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Wenn man ehrlich ist, hatte der 12. Spieltag der 1. Liga Niederlande nicht unbedingt nach einem Klassiker ausgesehen. FC Eindhoven gegen SC Tilburg - das klang eher nach solide gefülltem Stadion und lauwarmer Bratwurst als nach Fußballfeuerwerk. Doch dann kam ein Montagabend, an dem 32.000 Zuschauer alles bekamen: Tore, Emotionen und ein bisschen Chaos zwischen den Linien. Eindhoven begann, als wolle man den Ballbesitz gleich mit nach Hause nehmen: 50,8 Prozent zu 49,2 - also praktisch Gleichstand, aber mit Stil. Schon in der zweiten Minute musste der heimische Torwart Koenraad Onderdonk einmal tief durchatmen, als Tilburghs Larz Spoor aus spitzem Winkel abzog. "Ich hab den Ball kommen hören, bevor ich ihn gesehen hab", grinste Onderdonk später - und das war kein Scherz. Dann rollte der blau-weiße Express: Nael Alvarez, der ewige Rechtsaußen mit der Stoppuhr im Kopf, prüfte in der 6. Minute Gästetorhüter Bram Van Tassel. Die Eindhoven-Fans waren wach, die Tribüne vibrierte, und Trainer Andreas Riemann schrie von der Seitenlinie: "Schneller, Männer, das ist kein Schachturnier!" In der 28. Minute zahlte sich der Druck aus. Nael Coelho, der Mann mit dem poetischen Fuß, zog aus halbrechter Position ab - 1:0. Das Stadion explodierte, Coelho rannte Richtung Trainerbank und jubelte mit ausgestreckten Armen: "Ich wusste, dass er reinfliegt!" Riemann lächelte nur trocken: "Na klar wusstest du das, Nael." Doch wer dachte, Tilburg würde brav in die Defensive verfallen, irrte gewaltig. Nur sechs Minuten später setzte der 20-jährige Marnix Shuck einen satten Flachschuss ins linke Eck - 1:1. Ein Ausgleich, der die Gäste jubeln ließ und den Heimblock verstummen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Shuck nach dem Spiel zu, "aber manchmal muss man eben auch mal Glück haben." Von da an ging’s Schlag auf Schlag. Keine 60 Sekunden nach dem Wiederanstoß zauberte Eindhoven eine Kombination, die selbst niederländische Maler des Goldenen Zeitalters stolz gemacht hätte. Tiago Velez legte quer, Jose Maria Arias nahm Maß und drosch den Ball humorlos unter die Latte - 2:1. Riemann riss die Arme hoch, während Tilburg-Trainer Callum Macgrogg etwas ratlos den Kopf schüttelte. "Ich hab meinen Jungs gesagt, sie sollen kompakt stehen", seufzte er später. "Ich meinte nicht: alle auf einem Fleck." Die zweite Halbzeit brachte mehr Nervenkitzel als Tore. SC Tilburg suchte mit spielerischem Gleichmut den Ausgleich, Eindhoven verteidigte mit Herz und gelegentlicher Verzweiflung. Everhart Weidman, der rechte Verteidiger der Gäste, kassierte in der 68. Minute Gelb - wohl eine Folge seiner sehr eigenen Definition von "Ball gespielt". Statistisch war’s ein ausgeglichenes Spiel: Eindhoven mit zehn, Tilburg mit sechs Torschüssen. Aber die Qualität lag klar bei den Hausherren. Vor allem Gerard Closson und Alvarez sorgten auf den Flügeln immer wieder für Alarm, auch wenn Van Tassel im Tilburg-Tor mehrfach spektakulär rettete. In der 75. Minute hatte Jacques Brinkmann die Entscheidung auf dem Fuß, jagte den Ball aber in die Nacht von Eindhoven. "Ich wollte sicher gehen, dass der Satellit weiß, wo wir spielen", witzelte er nach der Partie. Die Schlussphase war ein Nervenkrimi. Tilburg rannte, Eindhoven taumelte, und in der Nachspielzeit (93.) prüfte Alvarez noch einmal Van Tassel - der parierte mit den Fingerspitzen. Dann war Schluss, und das Stadion atmete auf. Trainer Riemann zeigte sich zufrieden, aber auch realistisch: "Das war kein Kunstwerk, aber manchmal reicht ehrliche Arbeit. Und ein bisschen Glück." Sein Gegenüber Macgrogg hingegen zog ein bitteres Gesicht: "Wir hatten unsere Chancen. Aber wir hätten noch zwei Stunden spielen können - der Ball wollte einfach nicht mehr rein." Ein verdienter Sieg für Eindhoven also, der sie in der Tabelle weiter nach oben bringt, während Tilburg mit hängenden Köpfen in den Bus steigt. Und irgendwo auf der Tribüne raunte ein Fan: "Wenn die so weitermachen, brauchen wir bald Herztabletten beim Einlass." Vielleicht gar keine schlechte Idee. Fußball in Eindhoven - nichts für schwache Nerven. 26.05.643987 13:20 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund