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Es war einer dieser Abende, an denen das Thermometer kaum über den Gefrierpunkt kletterte, aber das Spiel dennoch heißer nicht hätte sein können. Vor 27.000 Zuschauern im ausverkauften Oberwalliser Stadion besiegte der FC Oberwallis den FC Nyon mit 3:2 (2:2) - ein Resultat, das ebenso knapp wie verdient war. "Ich habe gefroren, aber mein Herz war warm", grinste Oberwallis-Coach Snore Laken nach dem Schlusspfiff, während sein Gegenüber Manni Burgsmüller eher an eine Herzmassage dachte. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Schon in der 11. Minute nutzte Nyons junger Mittelstürmer Noah Latham seine erste Gelegenheit - nach einem präzisen Zuspiel von Linksverteidiger Logan Corraface - und schob eiskalt zum 0:1 ein. "Ich dachte, der Junge ist noch im Aufwärmen", murmelte Laken später, "aber offenbar war das Aufwärmen einfach das Tor." Doch die Antwort der Hausherren ließ keine drei Minuten auf sich warten: Günter Weller, der quirlig-selbstbewusste Rechtsaußen, verwandelte eine Vorlage von Daniel Etxebarria zum 1:1. Nur vier Minuten später drehte Oberwallis das Spiel komplett. Der erfahrene Mittelfeldmotor Laurent Castel traf aus zentraler Position (18.) - wieder nach Vorarbeit von Etxebarria, der an diesem Abend spielte, als hätte er einen Turbo im linken Schuh. Doch noch vor der Pause schlug Nyon zurück: Ramon Ferron, der rechte Flügelspieler, zog in der 44. Minute trocken ab und stellte auf 2:2. "Wir wollten mit einer Führung in die Kabine", seufzte Ferron später, "aber wenigstens war’s kein Rückstand. Und das ist ja auch schon was." Die erste Hälfte war ein offener Schlagabtausch, geprägt von schnellen Umschaltmomenten und leicht erhitzten Gemütern. Zwei Gelbe Karten für Nyon - Mantecon (10.) und Corraface (16.) - ließen erahnen, dass Burgsmüllers Elf nicht unbedingt zimperlich zur Sache ging. "Das war kein Rugby, obwohl’s manchmal so aussah", ätzte ein Oberwalliser Fan in der Halbzeitpause, während er an seinem Glühwein nippte. Nach Wiederanpfiff beruhigte sich das Geschehen zunächst etwas. Nyon blieb offensiv ausgerichtet, wie es die Taktikdaten belegen, aber die Präzision fehlte. Ferron und Adatepe vergaben gute Chancen, und Torwart Grigorios Christopoulos - sonst ein Mann mit der Gelassenheit eines Yoga-Lehrers - musste mehrfach beherzt eingreifen. In der 68. Minute dann die Entscheidung: Georges Bouchard, der rechte Mittelfeldspieler der Hausherren, fasste sich nach einer Ecke ein Herz und traf nach Vorarbeit des Innenverteidigers Adriano Mendes aus etwa 18 Metern flach ins rechte Eck - 3:2! Das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehauen", lachte Bouchard später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. Hat geklappt." Von da an war’s ein zähes Ringen. Nyon wechselte doppelt - Westerveldt für den verwarnten Mantecon (60.) und Schaller für Corraface (61.) - und drängte auf den Ausgleich. Doch Oberwallis stand stabil, das Pressing zog an, und Keeper Christopoulos pflückte die Hereingaben sicher herunter. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 13 Torschüsse und 57 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - das sah nicht nur nach Kampf, sondern auch nach Kontrolle aus. In der Nachspielzeit hatte Etxebarria sogar noch das 4:2 auf dem Fuß (92.), doch sein Versuch landete knapp neben dem Pfosten. "Ich wollte’s schön machen", gab er zu, "aber Schönheit hat heute Pause gehabt." Die Fans verziehen ihm schnell - schließlich war er an zwei Toren direkt beteiligt und der heimliche Motor des Abends. Trainer Laken zeigte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich zufrieden: "Wir haben gezeigt, dass wir auch nach Rückständen ruhig bleiben können. Und dass Laurent Castel nicht nur Kaffee trinkt, sondern auch Tore schießt." Burgsmüller hingegen suchte die Worte: "Wenn du zweimal auswärts triffst und trotzdem verlierst, dann war’s wohl nicht dein Abend. Oder der Schiedsrichter hat was gegen mein Hemd." Als die letzten Flutlichtstrahlen über die verschneiten Dächer des Oberwalliser Stadions glitten, war klar: Dieses 3:2 war mehr als nur ein Liga-Sieg am 18. Spieltag der 1. Liga Schweiz. Es war ein Statement. Oberwallis bleibt zu Hause eine Macht, Nyon dagegen hadert weiter mit der eigenen Balance zwischen Offensive und Defensive. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Schön war’s nicht immer, aber spannend war’s allemal - und das ist ja Fußball." 15.08.643987 11:05 |
Sprücheklopfer
In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
Peter Neururer nach einer 1:4 Niederlage