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Ein Flutlichtabend am Genfersee, 42.175 Zuschauer, und zwei Mannschaften, die offenbar beschlossen hatten, die Winterpause einfach zu ignorieren. Der FC Genf gewann am vierten Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 3:2 gegen den SC Vaduz - ein Ergebnis, das so knapp ausfiel, wie es das Spielgeschehen vermuten ließ, auch wenn die Statistik (19:7 Torschüsse für die Hausherren) eine andere Sprache spricht. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Coach Pascal Meyer seine Genfer auf Angriff programmiert hatte. "Offensiv, Flügelspiel, sicherer Abschluss" - so stand es in seinem Notizbuch, und so sah es auch aus. Bereits in der 2. Minute prüfte Mittelfeldmotor Guillaume Leclair den Vaduzer Keeper Krieger mit einem ersten Warnschuss. Fünf Minuten später zog Uwe Auch nach - noch vorbei, aber ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Dann die 19. Minute: Cameron Smith flankt butterweich von links, James Wiltshire steigt hoch wie ein Turm und köpft zum 1:0 ein. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gefühlt", grinste Wiltshire später in der Mixed Zone. Das Publikum jubelte, noch bevor der Ball im Netz zappelte - und hatte kaum Zeit zum Durchatmen, denn Vaduz antwortete prompt: Nur eine Minute später zog Tiago Escudero, der rechte Verteidiger mit Offensivdrang, nach feinem Zuspiel von Nils Weis ab - 1:1. "Vielleicht hätte er einfach hinten bleiben sollen", knurrte Genf-Trainer Meyer halb im Spaß, halb im Ernst. Das Spiel wogte hin und her, Vaduz mit etwas mehr Ballbesitz (50,8 %), Genf mit mehr Zug zum Tor. In der 39. Minute belohnte sich die Heimmannschaft: Routinier Humberto Lupus, 36 Jahre jung, spielte einen Pass durch die Schnittstelle, Nuno Minguez sprintete hinein und traf trocken ins lange Eck. 2:1 - und das Stadion kochte. "Ich wollte ihn eigentlich lupfen", lachte Minguez später. "Aber dann dachte ich: Ach, mach’s einfach." Nach der Pause blieb Genf offensiv, Vaduz lauerte auf Konter. Dominique Moritz, der flinke Rechtsaußen der Liechtensteiner, hatte in der 69. Minute seinen großen Moment: Nach Vorarbeit von Innenverteidiger Manfred Blais schob er überlegt zum 2:2 ein. "Wir haben da kurz geschlafen", schimpfte Meyer an der Seitenlinie. Sein Assistent soll gemurmelt haben: "Das war kein Nickerchen, das war Tiefschlaf." Doch der FC Genf zeigte Moral. In der 80. Minute kam wieder der erfahrene Lupus ins Spiel - diesmal als Assistgeber für Uwe Auch. Der Linksaußen schloss nach kurzer Drehung ab, der Ball schlug unhaltbar im rechten Winkel ein. 3:2! "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht schieße, schimpft der Trainer wieder über unser ’sicheres Schießen’", witzelte Auch später. Meyer grinste nur: "Wenn er immer so ungehorsam ist, kann ich damit leben." In den letzten Minuten warf Vaduz alles nach vorne, doch Genfs Defensive - angeführt vom starken Evan Shepherd - hielt stand. Eine Gelbe Karte für Antonio Alves (74.) sorgte kurz für Unruhe, aber am Ende reichte es nicht mehr für die Gäste. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe mit Vorteilen für die Genfer: Mehr Zweikämpfe gewonnen (54,8 %), mehr Schüsse aufs Tor, mehr Spielfreude. Vaduz blieb bemüht, aber zu harmlos im Abschluss. "Wir hatten unsere Chancen", seufzte SC-Coach - der anonym bleiben wollte, aber wir nennen ihn einfach den Mann mit der ausgeglichenen Taktik. "Aber Genf hatte halt drei Momente, wir nur zwei." Nach Abpfiff feierten die Genfer Fans ihre Helden, während Wiltshire und Lupus sich auf dem Rasen umarmten. "Er hat mir schon als Jugendtrainer gesagt, ich soll mit dem Kopf treffen", sagte Wiltshire über den 36-jährigen Spielmacher. "Jetzt hab ich’s endlich gemacht." Pascal Meyer fasste den Abend trocken zusammen: "Wir wollten zeigen, dass man auch im Januar schwitzen kann." Und wie sie schwitzten - ein Sieg, der den FC Genf auf Kurs bringt, Vaduz dagegen in Grübelei stürzt. Zum Schluss blieb nur das leise Zwinkern des Stadionsprechers, der die Lautsprecher abschaltete mit den Worten: "Wer heute gefroren hat, war nicht beim FC Genf." Und das stimmte - denn heißer kann ein 3:2 kaum sein. 05.03.643987 16:25 |
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