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FC Nyon dreht Pokalkrimi - späte Erlösung in Wil

Es war ein Pokalabend, wie ihn Drehbuchautoren lieben und Trainer hassen: Der FC Nyon siegte beim FC Wil mit 3:2 (1:1) - und das vor 33.562 Zuschauern, die am Freitagabend im Wiler Stadion zwischen Hoffnung, Fassungslosigkeit und schließlich Resignation alle emotionalen Register durchliefen.

Schon die ersten Minuten hatten es in sich. Wil, von Trainer Jens Bauer mutig offensiv eingestellt, legte los wie eine Dampflok. In der 7. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Archie Satchmore, der nach einer Ecke von Antonio Custodio zur frühen Führung einköpfte. "Ich stand da, wo sonst keiner hinwollte", grinste der Verteidiger später, "und hab einfach mal den Kopf hingehalten."

Doch die Freude währte nur kurz. Sechs Minuten später schlug Nyon zurück: Duarte Moutinho zog aus rund 18 Metern ab - zack, 1:1. Der Ball flatterte unhaltbar ins rechte Eck, Torwart Rene Haas streckte sich vergeblich. "Ich hab die Flugbahn richtig gerochen", meinte Haas hinterher, "aber der Ball hat gerochen, dass er nicht gefangen werden will."

Es entwickelte sich ein munteres Hin und Her. Wils Stürmer Arne Friis prüfte mehrfach den gegnerischen Keeper Helmut Robert, während Nyon über die Flügel von Edward Bernheim und Jerome Tremblay immer wieder gefährlich wurde. Die Statistik zeigte zur Pause ein ausgeglichenes Bild - 51 Prozent Ballbesitz für Nyon, 49 für Wil, acht Torschüsse zu Wils acht.

Kurz nach Wiederanpfiff explodierte das Stadion erneut: Antonio Custodio nutzte einen feinen Pass von Alfonso Gonzalo und hämmerte den Ball in der 46. Minute zum 2:1 ins Netz. Wil witterte die Sensation - Pokal, Viertelfinale, Ruhm! Trainer Bauer ballte die Fäuste, die Ersatzspieler hüpften wie Teenager beim Schulfest.

Doch Nyon ließ sich nicht beirren. Mit der Ruhe eines Teams, das schon oft hinten lag, zog man das Spiel an sich. Bernheim, der unermüdliche Linksflitzer, war in der 59. Minute zur Stelle, als Fabian Schaller von hinten flankte. Eine Direktabnahme, ein satter Knall, das Leder zappelte im Netz - 2:2. "Wir wussten, dass sie wackeln, wenn wir Druck machen", erklärte Bernheim später. "Und ich mag es, wenn es wackelt."

Wil versuchte, noch einmal gegenzuhalten. Custodio schoss, Friis schoss, sogar Innenverteidiger Valachovic versuchte sich. Doch der Ball wollte nicht mehr rein. Stattdessen kassierte Niclas Wilhelm in der 69. Minute Gelb, nachdem er Tremblay an der Seitenlinie eher umarmt als gefoult hatte. "War ein taktisches Streicheln", scherzte Wilhelm.

In der Schlussphase drängte Nyon mit aller Macht. Trainer Manni Burgsmüller brachte mit dem 19-jährigen Louis Herzog frische Beine. "Ich hab ihm gesagt: Lauf einfach, bis du umfällst", lachte Burgsmüller nach dem Spiel. Herzog lief - und wie! In der 90. Minute passte er quer zu Alexandre Greaves, der eiskalt blieb und den Ball zum 3:2 ins lange Eck schob.

Stille in Wil, Jubel auf der Gästebank. Greaves rannte zur Eckfahne, rutschte auf den Knien, Burgsmüller brüllte vor Freude. Auf der anderen Seite sank Trainer Bauer in die Hocke, den Blick irgendwo zwischen Entsetzen und Galgenhumor. "Wir waren nah dran", sagte er später. "Aber nah dran ist halt im Pokal auch draußen."

Mit diesem Sieg zieht der FC Nyon in die nächste Runde ein - und darf weiter vom Pokal träumen. "Wir haben Charakter gezeigt", fasste Kapitän Moutinho zusammen. "Und ein bisschen Glück - aber das gehört zum Fußball wie der Schweiß in den Stutzen."

Der FC Wil hingegen verabschiedet sich erhobenen Hauptes. 2:3 verloren, aber mit Applaus verabschiedet. Die Zuschauer wussten: Dieses Spiel hatte alles - Tore, Tempo, Emotionen. Nur eben kein Happy End für die Gastgeber.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "So ist Fußball. Erst denkst du, du gewinnst den Pokal - und dann gewinnt ihn jemand anders."

Ein bisschen Ironie, ein bisschen Schmerz - und ein Abend, der in Wil noch lange diskutiert werden dürfte.

11.07.643987 17:35
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In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
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