Netzer über seine rhetorischen Fähigkeiten